Fridays for Future Schwäbisch Hall
: Klimawandel ängstigt

140 Menschen versammeln sich am Freitag auf der Treppe vor St. Michael. Eltern unterstützen die Bewegung Friday for Future.
Von
Elisabeth Schweikert
Schwäbisch Hall
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Die Schülerinitiative Friday for Future ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen: Familien und Senioren demonstrieren am Freitag auf der Treppe vor St. Michael.

Elisabeth Schweikert

Weltweit waren für den vergangenen Freitag mehr als 3000 Friday–for–future–Demonstrationen angesagt. Eine wurde auf dem Schwäbisch Haller Marktplatz abgehalten. Dominierten in den Monaten vor der Corona–Pandemie noch Schüler die Demonstrationen, sind an diesem Tag vielfach junge Familien gekommen sowie zahlreiche Senioren.

Kurz vor Beginn der Versammlung eilt mit schnellen Schritten Tabea Kilian (36) zum Marktplatz. An der einen Hand führt sie ihre siebenjährige Tochter Maja, in der anderen hält sie ein Tamburin, in dem Rasseln, Kastangetten und andere Rhythmusinstrumente zum Krach machen liegen. Auch ein selbst gestaltetes Plakat hat sie dabei, „Kein Grad mehr“ steht drauf.  Auf dem Marktplatz angekommen scherzt ein älterer Mitdemonstrant: „Da steht bestimmt drauf: Kein Krach mehr.“ Krach gibt es an diesem Nachmittag keinen, die Demonstration läuft geordnet ab, Reden und Musik kommen vom Band. „Ich bin ganz tief betroffen, an welchem Punkt der menschlichen Geschichte wir stehen“, erklärt Tabea Kilian, warum sie an der Kundgebung teilnimmt. „Wissenschaftler sagen, wir habe nur wenig Zeit, wenn wir als Menschheit auf diesem Planeten leben wollen.“ Ihre Familie hat deshalb vieles darauf ausgerichtet, um die ressourcenschonend zu leben: Das Auto so oft es geht stehen lassen, gebrauchte Kleidung auftragen. Und jüngst ist die Familie Solawi beigetreten, der Initiative solidarische Landwirtschaft. „Das ist für mich das klimafreundlichste Ernährungskonzept“, stellt Tabea Kilian fest.

Kein Schnee mehr im Winter

Zukunftssorgen treiben auch andere um. Aus Gschwend ist Jan Widmaier (38)  mit seiner Frau Jule und ihren drei Kindern gekommen. „Wir waren schon am 20. September 2019 hier mit dabei, weil das Thema so extrem wichtig ist“, erklärt Widmaier. „Wir steuern auf den ökologischen Kollaps zu, wenn die Politik jetzt nicht zu drastischen Maßnahmen greift.“ Mit Umweltthemen habe er sich schon immer befasst, doch „vor zwei, drei  Jahren habe ich die Dramatik erst richtig verstanden.“ Sein Umfeld reagiere häufig mit Unverständnis auf seine Haltung. „Viele wissen nicht, dass vier, fünf, sechs Grad Erwärmung ausreichen, damit zirka zwei Drittel der Erde unbewohnbar wird.

Sohn Lorenz Widmaier (elf) hat sich aus Überzeugung den Eltern angeschlossen. „Als ich klein war, gab es fast jeden Winter Schnee. Jetzt nicht mehr.“ Er führt diese Veränderung auf Autoabgase zurück.  In der Schule sei der Klimawandel bislang kein Thema im Unterricht gewesen.

Oberbürgermeister Hermann–Josef Pelgrim kommt aus dem Rathaus und hält einige Minuten inne.  „Positiv“ bewertet er die Demonstration. Diese sei hilfreich. Noch immer müsse die Stadt um jeden Windkraftstandort kämpfen. Diesen Punkt spricht auch Dietmar Jagst an, der am Goldenen Adler vorbei geht. Der Passant kommt aus Friesland. „Es muss schon mehr Strom aus Windkraft kommen. Die ist besser als Sonnenstrom. Da wird der Natur weniger geschadet.“

Breite Basis in der Bevölkerung

Hanne Nübel (68) und Benedict Zott (18) gehören zum Organisationsteam. Beide bestätigen, dass bei dieser Veranstaltung weniger Jugendliche dabei sind, als bisher. Über die Ursachen können sie nur spekulieren. Zott begrüßt, dass sich so viele ältere Menschen der Bewegung angeschlossen haben. „Diese stellen die Mehrheit in der Bevölkerung.“ Die wichtigste politische Forderung ist für ihn der Kohleausstieg bis 2030 und die Einhaltung des Pariser Klimaabkommens.