Aktion „Hier sind wir zu Hause“: Brot, Schnaps und Eis vom eigenen Hof

Martin, Nicole und Annelie Schmidt im kleinen Hofladen auf dem landwirtschaftlichen Betrieb in Mittelrot. Dort verkauft die Familie nicht nur jeden Mittwoch frisches Brot und Brötchen, sondern auch selbst gebrannte Schnäpse und selbst hergestelltes Eis.
Jonas Krauthansl- Dornwiesenhof in Mittelrot: Familienbetrieb mit 95 Milchkühen, Hofladen und Automaten.
- Arbeit und Wandel: lange Wochen, mehr Bürokratie, sinkender Milchpreis, Wetter belastet Ernten.
- Produkte vor Ort – Brot, Schnaps, Likör, Gin und Eis – Verkauf mittwochs im „Lädle“.
- Tochter Annelie produziert „Liesel’s Eis“ mit rund 40 Sorten, auch an neun Automaten.
- Familie hält zusammen, trotz Corona-Folgen und Long Covid; Hof soll Sohn Lukas übernehmen.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Auf dem Dornwiesenhof in Mittelrot leben und arbeiten drei Generationen: Martin Schmidt mit Frau Nicole, Mutter Brigitte – die 83-Jährige hat bis vor wenigen Jahren noch im Stall mit angepackt – sowie Sohn Lukas und Tochter Annelie. 1995 zog es die Familie samt ihrer Landwirtschaft aus der Ortsmitte an den Ortsrand.
Seit dem Anbau vor elf Jahren hat der Stall Platz für insgesamt 105 Milchkühe. Derzeit beherbergt der Bauernhof 95 Kühe; hinzu kommen 75 Stück weibliches Jungvieh. Grund für die freie Kapazität ist laut Martin Schmidt die Blauzungenkrankheit, deren Auswirkungen vergangenes Frühjahr „brutal Probleme gemacht“ haben. „Ich mag meine Kühe“, schmunzelt Schmidt. Neben den Tieren besitzt die Familie hauptsächlich Grün- und dazu noch etwas Ackerland. Gras bildet neben Silomais die Futtergrundlage der Rinder.
Landwirtschaft im Wandel
Derzeit läuft die Ernte. „Die Wintergerste ist schon gedroschen“, berichtet der 59-Jährige. Das Wetter stellt Landwirte zunehmend vor Herausforderungen. Einerseits beginne das Frühjahr immer früher, „man muss sich beeilen mit dem ersten Schnitt“. Und: „Hinten raus wird es immer länger.“ Andererseits führen Hitze und ausbleibender Regen dazu, dass das Gras „wegbrennt“. Es braucht dringend Wasser, weiß Schmidt. Doch bis sich die Grasnarbe von der Trockenheit erholt, dauert es bis in den Herbst hinein. „Da kommt dieses Jahr nicht mehr viel“, ist sich der Landwirt deshalb sicher.
Auch die Arbeit auf dem Hof habe sich während der vergangenen Jahrzehnte stark verändert. Ein Beispiel: Früher, zur Generation von Schmidts Großeltern, musste eine zwei Hektar große Wiese noch auf zweimal gemäht werden. „Heute mähen wir 60 Hektar auf einmal.“ Ob das besser ist? „Es ist zwar weniger körperliche Arbeit, aber die Welt ist viel stressiger und hektischer geworden.“ Ein großes Problem sieht Schmidt in der ausufernden Bürokratie. Obwohl der Hof nur ein kleiner landwirtschaftlicher Betrieb ist, könnte Schmidt, so sagt er, eine volle Stelle „nur für den Papierkram“ besetzen. Hinzu kommt derzeit der rasante Absturz des Milchpreises.
Aktionswoche „Hier sind wir zu Hause“ in Fichtenberg
Die Rundschau nimmt bei der Aktionswoche „Hier sind wir zu Hause“ die Gemeinde Fichtenberg in den Fokus und veröffentlicht täglich einen Beitrag zu einem bestimmten Schwerpunkt. Nach „Wohnen“ sind noch die Themen Familie, Genuss, Freizeit/Natur und Sport/Vereine dran.
Höhepunkt der Aktion ist eine Veranstaltung am Dienstag, 21. Juli, 18 Uhr, an der Gemeindehalle Fichtenberg. Dort stellen sich die Verlagsmitarbeiter der Rundschau vor. Teamleiterin Verena Köger interviewt Bürgermeister Glenk zur Entwicklung der Gemeinde. Wer Fragen an Bürgermeister Glenk richten möchte, die bei der Veranstaltung gestellt werden sollen, schickt diese E-Mail an redaktion.sho@swp.de mit dem Stichwort „Fichtenberg“.
Die Gewinner des Malwettbewerbs des Kindergartens werden gekürt. Es stehen eine Hüpfburg, eine Torwand und ein Glücksrad bereit. Die Bewirtung übernehmen die SK Fichtenberg und Judith’s Kugelschmiede.
Die Bürgerinnen und Bürger haben während der Aktionswoche die Möglichkeit, die Lebensqualität in der Gemeinde Fichtenberg zu bewerten. Einfach über www.swp.de/rundschau/umfrage an der Umfrage teilnehmen. Bewertet wird nach Schulnoten von 1 bis 6.
Früher wurde samstagmittags das Wochenende eingeläutet, der Hof gekehrt oder das Auto gewaschen, erinnert er sich. Daran sei inzwischen nicht mehr zu denken. Nichtsdestotrotz sagt Martin Schmidt: „Ich bin innerlich zufrieden.“ Freilich schwingt auch Stolz mit, auf das, was die Familie aufgebaut hat und bis heute weiterführt.
Hofladen und Automaten
Der Tag der Schmidts startet spätestens um sechs Uhr. Dann klingelt der Wecker und die Kühe müssen gemolken und der Stall gemacht werden. Heilig ist der Familie die gemeinsame Zeit am Frühstückstisch – „das Frühstück ist unsere Teambesprechung“ – und beim Mittag- beziehungsweise Abendessen. Für gewöhnlich endet der Arbeitstag gegen 20 Uhr; während der Erntezeit kann er aber auch mal länger gehen.
Im Betrieb hat jedes Familienmitglied seinen eigenen Aufgabenbereich. Martin Schmidt stellt in der hofeigenen Brennerei Schnäpse, Liköre und Gin her. Seine Frau Nicole ist gelernte Bäckerin. Seit mehr als zwei Jahrzehnten backt sie in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch verschiedene Brote und Brötchen, Salz- und Zwiebelkuchen und weitere süße und herzhafte Leckereien in der eigenen Backstube mit zwei Öfen. Die werden mittwochs im „Lädle“ verkauft. Im Verkaufsraum davor und im Hof stehen außerdem mehrere Automaten, die mit weiteren Lebensmitteln und selbst gemachtem Eis befüllt sind. „Die Direktvermarktung bindet viel Zeit“, weiß Martin Schmidt.
40 verschiedene Eissorten
Tochter Annelie (24) ist nicht nur gelernte Landwirtin, sondern auch Konditormeisterin. Ihre Leidenschaft sind Eistorten. Seit 2020 produziert die junge Frau selbst Eis. Inzwischen ist sie selbstständig und vermarktet „Liesel’s Eis“ nicht nur auf dem eigenen Hof. Neun weitere Automaten stehen unter anderem in Fichtenberg, Oberrot, Münster oder Ottendorf. Doch der Anfang war holprig, gerade „das erste Jahr mit Beginn von Corona war schon schwierig“, erinnert sich Martin Schmidt.
Saisonal abwechselnd bietet Annelie Schmidt rund 40 verschiedene Sorten an – nicht nur klassische, sondern auch ausgefallene Varianten wie Asbach-Cola oder Weißwurst. Besonders beliebt sei die Geschmacksrichtung Joghurt-Gurke-Gin, gerade jetzt im Sommer. Aber auch Cookie- und Lemon-Cake-Eis kämen gut an. Grundsätzlich laufen ausgefallene Sorten besser, verrät Schmidt. Deswegen müsse man offen sein für neue Ideen. Martin Schmidt sieht Parallelen zum Schnapsbrennen: „Wenn du Gutes reintust, kommt was Gutes raus.“ Man darf nicht an den richtigen Zutaten sparen, da sind sich Vater und Tochter einig. Die Eismaschine steht in der Brennerei – im Sommer wird dort spätestens alle zwei Wochen Eis hergestellt, im Winter Schnaps gebrannt.
Rückhalt von Familie und Freunden
Die Coronapandemie hinterließ Spuren im Familienbetrieb. Zunächst dachte Martin Schmidt, die Politik hätte endlich begriffen, wie wichtig regionale Lebensmittel sind und dass sie mehr wert und besser fürs Klima sind als Bioprodukte von anderen Kontinenten. Doch das sei nur eine Momentaufnahme gewesen. Außerdem leidet der Landwirt bis heute an Long Covid. Die vergangenen drei, vier Jahre seien enorm anstrengend gewesen. Ohne den Rückhalt seiner Familie sowie die Hilfe von Bekannten und Freunden hätte der Hof nicht weitergeführt werden können. Aber als Landwirte kämpfen sie für das, was ihre Vorfahren aufgebaut haben, sagt Schmidt. Auch, wenn es Momente gibt, in denen er sich fragt: Macht das alles noch Sinn? Doch dann lautet seine Antwort: „Landwirtschaft ist mein Leben.“
Die Schmidts kommen durchschnittlich auf je rund 70 Arbeitsstunden in der Woche, viel Freizeit bleibt da nicht. Doch inzwischen legt Schmidt Wert darauf, einmal im Jahr in den Urlaub zu fahren. „Jeder Tag Urlaub fühlt sich für mich wahrscheinlich wie 14 Tage Urlaub für andere an“, sagt er lachend, weil er es viel intensiver wahrnehme. Besonders gerne macht er Kreuzfahrten. „Auf dem Schiff kann ich entspannen wie nirgends anders.“ Doch wenn er von seinen Tieren erzählt, ist dem Landwirt anzumerken, dass er sich auf dem Hof in Mittelrot immer noch am wohlsten fühlt. Den soll eines Tages Sohn Lukas (26) übernehmen. Der Landwirtschaftsmeister arbeitet derzeit zu 50 Prozent im Familienbetrieb.
Fichtenberger Gastronomie im Überblick
Gasthof Krone in Fichtenberg
Inhaber Wolfgang Fritz, Öffnungszeiten: Dienstag bis Donnerstag 9 bis 22 Uhr, Freitag und Samstag 9 bis 23 Uhr, Sonntag 9 bis 22 Uhr; Küchenzeiten: 11.30 bis 14 Uhr und 17 bis 21 Uhr
Gaststätte Adler in Fichtenberg
Inhaberin Efi Lymperiou, Öffnungszeiten: Donnerstag 16.30 bis 24 Uhr, Freitag bis Sonntag von 10 bis 24 Uhr; Küchenzeiten 11 bis 14 Uhr und 18 bis 21 Uhr
Pizza Felicità in Fichtenberg
Inhaber Danijel Lesic, Öffnungszeiten: Freitag und Samstag 11 bis 22 Uhr, Sonntag 10 bis 20.30 Uhr, Montag 11 bis 13.30 Uhr und 16 bis 20 Uhr
Judith's Kugelschmiede in Fichtenberg
Inhaberin Judith Sperandio, Öffnungszeiten Freitag bis Sonntag 14 bis 18 Uhr
Seestüble Belvedere am Diebach-Stausee
Inhaberin: Yüksel Acar Comite, Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 11.30 bis 14 Uhr und 17.30 bis 22 Uhr
Hofladen Dornwiesenhof in Mittelrot
Inhaber Martin Schmidt, Öffnungszeiten: Mittwoch 8 bis 18 Uhr, Sonntag ab 12.30 Uhr (Kuchen- und Tortenverkauf)
Liesel's Eis in Mittelrot
Inhaberin Annelie Schmidt, Öffnungszeiten: rund um die Uhr
Milchtankstelle in Mittelrot
Inhaber Bernd Kühnle, Öffnungszeiten: rund um die Uhr



