Unfallstatistik 2024: Rasen ist Hauptursache für schwere und tödliche Verkehrsunfälle

Im Rahmen einer Großkontrolle am Dienstag haben rund 30 Beamte der Polizeipräsidien Ulm und Einsatz den Verkehr auf der Bundesstraße 30 bei Baltringen in den Fokus genommen. Dabei stellten die Polizisten zahlreiche Verstöße fest.
Amrei Oellermann- 2024 stieg die Zahl der Verkehrsunfälle im Bereich des Polizeipräsidiums Ulm leicht an.
- 23.682 Unfälle, davon 2766 mit Personenschäden und 39 tödliche Unfälle.
- Hauptursachen: nicht angepasste Geschwindigkeit und Vorfahrtsverstöße.
- Mehr Unfälle mit Senioren, weniger mit jungen Fahrern.
- Alkohol- und Drogenunfälle gingen zurück.
- Polizei setzt auf Verkehrserziehung und Kontrollen zur Unfallprävention.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Ganze 23.682 Mal krachte es im vergangenen Jahr im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Ulm, der die Stadt Ulm und die Landkreise Alb-Donau, Biberach, Göppingen und Heidenheim umfasst – ein Plus von knapp 300 Verkehrsunfällen gegenüber dem Jahr 2023. Das geht aus der Unfallstatistik 2024 hervor, die das Präsidium am Dienstag vorgestellt hat.
Es gibt aber auch gute Nachrichten: Die Mehrheit der Unfälle sind sogenannte „Kleinstunfälle“ – Unfälle mit Sachschäden, bei denen keine oder nur geringe Ordnungswidrigkeiten vorliegen. Sie machen fast 60 Prozent der erfassten Fälle aus (14.128 Unfälle). Nach wie vor bleiben die Gesamt-Unfallzahlen hinter dem Spitzenwert aus dem Jahr 2019 zurück. Damals kam es zu mehr als 24.000 Verkehrsunfällen in der Region.
Bei 2766 Unfällen waren Personenschäden zu beklagen. Die Statistik weist 39 tödliche Unfälle aus, bei denen 42 Personen ihr Leben verloren. Allerdings wurden weniger Menschen bei Unfällen getötet (minus neun Prozent) und weniger schwerverletzt (minus zwei Prozent) als noch im Jahr 2023.
Zahl der Unfälle mit jungen Fahrern erneut rückläufig
Hinsichtlich der Haupt-Unfallursachen kann die Polizei ein klares Muster erkennen: Bei Unfällen mit Getöteten und Schwerverletzten ist demnach nicht angepasste Geschwindigkeit mit großem Abstand auf Platz 1. Danach folgen Vorfahrtsverstöße.
Bezogen auf alle Verkehrsunfälle krachte es am häufigsten beim Abbiegen, beim Wenden sowie beim An- und Einfahren in den Verkehr. Auf den Plätzen zwei und drei folgen auch hier Vorfahrtsverstöße und nicht angepasste Geschwindigkeit – allerdings beide mit rückläufiger Tendenz.
Die Zahl der Unfälle, an denen junge Erwachsene zwischen 18 und 24 Jahren beteiligt sind, sinkt im fünften Jahr in Folge leicht um 58 Fälle (minus drei Prozent). Sie liegt nun bei 1831, wobei 57 Prozent der Unfälle von den jungen Fahrern selbst verursacht wurden. Die Zahl der tödlichen Verkehrsunfälle bleibt für diese Gruppe mit zehn auf dem Niveau des Vorjahres; in sechs Fällen war die Unfallursache nicht angepasste oder überhöhte Geschwindigkeit.
Alb-Donau-Kreis bei Alkoholunfällen auf Platz 2
Die Anzahl der Verkehrsunfälle mit Beteiligung von Personen ab 65 Jahren steigt im fünften Jahr in Folge – wobei 61 Prozent der Unfälle von den Senioren selbst verursacht wurden. Als Haupt-Unfallursachen für diese Gruppe nennt die Polizei Vorfahrtsverletzungen, Fehler beim Ein- und Anfahren und Fehler beim Abbiegen und Wenden.
Spannend sind auch verschiedene Detailauswertungen, die das Polizeipräsidium Ulm zur Verfügung stellt: Die vom Bundestag am 23. Februar 2024 beschlossene Teil-Legalisierung von Cannabis führte demnach bislang nicht zu einer Zunahme der polizeilich registrierten Verkehrsunfälle. Sowohl die Zahl der Unfälle unter Drogeneinfluss als auch die unter Alkoholeinfluss ging im vergangenen Jahr zurück. Mit 86 Unfällen ereigneten sich die meisten Alkoholunfälle im Landkreis Göppingen, gefolgt vom Alb-Donau-Kreis und dem Landkreis Biberach mit je 70 Unfällen.
In mehr als 4800 Fällen flüchteten die Unfallverursacher im vergangenen Jahr vom Unfallort – besonders häufig nach Zusammenstößen beim Ein- und Ausparken. Bei knapp einem Drittel konnten die Verursacher im weiteren Verlauf ermittelt werden. Während die Zahl der Unfallfluchten insgesamt leicht rückläufig ist, flüchteten deutlich mehr Fahrer (plus 20 Prozent) nach Unfällen mit Personenschäden: Die Polizei erfasste 208 Fälle (2023: 173).
Polizei vielfältig um Aufklärung bemüht
„Zur Erhöhung der Verkehrssicherheit und damit auch zur Reduzierung der Verkehrsunfälle geht das Polizeipräsidium Ulm mehrgleisig vor“, heißt es in der Pressemitteilung weiter. Durch Verkehrserziehung werden demnach bereits in den Kindergärten und Grundschulen junge Verkehrsteilnehmer über die Gefahren des Straßenverkehrs und über richtiges Verkehrsverhalten aufgeklärt und informiert. Unterschiedliche Zielgruppen an jugendlichen und erwachsenen Verkehrsteilnehmern würden über verschiedenste Veranstaltungen zu Themen der Verkehrssicherheit informiert. Exemplarisch nennt die Polizei Motorradgottesdienste, Aktionstage und Verkehrssicherheitstage in Kommunen.
Durch konsequente Auswertung aller Verkehrsunfälle durch die Polizei werden außerdem Unfallhäufungsstellen ermittelt, an denen gegebenenfalls Maßnahmen zur Entschärfung getroffen werden – sowohl baulicher Art als auch in Form von Kontrollen.
Viele Verstöße auf der B30
Mit einer Großkontrolle auf der Bundesstraße 30 bei Baltringen hat die Polizei am Dienstag pünktlich zur Vorstellung der Unfallstatistik die Sicherheit im Straßenverkehr besonders in den Blick genommen. Von 10.30 bis 16.30 Uhr wurde in Fahrtrichtung Ulm kontrolliert. „Die Ergebnisse zeigen die Notwendigkeit derartiger Kontrollen“, zieht Thomas Hagel, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Ulm, am Abend ein ernüchterndes Fazit.
140 Fahrer waren demnach zum Teil erheblich zu schnell unterwegs – 15 von ihnen sammelten Punkte. Der Spitzenreiter raste mit 147 Stundenkilometern in die Kontrollstelle; erlaubt waren in diesem Bereich 100 km/h. 45 Fahrzeuge und Fahrer nahmen die Beamten gesondert unter die Lupe, weil sich bei einer ersten Ansprache Auffälligkeiten ergeben hatten. Sieben waren unter Drogeneinfluss unterwegs, einer obendrein ohne Fahrerlaubnis. Im gewerblichen Verkehr fielen zehn Fahrer mit nicht richtig gesicherter Ladung auf, einer verstieß gegen die Lenk- und Ruhezeiten.

