SWP+SWP+Nach Razzia in Schelklingen
: Starlink-Sabotage – es gibt Hinweise auf die türkische Mafia

Einem 38-jährigen, in Schelklingen lebenden Mann wird vorgeworfen, einen Sabotageanschlag in Polen verübt zu haben. Auch einer Mafiagruppe könnte er angehört haben.
Von
Bernhard Raidt
Schelklingen
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Gemeinschaftsunterkunft des Alb-Donau-Kreises in Schelklingen. Ein 38-Jähriger, der dort gewohnt hat, soll einen Sabotageanschlag im Auftrag Russlands in Polen verübt haben. Es gibt außerdem Berichte über Verbindungen zur türkischen Mafia.

Gemeinschaftsunterkunft des Alb-Donau-Kreises in Schelklingen. Ein 38-Jähriger, der dort gewohnt hat, soll einen Sabotageanschlag im Auftrag Russlands in Polen verübt haben. Es gibt außerdem Berichte über Verbindungen zur türkischen Mafia.

Bernhard Raidt
  • Razzia in Schelklingen: Verdacht auf Sabotage an Starlink-Station in Polen durch Ümit E.
  • Ermittler prüfen Verbindungen zur türkischen Mafia „Daltons“, laut ARD und „Der Spiegel“.
  • Auftrag soll aus Russland stammen – Kontakte des „Daltons“-Chefs nach Russland werden genannt.
  • Polen beantragt Auslieferung, Anhörungen laufen am OLG Stuttgart. Ümit E. sitzt in Haft.
  • Aufenthaltsstatus des Beschuldigten in Schelklingen bleibt offen, Behörden nennen Datenschutz.

Die Zusammenfassung wurde von einer generativen künstlichen Intelligenz erstellt.

Eine Razzia am Abend. Einsatzkräfte haben vor Kurzem eine Gemeinschaftsunterkunft in Schelklingen durchsucht. Der dort wohnende Ümit E. soll – mutmaßlich im Auftrag Russlands – zusammen mit einem Komplizen einen Sabotageanschlag auf eine Starlink-Station in Polen verübt haben. Jetzt, eine Woche danach, spielt die aufsehenerregende Aktion im mehrstöckigen Gebäude der Unterkunft keine Rolle mehr. „Nein, kenne ich nicht, den Mann“, sagt ein Bewohner, der gerade aus der Tür tritt. Er lebe mit seiner Familie in der Unterkunft. Der Einsatz der Polizei in der vergangenen Woche? „Keine Ahnung, davon habe ich nichts mitbekommen“, lässt er seine Handy-App übersetzen. Auch ein junger Mann, der in der Nähe der Unterkunft sitzt, zuckt nur mit den Schultern. Polizei, Sabotage? Davon wisse er nichts.

Es deutet einiges auf die Mafia der „Daltons“ hin

Allerdings sind jetzt Hinweise aufgetaucht, die auf eine Beteiligung der türkischen Mafia an der Sabotage-Aktion hindeuten. Nach Informationen der ARD und des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ sollen der in Schelklingen wohnende Mann und sein Komplize einer türkischen Verbrechervereinigung namens „Daltons“ entweder angehören oder zumindest von Anhängern der Bande beauftragt worden sein. Das Nachrichtenmagazin beruft sich dabei auf Angaben mehrerer Sicherheitsbehörden.

Die „Daltons“ werden zur Organisierten Kriminalität gezählt. Sie sollen überwiegend Jüngere in ihren Reihen haben und gelten als besonders aggressiv und gewaltbereit. Im vergangenen Monat sind etwa mutmaßliche Mitglieder der „Daltons“ in Mannheim verhaftet worden. Ihnen werden Schutzgelderpressung, Schüsse auf einen Imbiss in der Mannheimer Innenstadt und Brandanschläge vorgeworfen.

Der Chef der Mafia hat Verbindungen zu Russland

Die Sicherheitsbehörden vermuten, dass die „Daltons“ den Auftrag für den Anschlag auf die Starlink-Station in Polen möglicherweise von russischen Geheimdiensten erhalten haben. Denn es gibt Verbindungen zu Russland: Der mutmaßliche Anführer der „Daltons“, Beratcan Gökdemir, sei 2024 in Russland festgenommen worden, berichtet „Der Spiegel“. Die Türkei habe seine Auslieferung gefordert. Russland habe den mutmaßlichen Bandenchef aber gewähren lassen und ihn sogar beschützt, berichtet das Nachrichtenmagazin und beruft sich dabei auf Angaben von Sicherheitsbehörden. Experten vermuten nun, die russische Führung habe dafür womöglich eine Gegenleistung der „Daltons“ erwartet. Es sei aber unklar, ob sich Gökdemir weiterhin in Russland aufhält.

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Klarheit, in welchem Auftrag der 38-Jährige aus Schelklingen handelte und ob er möglicherweise selbst Mitglied der türkischen Mafia war, könnte ein Prozess bringen. Ein solcher droht dem Mann in Polen, das Land hat die Auslieferung beantragt. Momentan laufen die Anhörungen, berichtet Lars Kemmner, Richter am zuständigen Oberlandesgericht Stuttgart. Wie schnell die Auslieferung nach Polen erfolgt, hängt davon ab, ob Ümit E. seiner Auslieferung zustimmt. Tut er dies, fällt die Entscheidung im sogenannten vereinfachten Verfahren innerhalb von zehn Tagen. Widerspricht er der Auslieferung, prüft das Oberlandesgericht die rechtliche Zulässigkeit, was einige Monate dauern kann. Für Polens Regierung hat die Aufklärung des Starlink-Anschlags jedenfalls hohe Priorität, es ist davon auszugehen, dass das Land auf die Auslieferung drängt. Ümit E. sitzt jedenfalls derzeit in Auslieferungshaft.

Aufenthaltsstatus von Ümit E. ist nicht bekannt

Unklar ist auch, mit welchem Aufenthaltsstatus Ümit E. in der Unterkunft in Schelklingen lebte. Das zuständige Landratsamt des Alb-Donau-Kreises, das das Gebäude von der Jugendhilfeeinrichtung St. Konradihaus angemietet hat, macht dazu keine Angaben und verweist auf den Datenschutz. Möglicherweise lebte er mit einer sogenannten Duldung in Schelklingen. Dieser Aufenthaltsstatus wird etwa wegen einer laufenden Ausbildung oder einer Berufstätigkeit erteilt, wegen Krankheit oder familiären Bindungen, aber auch wegen fehlender Reisedokumente. 15.100 türkische Staatsangehörige leben mit einer solchen Duldung in Deutschland (Stand März 2025), berichtet der Mediendienst Integration.

Die „Daltons“ gelten als besonders aggressive Mafia-Organisation

Die „Daltons“ gelten als besonders gewaltbereite Gruppe der Organisierten Kriminalität. In Ansbach (Bayern) hat etwa erst in dieser Woche ein Prozess gegen zwei mutmaßliche Mitglieder der Bande begonnen. Sie sollen gezielt auf SEK-Beamte geschossen haben. Wegen ihrer vielen jungen Mitglieder werden die „Daltons“ auch als „Gen-Z-Mafia“ bezeichnet – „Generation Z“ werden die heute 15- bis 29-Jährigen genannt. Der ungewöhnliche Name der Mafiagruppe soll aus einer Comicreihe stammen – die Räuberbande der „Daltons“ ist dort der Gegner des Titelhelden Lucky Luke.