
Tochter sexuell missbraucht: Eltern machten mit und schauten zu – Freund der Familie taucht unter

Prozessauftakt vor dem Landgericht Ellwangen am Mittwoch. Es geht um schweren sexuellen Missbrauch von Kindern in Rot am See. Auf der Anklagebank rechts: die Eltern.
Jens Sitarek- Prozess in Ellwangen: Eltern aus Rot am See wegen schweren Kindesmissbrauchs angeklagt.
- Vorwürfe: gemeinschaftlicher Missbrauch, Vergewaltigung und Taten an Schutzbefohlener.
- Tochter vertraute sich Lehrkraft an und lebt seit Februar in Inobhutnahme.
- Ein „Freund“ der Familie sollte mitangeklagt werden – er tauchte nach Haftaufhebung unter.
- Fortsetzung am Montag um 9.15 Uhr, geplante Videovernehmung wohl ohne Öffentlichkeit.
Die Zusammenfassung wurde von einer generativen künstlichen Intelligenz erstellt.
Gemeinschaftlicher schwerer sexueller Missbrauch von Kindern, gemeinschaftlicher sexueller Missbrauch von Schutzbefohlenen, gemeinschaftliche Vergewaltigung – vor dem Landgericht Ellwangen geht es am Dienstagmorgen unter anderem um Tatvorwürfe wie diese. Was sich konkret dahinter verbirgt: Ein Ehepaar aus Rot am See, der Vater 45, die Mutter 41 Jahre alt, soll die eigene Tochter über Monate hinweg sexuell missbraucht haben.
Mehr noch: Sie sollen die Tochter zudem zu sexuellen Handlungen mit einem Freund der Familie gedrängt haben. Die Taten passierten im Kinderzimmer, Wohnzimmer und Schlafzimmer der Wohnung und sollen ans Licht gekommen sein, weil sich die heute 13-Jährige einer Lehrkraft anvertraute. Seit Februar befindet sich die Tochter in einer Inobhutnahme.
Eltern starren nach unten
Zum Prozessauftakt verliest Staatsanwältin Stefanie Grün lediglich die Anklageschrift. Währenddessen sitzen die Eltern regungslos auf der Anklagebank und starren nach unten. Sie sollen die damals Elfjährige im Frühjahr 2025 zu sexuellen Handlungen am Vater gebracht haben („Learning by doing“). Später sollen sie das Mädchen dazu aufgefordert haben, auch sexuelle Handlungen an einem „langjährigen Freund“ der Familie vorzunehmen.
Der 54-Jährige, ein kroatischer Staatsbürger, soll sich ebenfalls mehrmals an der Tochter vergangen und ungeschützten Geschlechtsverkehr mit ihr gehabt haben, auch an Weihnachten. Die Eltern sollen ihm ihr Kind für die Übergriffe zur Verfügung gestellt haben. Er soll sogar einen eigenen Schlüssel für die Wohnung in Rot am See bekommen haben.
Unter Druck gesetzt
Um den Jahreswechsel 2025/2026 sollen die Eltern und der Freund gemeinsam sexuelle Gewalt gegen die damals Zwölfjährige ausgeübt und sie mit Drohungen unter Druck gesetzt haben (entweder Stromschläge, eigene Augen essen oder Gruppensex zu viert). In der Anklageschrift ist noch die Rede davon, dass es Foto- oder Filmaufnahmen der Taten aus dem September 2025 gibt.
Der Vater und der Freund kamen nach der Entdeckung im Februar in U-Haft, die Mutter blieb auf freiem Fuß. Um den Prozess jetzt zu verstehen, muss man wissen, dass der Vater aus einer Strafhaft in einer anderen Sache aus der Justizvollzugsanstalt vorgeführt wurde. Dies hat mit einer seit Sommer dieses Jahres rechtskräftigen Verurteilung des Amtsgerichtes Langenburg wegen eines Vermögensdeliktes (Betrug in Tateinheit mit Urkundenfälschung) zu tun. Der bestehende Haftbefehl gegen ihn ist derzeit nicht in Vollzug.
Vernehmung im Video
Eigentlich sollte der Freund der Familie mit den Eltern auf der Anklagebank sitzen, doch das Verfahren musste abgetrennt werden. Hintergrund: Das Landgericht Ellwangen hob den Haftbefehl gegen ihn im Sommer mangels dringenden Tatverdachts auf. Daraufhin legte die Staatsanwaltschaft Ellwangen Beschwerde beim Oberlandesgericht Stuttgart ein, das die Entscheidung des Landgerichtes aufhob. Doch der Angeklagte nutzte die Freiheit, die sich ihm bot, und tauchte unter.
Erst als Jochen Fleischer, der Vorsitzende Richter der 2. Großen Strafkammer, die Eheleute nach der Verlesung der Anklageschrift belehrt, gehen deren Blicke nach oben. Erster Staatsanwalt Armin Burger, der mit seiner Kollegin Grün die Staatsanwaltschaft vertritt, wirft noch ein, dass er die Verteidiger Dennis Arendt (Vater) und Björn Wirsching (Mutter) darauf angesprochen habe, ob ein Rechtsgespräch gewünscht werde. Das war es mit Tag eins.
Der Prozess wird am kommenden Montag (26. Oktober) um 9.15 Uhr fortgesetzt. Dann erhalten die beiden Angeklagten Gelegenheit zur Einlassung. Zudem soll das Video der richterlichen Vernehmung der Tochter vorgespielt werden – voraussichtlich unter Ausschluss der Öffentlichkeit, wie ein Sprecher des Landgerichtes mitteilt. Insgesamt sind acht Verhandlungstermine anberaumt.


