
Polizei-Großeinsatz in Oberfischach: Schütze nahm seine Nachbarin ins Visier

In der Dorfmitte von Oberfischach kehrt nach dem Polizei-Großeinsatz, an dem auch das Spezialeinsatzkommando Baden-Württemberg beteiligt war, wieder Ruhe ein.
Gottfried Mahling- In Oberfischach schoss am Montag ein 30-Jähriger nahe der Kilianskirche um sich.
- Er zielte aus kurzer Distanz auf eine Autofahrerin, die unverletzt fliehen konnte.
- Polizei rückte mit Großaufgebot an – Festnahme nach rund fünf Stunden gegen 22.45 Uhr.
- Es war wohl eine Schreckschusspistole; ein SEK und ein Hubschrauber waren im Einsatz.
- Anwohner berichten von Drogenproblemen und Erleichterung über die erneute Inhaftierung.
Die Zusammenfassung wurde von einer generativen künstlichen Intelligenz erstellt.
Es sind Szenen wie aus einem Albtraum oder einem schlechten Actionfilm. Ein 30 Jahre alter Mann schießt am Montag, 19. Oktober, gegen 17 Uhr in der Oberfischacher Dorfmitte nahe der Kilianskirche plötzlich um sich. Dabei zielt er aus naher Distanz auf eine Autofahrerin, die sich zum Glück in Sicherheit bringen kann. Anwohner wählen den Notruf, und die Polizei rückt mit einem Großaufgebot an. Etliche Streifenwagenbesatzungen sperren den Tatort großräumig ab, ein Polizeihubschrauber landet auf dem Gelände des Maschinenbau-Unternehmens Fima, bewaffnete Einsatzkräfte positionieren sich auf dem Dach der nahegelegenen Gemeindehalle. Von dort haben sie einen guten Blick auf das Haus, in das der 30-jährige Schütze geflüchtet ist. Dass es sich bei seiner Waffe um eine Schreckschusspistole handelt, ist zu diesem Zeitpunkt noch unklar, aber nicht entscheidend. Denn auch Schüsse mit Schreckschusspistolen können aus Nahdistanz zu schweren Verletzungen oder sogar zum Tod führen.
Weil sich der Schütze weigert, das Haus zu verlassen, zieht sich der Polizeieinsatz über rund fünf Stunden hin. Erst gegen 22.45 Uhr kann der Mann festgenommen werden. Tags darauf, am 20. Oktober, wird er ins Gefängnis gebracht. Wie Polizeisprecher Holger Bienert auf Nachfrage unserer Redaktion mitteilt, saß der 30-Jährige schon früher wegen anderer Straftaten im Gefängnis. „An der betroffenen Adresse in Oberfischach gab es in der Vergangenheit immer wieder Polizeieinsätze“, so Bienert. Der Schütze selbst habe dort zwar nicht mehr seinen Wohnsitz gemeldet, doch seine Familie lebe dort. Dass der Mann die Autofahrerin gezielt töten oder verletzen wollte, sei nach jetzigem Ermittlungsstand eher unwahrscheinlich. Holger Bienert geht von einer Zufallsbegegnung aus.

Um den Schützen festzunehmen, öffneten die Polizisten die Tür des Wohnhauses offenbar gewaltsam.
Gottfried MahlingWie unsere Redaktion am Dienstag vor Ort in Oberfischach erfährt, war die Autofahrerin eine Nachbarin des Schützen. „Ich glaube auch nicht, dass er ihr bewusst etwas antun wollte. Ich denke, die Polizei liegt richtig“, sagt eine Anwohnerin. Der Schütze sei nach seiner verbüßten Haftstrafe wieder zu seiner Familie nach Oberfischach zurückgekehrt, habe seine Drogenprobleme aber offenbar nicht in den Griff bekommen. „Er ist stark tätowiert, auch im Gesicht. Wenn ich ihm in letzter Zeit begegnet bin, hat er durch mich hindurchgestarrt. Wir sind schon misstrauisch geworden, als er anfing, mit seinem Auto rumzufahren. Er hat zwar Kennzeichen drangemacht, doch die hatten keine Plaketten. Das Fahrzeug war offenbar nicht zugelassen.“
Auf dem Dach herumgeklettert
Das martialisch wirkende Auto, ein schwarzer Lincoln Aviator, steht am Tag nach dem Polizei-Großeinsatz vor dem Haus. Die vordere Seitenscheibe auf der Fahrerseite fehlt, am Lenkrad sind Blutspuren zu erkennen. Am Tag des Polizeieinsatzes sei der Schütze auf dem Dach seines Hauses herumgeklettert und habe sich dabei Verletzungen an den Händen zugezogen, berichtet die Anwohnerin weiter. „Er war vermummt und blutverschmiert und sah angsteinflößend aus. Offenbar war er voll auf Droge, nicht mehr zurechnungsfähig. Wir wussten ja auch nicht, dass er nur eine Schreckschusspistole und keine richtige Waffe hatte.“ Während des Polizeieinsatzes hätten die Anwohner ihre Häuser nicht verlassen dürfen, man habe in der Nachbarschaft aber permanent über WhatsApp kommuniziert. Dass der 30-Jährige nun wieder in Haft sitzt, darüber herrsche in Oberfischach Erleichterung. „Mit seiner Familie gibt es aber keine Probleme“, betont die Frau.
Drei Kinder spielen am Dienstagnachmittag an der Kirche und sprechen den Zeitungsreporter an. „Ich habe die Patronenhülsen fliegen sehen, als es losging. Wir sind dann schnell weggerannt und haben uns hinter der Kirche versteckt. Später hat uns die Polizei ausgefragt“, berichtet ein Mädchen. Weil sie die Eltern wegen der Absperrung nicht abholen konnten, hätten zwei Kinder bei einer Freundin übernachten müssen. Der Polizeieinsatz sei nun „ein Riesenthema“ in der Obersontheimer Grundschule.