Schrozberg: Hier sind wir zu Hause
: Wie Anette Brändle und ihr Team Lesen zum Erlebnis machen

Sommerleseclub, Bilderbuchkino und Spieleabende machen den Lesetreff in Schrozberg zum sozialen Ort. Trotz starker Vernetzung mit Schule und Stadt bleibt die größte Hürde die knappe Personalzeit des Teams.
Von
Birgit Trinkle
Schrozberg
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Anette Brändle und ihr Team sind für den Lesetreff verantwortlich

Anette Brändle und ihr Team sind für den Lesetreff verantwortlich.

Birgit Trinkle
  • Der Schrozberger Lesetreff ist mehr als Ausleihe – er dient als offener Treffpunkt für alle.
  • Anette Brändle und ihr Team fördern Lesen spielerisch und ordnen Kinderbücher nach Lesevermögen.
  • „Super lesbare“ Comic-Romane und Kooperation mit der VKL-Klasse erleichtern den Zugang zum Lesen.
  • Sommerleseclub „Heiß auf Lesen“ bietet wöchentliche Clubabende, Logbücher und neue Bücher.
  • Geplant sind ein Lesefest für Erstklässler und ein „Tag der Demokratie“, zudem fehlt es an Zeitressourcen.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Die ersten Besucher werden erst in etwa einer Stunde kommen. Damit stellt Anette Brändle sicher, dass sie sich wirklich auf ein Gespräch einlassen kann. Sobald der Lesetreff öffnet, gibt die Chefin Buchempfehlungen, beantwortet Fragen und schafft jene offene Atmosphäre, die die Schrozberger Bücherei für viele Menschen zu einem beliebten Treffpunkt macht.

Gemeinsam mit ihrem Team, Monika Bauer und Michaela Petschl, stemmt Brändle ein Programm, das weit über die klassische Ausleihe hinausgeht. Der Schrozberger Lesetreff ist längst mehr als eine Ausleihstelle. Er ist ein Ort der Begegnung, ein ständig im Wandel begriffener Raum, in dem Leseförderung nicht als Pflichtübung verstanden wird, sondern als gesamtgesellschaftliche Kernaufgabe, die spielerisch, intelligent und mit großer Beharrlichkeit verfolgt wird. „Lesen ist das schönste Hobby“, sagt Brändle, „es lässt einen eintauchen und ganz fremde Welten erschließen“. Diese Botschaft vor allem gibt sie weiter. Und „Lesen ist Grundlage von allem.“ Auch soziale Medien funktionierten nur für Menschen, die sinnerfassend und flüssig lesen könnten.

Leise Revolution im Bücherregal

Eine der bemerkenswertesten Entscheidungen, die Brändle für die jungen Leser getroffen hat, ist eine stille Umwälzung der Ordnungssysteme. Weg von der starren Sortierung nach Klassenstufen, die oft genug Stigmatisierung bedeutet, hin zu einer Ordnung nach dem individuellen „Lesevermögen“. „Lesen soll Spaß machen, es darf sich nicht wie eine Hausaufgabe anfühlen“, erklärt sie. Dazu setzt das Team gezielt auf neue, barrierearme Formate. Sogenannte „super lesbare“ Comic-Romane, die mit Bildern locken, aber im Lesefluss ganze Sätze einfordern, sind eine Brücke für Kinder – und es sind oft Jungen –, die sonst keinen Zugang zur Schriftsprache finden. Es ist ein pädagogisch kluger Schachzug, die Hemmschwelle abzusenken, ohne beim Inhalt Abstriche zu machen. Die VKL-Klasse mit Klassenlehrerin Shawna Wenzel profitiert ebenfalls von der Lesetreff-Arbeit, die gerade Kindern mit Sprachförderbedarf einen elementaren Zugang eröffnet. Das Bücherei-Team wiederum findet Wenzel mit ihren Ideen und generell diese Kooperation bereichernd.

Anette Brändle und ihr Team sind für den Lesetreff verantwortlich

Anette Brändle zeigt eines der Bücher, die mit Bildern und Text den Zeitgeist treffen.

Birgit Trinkle

Sommerleseclub als soziales Ereignis

Das Flaggschiff des Jahres ist der „Sommerleseclub“ unter dem Motto „Heiß auf Lesen“. Was nach einem simplen Ferienprogramm klingt, ist in Schrozberg ein sorgfältig orchestriertes Gesamtkunstwerk. Ermöglicht durch Spenden, werden eigens neue Bücher angeschafft und in einer Eröffnungsveranstaltung feierlich präsentiert. Die Mitglieder erhalten Logbücher, doch das Herzstück sind die exklusiven, wöchentlichen Clubabende. Hier wird nicht nur über Bücher gesprochen, sondern gebastelt, gerätselt oder ein Film geschaut. Die Bücherei verwandelt sich in einen geschützten, analogen Treffpunkt, der der oft strukturlosen Ferienzeit einen verlässlichen Rahmen gibt und der vor allem Gemeinschaft stiftet. Dass dies alles ohne erhobenen Zeigefinger gelingt, ist die eigentliche Meisterleistung des Teams um Brändle, Bauer und Petschl.

Familie

Alles, was Eltern beschäftigt und für Kinder wichtig ist, sammeln wir für Sie auf dieser Seite. Wir gehen den Facetten der modernen Erziehung auf den Grund, schreiben darüber, ob und wie Familie und Beruf vereinbart werden können und beantworten mit Experten, Ärzten und Beratern die Alltagsfragen vieler Eltern.

Schule und Demokratie

Die Vernetzung mit der Stadt ist engmaschig. Vor allem mit der Schule ist der Lesetreff so sehr verwoben, dass die Kooperation fast symbiotisch wirkt. Klassenführungen, bereitgestellte Bücherkisten oder das geplante Lesefest für die Erstklässler sind Standard. Zukunftsmusik ist die Installation des „Lesebands“, einer Initiative, bei der die gesamte Schule zu einer festgelegten Zeit kollektiv liest – ein stilles, mächtiges Zeichen. Doch der Horizont weitet sich gerade noch einmal. Ein geplantes Großprojekt ist im Herbst ein „Tag der Demokratie“, der an einen zentralen Gedanken der Büchereiarbeit anknüpft: Wer liest, kann sich informieren und sich leichter am gesellschaftlichen Leben beteiligen.

Bewerten Sie Schrozberg: Noten von 1 bis 6

Machen Sie mit bei der Aktion „Hier sind wir zu Hause“ und vergeben Sie Schulnoten für die Gemeinde Schrozberg auf dem Frage-Coupon. Zudem können Sie hier eine Frage an Jacqueline Förderer vorschlagen, die wir Ihrer Bürgermeisterin beim Sommerinterview stellen. Auf dem Flyer, der im HT abgedruckt ist und in Schrozberg verteilt wird, finden Sie auch einen Verzehrgutschein, den Sie am Montag, 27. Juli 2026, bei der Veranstaltung im Schlosshof am Rathaus einlösen können.

Online ist es ebenfalls möglich, an der Befragung teilzunehmen. Zudem haben Sie beim Vor-Ort-Termin am Montag noch einmal Gelegenheit, anonym Ihre Noten schriftlich abzugeben. Die Ergebnisse der Befragung werden anschließend im Hohenloher Tagblatt veröffentlicht.

Dass der Lesetreff auch an die Allerkleinsten, die mobil Eingeschränkten und die Hochbetagten denkt, rundet das Bild ab. Für die Vorschulkinder gibt es den „Leseeulentreff“, eine liebevoll vorbereitete Bilderbuch-Vorlesestunde mit anschließendem Basteln. Die Kindergärten werden mit Bilderbuchkinos und „Bücherrucksäcken“ beliefert, die Krippe mit speziellen „Büchertäschle“. Auch die Tagespflege am Schloss kommt regelmäßig zu Besuch.

Anette Brändle und ihr Team sind für den Lesetreff verantwortlich

Die Sommeraktion beginnt.

Birgit Trinkle

Der Kampf gegen die Zeit

Die Arbeit endet nicht beim Kinderprogramm. Für Erwachsene gibt es den monatlichen Lesekreis, in dem Bücher wie „Acht Berge“ besprochen werden, und thematische Abende, etwa eine Lesung zu Venedig-Krimis. Hinzu kommen Kreativveranstaltungen, bei denen je nach Jahreszeit Sterne oder Gartendekorationen gebastelt werden, sowie Spieleabende, um generationenübergreifend neue Gesellschaftsspiele zu testen. Was fehlt, ist die Zeit. Die begrenzten Arbeitsstunden des Teams stehen der Fülle an Ideen als größte Hürde gegenüber. Eine „Bibliothek der Dinge“, die den Leihgedanken auf Alltagsgegenstände ausweitet, ist ein ausdrücklich formulierter Wunsch für die Zukunft, scheitert derzeit aber noch an fehlenden Ressourcen.

Bürgerinitiative wird zum Förderverein

Dass die Bücherei heute so pulsierend dasteht, ist auch dem Engagement der Bürgerschaft zu verdanken. Ein neu gegründeter Förderverein, hervorgegangen aus einer Initiative zum Erhalt des Lesetreffs, unterstützt nun Projekte, die aus dem regulären Etat nicht zu stemmen wären.

Wer durch die Räume geht, wenn der Lesetreff geöffnet ist, vorbei an den jugendlichen Helferinnen und Helfern, die mittags in der Ausleihe arbeiten und dabei oft selbst noch die deutsche Sprache lernen, spürt: Der Funke ist da. In Schrozberg verteidigt ein kleines, entschlossenes Team nicht nur das Buch, sondern den öffentlichen Raum des Denkens, des Spielens und des Miteinanders. Man muss sich nur trauen, die Tür zu öffnen.