Kinderzeche Dinkelsbühl: Oberbürgermeister Hammer auf Mission: Kommt Königin Silvia 2024?
Vor knapp 400 Jahren belagerte das Heer der Schweden während des Dreißigjährigen Krieges die Stadt Dinkelsbühl — steht nun die Rache an? In einem Facebook–Beitrag ist Dinkelsbühls Oberbürgermeister Dr. Christoph Hammer vor Schloss Drottningholm bei Stockholm zu sehen, dem privaten Wohnsitz der schwedischen Königsfamilie. Ohne Armee zwar, aber doch mit erhobenem Finger. Zum Erobern ist Hammer aber nicht in Schweden, im Gegenteil: Er hat sich in den Kopf gesetzt, das schwedische Königshaus zur Kinderzeche 2024 einzuladen, schreibt die Stadt Dinkelsbühl in einer Pressemitteilung. Der Oberbürgermeister befindet sich aktuell mit dem Wohnmobil auf Urlaubsreise durch Schweden.
Schon in den 80er–Jahren haben die Dinkelsbühler gehofft, die schwedische Königin Silvia (79) mit ihrer Familie im Juli als Gast in Dinkelsbühl begrüßen zu dürfen. Die Einladung scheiterte damals, da die Königin „wegen ihrer Schwangerschaft unpässlich sei“. Dieser Ablehnungsgrund sei „mittlerweile weggefallen“, so Hammer auf Facebook, weshalb er guter Dinge sei, dass es diesmal klappe.
Einladung an die Deutsche Botschaft übergeben
Der Oberbürgermeister machte sich in diesem Jahr selbst auf den Weg nach Stockholm, um eine Einladung für die Kinderzeche 2024 abzugeben. Am Donnerstag war es dann so weit: Er übergab die Einladung an Frau Reed von der Deutschen Botschaft, Bereichsleiterin des protokollarischen Dienstes, mit der Bitte, sich für die Anwesenheit des Königshauses im nächsten Jahr in Dinkelsbühl einzusetzen.
„Für uns wäre es ein Riesending. Manchmal glaube ich bei meiner diesjährigen Schwedenreise, unseren nordischen Nachbarn ist gar nicht bewusst, wie sie unser Leben bis heute beeinflusst haben“, erklärt Hammer in einem Facebook–Post.
Das Festspiel der Kinderzeche erzählt von der lokalen Sage einer vermeintlichen gemeinsamen Vergangenheit der Dinkelsbühler und Schweden, schreibt die Stadtverwaltung: Im Jahr 1632, fast genau in der Mitte des Dreißigjährigen Krieges, belagerten Truppen unter dem Kommando des schwedischen Obristen Claus–Dietrich von Sperreuth die Stadt. Sie forderten die bedingungslose Kapitulation, oder wie es im Festspiel heißt, die Übergabe auf „Gnad‘ und Ungnad‘“. Vordergründig stand der katholisch–protestantische Religionskrieg, der sich im Kampf der protestantischen Truppen unter Führung König Gustav II. Adolfs von Schweden gegen die katholischen Truppen unter dem Oberkommando Kaiser Ferdinands II. manifestierte.
Sage: Türmerstochter rettet die Stadt vor Schweden
Die schwedischen Belagerer drohten die Stadt im Kampf einzunehmen und damit Tod und Unheil über die Stadt zu bringen und verbrannte Erde zu hinterlassen. Die Räte wankten zwischen der Hoffnung auf Entsatz durch kaiserliche Truppen und der Verzweiflung der ungewissen Folgen einer Kapitulation.
Durch den schwedischen Abgesandten erfuhr der Rat, dass der Sohn des schwedischen Obristen kürzlich im Kindesalter verstorben war. Zufällig wurde diese Nachricht von der jungen Türmerstochter Lore mitgehört. Als der schwedische Heerführer bei der Übergabe der Stadt ankündigte, diese für ihren Widerstand zu bestrafen, der Plünderung durch seine Soldaten zu überlassen und sie anschließend zu zerstören, zog Lore mit den Kindern vor den Heerführer und bat um Gnade für die Stadt um der Kinder willen. Der schwedische Obrist, durch den Tod seines Sohnes noch in Trauer, war daraufhin so gerührt, dass er Dinkelsbühl tatsächlich verschonte — wobei sich das Ganze wohl eher anders abgespielt hat: Vielmehr wurde die Stadt vom Rat kampflos an die Schweden übergeben, was von der mehrheitlich protestantischen Bürgerschaft begrüßt wurde.



