Es hätte auch etwas anderes sein können. Aber es war die Mundharmonika, die die Sammelleidenschaft von Peter Widenmeyer geweckt hat. Nun hat er in einem großen Kellerraum in Satteldorf ein kleines Museum eingerichtet. Das lässt jeden sprachlos zurück, der da einmal hineinschauen darf. Sprachlos, weil er sich vorher kaum vorstellen konnte, was zum Thema Mundharmonika alles gesammelt und präsentiert werden kann. Und sprachlos, weil der Erkenntnisgewinn groß ist.

Ein Stück Gesellschaftsgeschichte

Denn die Mundharmonika ist nicht nur irgendein Musikinstrument – eines, das milliardenfach produziert wurde, und gleichzeitig eines der jüngsten, erst im Biedermeier erfunden. Sie ist auch ein Stück Gesellschaftsgeschichte, Stichwort Wandervogelbewegung. Und Stichwort Soldaten: Denn das kleine Instrument passte in jeden Tornister und war ein beliebtes Geschenk für das Päckchen an die Front. All das spiegelt sich in der Satteldorfer Sammlung wider – sei es in den Werbeplakaten, den Schächtelchen, in denen die Mundharmonikas steckten, oder den Feldpostkarten, die fröhlich musizierende Soldaten zeigen.
Und noch mehr: „Die Mundharmonika zeigt auch ein Stück Industriegeschichte des Landes“, sagt Widenmeyer, im „richtigen“ Leben Religionslehrer an der Gewerblichen Schule in Crailsheim. „Ohne Industrialisierung ist der Siegeszug der Mundharmonika nicht denkbar.“ Denn auch wenn die Mundharmonika wohl in Wien erfunden wurde, wohl kurz vor 1820, so kam sie doch in Trossingen, also in Württemberg, groß heraus. „Da überlegt man natürlich, wie etwas aus Wien so schnell in die schwäbische Provinz gekommen sein könnte“, sagt der Sammler. „Aber wenn man auf eine Landkarte schaut, ist einem das sofort klar. Über die Donau natürlich. Die Verbindung ist direkt.“

28 Millionen Stück pro Jahr gefertigt

In Trossingen lebten arme Bauern, und – der nahe gelegene Schwarzwald lässt grüßen – Uhrmacher und Holzschnitzer. „Die haben die Mundharmonika zunächst von Hand nachgebaut. Das war aber viel zu teuer. Dann kamen Stanzvorrichtungen auf. Nun konnte man Stimmplatten und Stimmzungen schneller produzieren. Zuvor waren die Schlitze mühsam ausgesägt und die Zungen aus Messingdraht gehämmert worden.“ Und während ein Handwerker vorher nur eine Mundharmonika pro Tag fertigen konnte, waren es später allein bei Hohner in Trossingen 28 Millionen Stück pro Jahr.
Kein Wunder, dass die Mundharmonika im Sprachgebrauch viele Namen hat: Goschenhobel ist einer davon, Mundharfe ein anderer. „Das zeigt, wie populär die Mundharmonika früher war. Doch die Zeiten sind leider vorbei“, bedauert Widenmeyer. Dabei macht das Musizieren mit der Mundharmonika Spaß: „Kein anderes Musikinstrument ist so dicht am Körper wie die Mundharmonika. Mit ihr macht man Musik, die atmet.“
Widenmeyer selbst, Jahrgang 1964, bekam seine erste Mundharmonika als Kind geschenkt. Doch das war nicht der Auslöser seiner Sammelleidenschaft. Die kam erst später. „Ich war in der evangelischen Jugendarbeit aktiv. Mit einer Mundharmonika kann man gut am Lagerfeuer begleiten.“ Denn dies sind die guten Eigenschaften, die die Mundharmonika hat: Sie ist einfach zu spielen. Sie ist klein und passt in jede Westentasche. Aber: Eine Mundharmonika spielt nur eine Tonart, also nur C- oder F-Dur. Will heißen: „Wer mit der Mundharmonika begleiten will, hat oft auch eine zweite und dritte in der Tasche, damit er mehrere Tonarten abdecken kann“, erklärt Widenmeyer, und wer eine vierte und fünfte hat, hat fast schon eine Sammlung.
Bei Widenmeyer wurde die Sammelleidenschaft noch gefördert von dem Umstand, dass er aus der Heilbronner Gegend kommt und dort ganz in der Nähe, in Knittlingen, ebenfalls ein Schwerpunkt der Mundharmonikaproduktion angesiedelt war. „Dort ist allerdings kaum etwas übrig geblieben“, sagt er.
Doch irgendwann kam eines zum anderen: eine Hohner-Drehvitrine von Ebay fasste zwar die eigenen Instrumente, hatte aber noch Platz für zusätzliche Instrumente, und weil der Vater Buchbinder war und sich Widenmeyer dort viel abgeschaut hat, konnte er die hübschen, bunten Schächtelchen selbst restaurieren, in denen die Mundharmonikas geliefert wurden.
Heute hat er rund 700 Instrumente, dazu unzähliges „Begleitmaterial“ wie Werbestücke und Figuren mit Mundharmonika und unter dem Strich eine wirklich sehenswerte Sammlung mit über 100 Jahre alten Exemplaren, einige einzigartig. „Ich freue mich, wenn sich jemand interessiert und zeige sie gerne“, sagt Widenmeyer.

Fühlen Sie sich in der Gemeinde Satteldorf wohl? In der Online-Bewertung können Sie Schulnoten von 1 bis 6 vergeben. Beurteilen Sie die Kinderbetreuung und den öffentlichen Personennahverkehr, die Internetverbindung, das Bauplatzangebot und vieles mehr.
Das Ergebnis der Befragung lesen Sie in Kürze im Hohenloher Tagblatt oder online auf swp.de/crailsheim.

Mehr zum Thema

Peter Widenmeyer hat viel Wissenswertes über das meistproduzierte Musikinstrument ins Internet gestellt. Zu sehen ist dies unter www.mundharmonikamuseum.de.