Ein Stipendium kann man erhalten, wenn man eine junge Studentin ist. Man kann aber auch später in den Genuss kommen – wie es der Bildhauerin und Malerin Angelika Penertbauer aus Satteldorf passiert ist.
Sie hat Satteldorfer Quellen mit Kunstwerken sichtbar gemacht. Das Projekt ist vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg gefördert worden. „Ich habe mich mit dem Projekt beworben und bekam es als Förderung der künstlerischen Praxis genehmigt“, berichtet die Künstlerin, die in ihrem Atelier und ihrem Haus in Satteldorf eindrucksvolle Gemälde und Steinskulpturen schafft.
Eine ganze Reihe von Skulpturen sind auch im öffentlichen Raum zu finden – zum Beispiel am Crailsheimer ZOB, in Wildenstein im Rathaus oder vor dem Schrozberger Schloss. Und jetzt eben auch an drei Quellen in Satteldorf. Angelika Penertbauer hat dabei Orte geschaffen, an denen sich Besucher der Natur auf eine ganz besondere Weise nähern können.

Schöne Oster-Tradition

„Quellen haben mich schon immer interessiert“, sagt Angelika Penertbauer. Ihre Herkunft aus Ostpreußen mag der Grund dafür sein, denn dort gibt es am ersten Osterfeiertag eine schöne Tradition mit uralten Wurzeln: „Man steht am Morgen schweigend auf und geht schweigend gemeinsam zu einer Quelle. Dort reicht man sich gegenseitig das Wasser. Und das erste Wort, das man an diesem Tag sagt, ist: ,Christ ist erstanden‘. Der andere antwortet: ,Wahrhaftig, er ist auferstanden‘ und beide trinken dann. Mit ihren Kindern habe sie diese Tradition immer wieder an der Tauberquelle bei Weikersholz zelebriert. Was sie heute besonders freut: „Meine Kinder gehen jetzt mit ihren Kindern zu Quellen. Es ist einfach eine schöne Tradition.“
Die Tauberquelle war auch die erste Quelle, um die sich Angelika Penertbauer „gekümmert“ hat. Denn diese Quelle ist besonders hübsch, sagt sie, „richtig ausgemauert, mit Brunnengewölbe und Treppchen hinunter“, berichtet sie. Aber leider auch immer wieder vergrast. „Ich rücke dann mit dem Gartenwerkzeug an wie andere auf dem Friedhof“, sagt sie und grinst. „Dann mache ich den Platz vor der Quelle wieder begehbar.“
Auch die Satteldorfer Quellen nahm Angelika Penertbauer in den Blick, „hier gibt es wirklich sehr viele davon“, sagt sie. „Vielleicht liegt das am Untergrund aus Muschelkalk? Er ist ja zum Teil durchlöchert. Das Wasser versickert, kommt irgendwo wieder hoch und wird zur Quelle.“
Das Wasser kommt also, geht wieder, tritt wieder zutage. Dieser ewige Kreislauf interessiert Angelika Penertbauer – die Quellen stehen fast schon exemplarisch dafür. Auch in ihrer Kunst geht es ihr um diese Themen: um das Kommen, Gehen und Kommen. Um das Werden, Vergehen, Werden. Und um Übergänge, denen sie sich in ihren Werken nähern will. Das ist zum Beispiel zu sehen an der Skulptur vor dem Satteldorfer Rathaus: Es stellt ein Tor dar, durch das man hindurchschlüpfen kann, um von hierhin nach dorthin und wieder zurück zu gelangen. Und so ist auch das Tor vor dem ZOB zu verstehen.

Satteldorfer Drei-Quellen-Tour

Die erste Quelle, die Angelika Penertbauer für ihre Satteldorfer Drei-Quellen-Tour ausgewählt hat, ist die Quelle in den Büschwiesen in Satteldorf. Sie ist als Naturdenkmal und nun auch mit dem neuen Quellstein markiert. Die Quelle ist gefasst und plätschert, mal weniger, mal mehr. An ihrer Seite wuchs eine riesige Weide, die allerdings, weil sie morsch war, abgesägt wurde. „Die Gemeinde hat zum Glück wieder eine neue gesetzt“, sagt Penertbauer. „Jede Quelle hat eine Sage, und die von der Quelle an den Büschwiesen hängt mit einer Weide zusammen.“
Damit die neue Weide gut anwächst, hat Angelika Penertbauer einen Blechbecher und einen Zettel „Bitte gießen“ aufgehängt. Das macht sie jetzt auch, Wasser gibt es in der Quelle ja ausreichend. Und sie reißt gleich auch noch das Unkraut weg, das die Sicht auf den Quellstein nimmt.
Die Quelltour ist samt Wander- und Radkarte, Sagen und weiteren Informationen auf einem Flyer zu finden, der im Bürgermeisteramt in Satteldorf ausliegt – denn die zweite Quelle ist nicht leicht zu finden. Es ist der Diehlbrunnen, versteckt in einer Baumgruppe, die auf Bronnholzheimer Gemarkung südlich der Autobahn liegt. Es ist ein verwunschenes Plätzchen und der gefasste Quelltopf ist so groß, dass man auf den Stufen hineinsteigen und sich komplett erfrischen könnte.
„Hier wäre es wirklich lauschig, wenn nur die Autobahn nicht wäre.“ Denn die führt keine zehn Meter am Quelltopf vorbei. Die Autos und Laster wissen gar nicht, an was für einem Schatz sie da vorbeibrausen.
Die dritte Quelle ist die Gronachquelle in Horschhausen. Dort angekommen, bückt sich die Bildhauerin als erstes und reißt das hohe Gras weg, das den Stein verdeckt – „es soll ja ein schöner Ort sein“, sagt sie. Zwei große Birken stehen rechts und links von der Quelle. Von ihnen gibt es eine Sage: Die Birken stehen für zwei Liebende, die sich hier vor langer Zeit heimlich trafen und doch irgendwann entdeckt wurden. Wohin so schnell fliehen? Da erbarmte sich die Quellnymphe und verwandelte die beiden in zwei Birken – die dort noch immer stehen, so dicht beieinander, dass sich die Äste wie Arme berühren. „Es kann so gewesen sein. Aber vielleicht war es auch ganz anders“, sagt Angelika Penertbauer, die hier der Quelle nicht nur einen Stein, sondern gleich auch noch eine Sage geschenkt hat.

Die Natur genießen

„Ich will ja besondere Orte für die Menschen schaffen, und so etwas gehört dazu“, sagt sie. „Ich freue mich, dass die Gemeinde zugesagt hat, die Quellen zu pflegen.“ Denn dann werden die drei Quellen zu Orten, an denen man während eines Spaziergangs innehalten und den Kindern beim Spielen zuschauen kann. An denen man die Natur genießen und zur Ruhe kommen kann. Und sinnieren kann über das Werden und Gehen des entstehenden Bachs. Und über den Lauf der Zeit.
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Einwohner hat die Gemeinde Satteldorf (Stand: 31.05.2022) bei einer Gemeindefläche von 4621 Hektar. Der Gewerbepark an der Autobahn ist zehn Hektar groß.

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