Früherer Crailsheimer Oberbürgermeister
: Andreas Raab ist am Montag nach schwerer Krankheit gestorben

Einst war er jüngster Bürgermeister Deutschlands, von 1999 bis 2009 hatte er das Amt des Oberbürgermeisters von Crailsheim inne: Andreas Raab ist im Alter von 69 Jahren gestorben.
Von
Sebastian Unbehauen
Crailsheim/Dinkelsbühl
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Sportlerwahl 2008: Sportlerehrung der von den HT-Lesern gewählten Sportlern und Mannschaften des Jahres 2008 im Rathaus in Crailsheim. Oberbürgermeister Andreas Raab bei seiner Ansprache.

Der damalige Crailsheimer Oberbürgermeister Andreas Raab im Jahr 2008 bei der Sportlerehrung.

Josef Kurzer
  • Andreas Raab, ehemaliger Crailsheimer Oberbürgermeister, starb am 2. Dezember 2024 im Alter von 69 Jahren.
  • Raab war einst Deutschlands jüngster Bürgermeister und von 1999 bis 2009 Oberbürgermeister von Crailsheim.
  • Er engagierte sich später in der Lehre und ehrenamtlich beim Diakoniewerk Dinkelsbühl-Wassertrüdingen.
  • Raab wurde für sein Engagement mehrfach ausgezeichnet, u.a. mit der Verdienstmedaille des Städtetags Baden-Württemberg.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

„Nach schwerer Krankheit starb Herr Andreas Raab im Alter von 69 Jahren am gestrigen Montag (2. Dezember 2024).“ Das teilt sein Sohn Johannes Raab im Namen der Familie mit. Andreas Raab, der 1955 in Stuttgart zur Welt kam, wurde früh Rathaus-Chef: 1980 setzte er sich im zweiten Wahlgang gegen sieben Mitbewerber in der Stadt Laichingen (Alb-Donau-Kreis) durch. Der Diplom-Verwaltungswirt, der die Grundschule in Schrozberg und das Albert-Schweitzer-Gymnasium in Crailsheim besucht hatte, war jetzt der jüngste Bürgermeister in ganz Deutschland. Raab sollte zwei Wahlperioden lang im Amt bleiben, bei der Wiederwahl 1988 holte er als Alleinkandidat 97,4 Prozent der abgegebenen Stimmen.

„Er legt Wert auf Harmonie“

Auf einen kurzen Abstecher in die Privatwirtschaft folgte 1999 überraschend die Kandidatur bei der Oberbürgermeisterwahl in Crailsheim. Raab setzte sich in der Großen Kreisstadt gegen Amtsinhaber Georg Schlenvoigt durch. Zu seiner Amtsführung schrieb unsere Zeitung einmal: „Er legt Wert auf Harmonie, ihm ist der Konsens wichtig und den sucht er gern im Vorfeld von Gemeinderatssitzungen. Stundenlange, kontrovers geführte und per Kampfabstimmung entschiedene Auseinandersetzungen über kommunalpolitische Themen mag er überhaupt nicht.“

Crailsheim und Raab – das passte lange Zeit sehr gut. „Wir haben uns gesucht und gefunden“, sagte der OB nach vier Jahren im Amt. Seine Beliebtheit manifestierte sich im Wiederwahlergebnis 2007: Mehr als 98 Prozent der abgegebenen Stimmen gingen an den Amtsinhaber.

Rücktritt im Jahr 2009

Die Jahre danach standen freilich unter keinem guten Stern. Am Ende seiner Zeit als Crailsheimer Oberbürgermeister fehlte Raab die Kraft: „Ich lasse mich nicht kaputt machen“, sagte er im Juni 2009 im Gespräch mit unserer Zeitung – kurz nachdem er seinen Rücktritt angekündigt hatte. Als einen der Gründe dafür nannte er die „negative Grundstimmung“ im Gemeinderat („Du gehst in die Sitzungen rein und weißt nicht, was auf dich zukommt“). Auch die Affäre um einen Waffenklau aus dem Rathaus setzte ihm zu. In Bezug auf die Berichterstattung darüber sah er Überreaktion und Sensationsgier am Werk. Dass Raab damals von starken Rückenschmerzen geplagt wurde, machte die Situation nicht leichter.

Am 31. Oktober 2009 schied Raab aus dem Amt aus, als seinerzeit dienstältester Oberbürgermeister in Baden-Württemberg.

„Nach Ende seiner aktiven Zeit widmete er sich verstärkt der Lehre an der Hochschule in Ludwigsburg“, so die Familie, „und schrieb für den Boorberg-Verlag diverse Fachartikel für mehrere Bundesländer. Ehrenamtlich leitete er bis zuletzt das Diakoniewerk Dinkelsbühl-Wassertrüdingen.“

Zahlreiche Ehrenämter und Auszeichnungen

Raab gehörte den Kreistagen im Alb-Donaus-Kreis und im Landkreis Schwäbisch Hall an. Er war Gauvorsitzender des Burgberg-Tauber-Gaus im Schwäbischen Albverein, war Mitglied im Komitee der Stauferfreunde, hatte lange Jahre die Funktion des Aufsichtsratsvorsitzenden des Ortskrankenpflegevereins Laichinger Alb inne – um sein ehrenamtliches Engagement nur auszugsweise zu nennen.

Ausgezeichnet wurde Andreas Raab, der zuletzt in Dinkelsbühl lebte, unter anderem mit der Ehrenbürgerwürde der Gemeinde Ducey (1986), der Ehrenbürgerwürde der polnischen Partnerstadt Crailsheims, Bilgoraj (2008), und der Verdienstmedaille des Städtetags Baden-Württemberg in Silber.