Freundeskreis Asyl: Interkulturelle Woche: Das ist alles in Kirchberg geboten
Seit den 1990er-Jahren engagieren sich Kirchberger in der Flüchtlingsarbeit, zuerst nur in der Stadt, dann 15 Jahre lang in der Unterkunft in Blaufelden und seit Juli 2015 wieder in Kirchberg. „Basis unseres Handelns ist die uneingeschränkte Achtung der Menschenrechte, die wir als notwendige Grundlage jeder menschlichen Gemeinschaft, des Friedens und der Gerechtigkeit in der Welt betrachten“, so formuliert es der Freundeskreis Asyl Kirchberg-Jagst auf seiner Homepage.
Weiter heißt es: „Uns verbindet der Wunsch, uns freiwillig für die Rechte, die Belange und die Verbesserung der Lebensumstände von Flüchtlingen einzusetzen. Unsere Arbeit ist geprägt von der Achtung aller Kulturen, dem Prinzip der Gastfreundschaft, der Nächstenliebe und der Solidarität.“ Ein fester Bestandteil der Arbeit des Freundeskreises in den vergangenen Jahren waren Sommer- und Herbstfeste. In diesem Jahr ist es etwas anders, aber das war schon vor Corona klar. „Wir wollten was anderes machen“, sagt Bernard Cantré.
Veranstaltungen zur Interkulturellen Woche sollen Vielfalt bewusst machen
Und so dockt der Freundeskreis jetzt an die Interkulturelle Woche an (siehe Infokasten), die bundesweit vom 27. September bis 4. Oktober läuft. Cantré und Co. haben dafür in Kirchberg ein umfangreiches Programm auf die Beine gestellt. Den Auftakt bildet ein Gottesdienst am Sonntag, 27. September, um 9.30 Uhr in der Stadtkirche – gefeiert wird der mit Christen aus Syrien und Nigeria.
Worum geht es in der Predigt? „Das Christentum war von Anfang an eine internationale Gemeinschaft. Die Gottesdienstformen haben sich je nach Kultur ausgeprägt. Über Jahrhunderte wurden in den Kulturen des Nahen Ostens und in Afrika die Gottesdienste mit großer Freude und tiefem Glauben gefeiert“, schreibt Pfarrer Alfred Holbein, und: „Durch die Christen aus den Ländern, die als Flüchtlinge unter uns wohnen, wollen wir diese Vielfalt bewusst machen.“ Holbein, muss man dazu wissen, ist nicht nur Pfarrer, sondern auch Vorsitzender des Freundeskreises Asyl und Asylbeauftragter des Dekanats Blaufelden.
Nach dem Gottesdienst eröffnet der Freundeskreis um 11 Uhr die Ausstellung „Angekommen in Kirchberg – Beispiele aus drei Jahrhunderten“. Dabei geht es um Flucht und Migration. Unter anderem haben fünf Familien ihre Geschichte aufgeschrieben. Die Einführung vor dem Rathaus übernimmt Angelika Cantré. Bürgermeister Stefan Ohr spricht ein Grußwort. Die Ausstellung selber ist am Eröffnungstag bis 17 Uhr im Rathaus zu sehen und danach noch bis zum 14. Oktober jeweils zu den Öffnungszeiten.
Zu einem Länderabend lädt der Freundeskreis für Dienstag, 29. September, um 19.30 Uhr ins Gemeindehaus, Am Hofgarten 7. Zwei Geflüchtete berichten aus ihren Herkunftsländern Afghanistan und Iran, darunter Amir Khoja, nach deutschem Pass heute 30 Jahre alt. Über ihn hat das HOHENLOHER TAGBLATT am 31. Dezember 2019 eine vierseitige Reportage unter dem Titel „Die Odyssee des Amir Khoja“ veröffentlicht.
Der Afghane war fünf Jahre lang von seiner Frau und seinen Kindern getrennt. An Khojas Seite beim Länderabend: Dieter Sudermann, er hat die Sicht des Flüchtlingshelfers. Für diese Veranstaltung bittet der Freundeskreis um Anmeldung bei Angelika und Bernard Cantré, entweder per Telefon unter 0 79 54 / 85 08 oder per E-Mail an info@freundeskreis-asyl-kirchberg-jagst.de.
Freundeskreis Asyl bekommt Förderpreis
Gottesdienst, Ausstellung, Länderabend – das ist noch nicht alles. Vom 1. bis 7. Oktober zeigt das Kino Klappe in Kirchberg zwei sehenswerte Filme zum Thema Flucht: „Eine Saison in Frankreich“ (Frankreich, 2017) und „Ballon“ (Deutschland, 2018).
Und dann ist da noch eine Auszeichnung. Bei der Ausstellungseröffnung am Sonntag verleiht die Bürgerstiftung Kirchberg dem Freundeskreis Asyl ihren Förderpreis für Kultur und Heimatpflege. Der Vorschlag kam von einer Bürgerin, die Entscheidung fiel dann einstimmig. „Bei so einer tollen Gemeinschaft“ wie dem Freundeskreis sei ihnen das nicht schwergefallen, sagt Stiftungsvorsitzender Jürgen Scharch.
Das steht hinter der Interkulturellen Woche
Seit 1975 findet jedes Jahr Ende September die Interkulturelle Woche, kurz IKW, statt. Inzwischen beteiligen sich daran bundesweit mehr als 500 Kommunen mit rund 5000 Veranstaltungen, wie es auf der IKW-Homepage heißt. „Organisiert und getragen werden die Programme vor Ort zumeist von Bündnissen, in denen sich Vertreterinnen und Vertreter von Kirchengemeinden, Kommunen, Migrantenorganisationen, Wohlfahrtsverbänden, Gewerkschaften, Vereinen, Initiativen sowie interessierte Einzelpersonen engagieren.“ In Kirchberg ist es der Freundeskreis Asyl. Ein Ziel der Interkulturellen Woche ist „das Eintreten für bessere politische und rechtliche Rahmenbedingungen des Zusammenlebens von Deutschen und Zugewanderten“. Die IKW ist eine Initiative der Deutschen Bischofskonferenz, der Evangelischen Kirche in Deutschland und der Griechisch-Orthodoxen Metropolie. Die Initiative wird von Gewerkschaften, Wohlfahrtsverbänden, Kommunen, Migrationsbeiräten, Integrationsbeauftragten und deutsch-ausländischen Initiativgruppen unterstützt. Um die Organisation kümmert sich der Ökumenische Vorbereitungsausschuss.⇥js



