Aktionstag in Herboldshausen: Heribert Prantl und Martin Raabe reden gegen die Ludendorffer an

Einer mit Herz für die Demokratie trifft auf einen mit Kreuz ohne Haken: Heribert Prantl (links) und Martin Raabe sprechen beim Aktionstag in Herboldshausen vor dem Jugendheim Hohenlohe.
Panama Pictures/Jens Sitarek/Jochen Quast (epd)/Bearbeitung: Achim Köpf- Das Kirchberger Bündnis gegen Rechtsextremismus veranstaltet am Samstag einen Aktionstag in Herboldshausen.
- Redner sind Heribert Prantl und Martin Raabe.
- Das Jugendheim Hohenlohe hat sich als Zentrum der rechtsextremen Szene entwickelt.
- Die Veranstaltung beginnt um 16 Uhr mit Kundgebung und Mahnwache; Getränke und Grillgut sind vorhanden.
- Besucher sollten zu Fuß oder mit dem Fahrrad kommen; Parkmöglichkeiten bestehen vor Herboldshausen.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Am Sonntagabend war Heribert Prantl, Autor und Kolumnist der Süddeutschen Zeitung, noch im Fernsehen zu sehen, bei „Caren Miosga“ in der ARD. Das Thema: „Putin versetzt Selenskyj – und Europa schaut zu?“ In der Gesprächsrunde ging es um den Krieg in der Ukraine und darum, wer was tun kann oder muss, um selbigen vielleicht zu beenden. Um nicht ganz so Weltbewegendes, sondern um etwas, das die kleine, heilere Hohenloher Welt gehörig durcheinanderwirbelt, geht es für Prantl an diesem Samstag: die rechtsextremen Umtriebe im Kirchberger Teilort Herboldshausen. Das dortige Jugendheim Hohenlohe, das dem Verein Bund für Gotterkenntnis (Ludendorff) gehört, hat sich zu einem Zentrum der rechtsextremen Szene entwickelt, in dem sich Feinde der Demokratie die Klinke in die Hand geben.
Als Reaktion darauf gründete sich im April 2023 das Kirchberger Bündnis. Die Bürgerinitiative (Motto: vielfältig, weltoffen, demokratisch), die mittlerweile von 27 Vereinen, Organisationen und Gruppen sowie mehr als 300 Privatpersonen getragen und unterstützt wird, hat Prof. Dr. Prantl als Hauptredner für ihren dritten Aktionstag am Samstag in Herboldshausen gewonnen. Der Aktionstag beginnt um 16 Uhr und besteht aus einer Kundgebung und einer Mahnwache, anschließend klingt das Ganze mit einer Hocketse aus. Für Getränke und Grillgut ist gesorgt. Die Musik kommt von einer Gruppe Kirchberger um Rainer Daubek.
Ein Herz für die Demokratie
Ein paar Sätze zu Heribert Prantl: Er leitete 25 Jahre das Ressort Innenpolitik der Süddeutschen Zeitung in München, danach das Ressort Meinung. Acht Jahre war er Mitglied der Chefredaktion. Seit seinem altersbedingten Ausscheiden ist der vielfach preisgekrönte Journalist der SZ weiter als Kolumnist und Autor verbunden. Zudem lehrt der 71-Jährige als Honorarprofessor für Rechtswissenschaft an der Universität Bielefeld. Bevor er zur SZ ging, arbeitete er als Richter und Staatsanwalt in Bayern. In den zahlreichen politischen Büchern, die er geschrieben hat, kommt immer wieder durch, wie sehr ihm das Grundgesetz und die Demokratie am Herzen liegen.
Ein Prantl-Büchertisch zum Aktionstag? Eine gute Idee. Fanden sie beim Kirchberger Bündnis und fragten bei der Buchhandlung Rupprecht nach. Dort kennt man Prantl von eigenen Autorenveranstaltungen und kommt dem Wunsch aus Kirchberg natürlich gerne nach. Auf dem Tisch liegen dem Vernehmen nach dann diese drei beliebten Bücher von ihm, die er bei Bedarf signiert: „Mensch Prantl. Ein autobiographisches Kalendarium“, „Den Frieden gewinnen: Die Gewalt verlernen“ und „Die Kraft der Hoffnung: Denkanstöße in schwierigen Zeiten“. In dem Kalendarium beispielsweise widmet sich jeder Monat einem Thema wie Demokratie, Frieden, Gleichberechtigung, Pressefreiheit, Heimat, Religion, Kirche, Familie, Migration. Dazu liefert Prantl Anekdoten und private Geschichten aus seinem Leben.
„Ganz besondere Gäste“
Prantl kann nicht nur schreiben, sondern er ist auch ein begnadeter Redner. In Kirchberg sind sie schon gespannt darauf, was ihm zum rechtsextremen und antisemitischen Bund für Gotterkenntnis (Ludendorff) einfällt und welchen thematischen Bogen er schlägt. In seiner politischen Wochenschau „Prantls Blick“ warf er schon einmal einen Blick auf das, was in Herboldshausen passiert („Von einem Journalismus, der den Rechtsextremismus aufdeckt und der die Zivilgesellschaft anregt. Wozu die Pressefreiheit gut sein kann – in Crailsheim und anderswo“). Mit Zivilgesellschaft ist das Kirchberger Bündnis gemeint.
„Wir freuen uns sehr, dass zwei ganz besondere Gäste als Redner zugesagt haben“, lassen die Sprecher Gerhard Borchers, Max Botsch und Maren Kauke verlauten. Neben Heribert Prantl spricht Martin Raabe. Der frühere Pastor steht der Initiative „Beherzt“ vor. Die Gruppe, 2018 gegründet und mittlerweile rund 700 Mitglieder, engagiert sich gegen völkische Siedler in der Lüneburger Heide. Diese würden sich hinter einer gutbürgerlichen Fassade verstecken, wie es heißt, und versuchen, die demokratisch gesinnte Nachbarschaft mit nationalsozialistisch-völkischem Gedankengut zu unterwandern.
Holzkreuz im Gepäck
„Wir klären über die Völkischen und deren Umtriebe in der Heideregion auf“, so formuliert es Raabe und fügt hinzu: „Uns ist wichtig, dass die Bevölkerung erfährt, dass das Gedankengut der Völkischen eine Gefahr für unser friedliches Miteinander ist.“ Mit einem Flyer informiert die Gruppe beispielsweise Verkäufer von Immobilien darüber, dass völkische Siedler gezielt „nach alten Häusern und Höfen, gern mit Nebengebäuden und Scheunen auf einem weitläufigen Gelände“ suchen. Der Rat von „Beherzt“ lautet deshalb: „Augen auf beim Immobilienverkauf!“
Mit der Aktion „Kreuz ohne Haken – fUEr Vielfalt“ setzt die Gruppe ein Zeichen, dass rechtsextremes Gedankengut in den Landkreisen Uelzen (deswegen UE), Lüneburg, Lüchow-Dannenberg, Gifhorn und Celle keinen Platz hat. Wer ein Zeichen gegen die Völkischen setzen will, bringt ein solches Holzkreuz einfach vor dem Haus oder auf dem Hof an. Inzwischen wurden mehr als 4000 in ganz Deutschland aufgestellt. Martin Raabe hat übrigens angekündigt, dass er ein Kreuz mit nach Herboldshausen bringt. Es ist davon auszugehen, dass der 76-Jährige auch was zu den Ludendorffern sagt, denn die gibt es nicht nur in Herboldshausen und Hohenlohe, sondern auch in der Heide.
Ortsdurchfahrt ist gesperrt
Für das noch junge Kirchberger Bündnis steht am Samstag „das Highlight des Jahres“ an, wie Gerhard Borchers sagt. „Der Aktionstag 2025 bringt uns in vielerlei Hinsicht auf eine neue Stufe“, berichten alle drei Sprecher, und weiter: „Das ist mit einem organisatorischen Aufwand verbunden, den das Orgateam des Bündnisses und unsere Mitgliedsvereine aber gerne leisten.“
Besucherinnen und Besucher aus Kirchberg kommen am besten zu Fuß oder mit dem Fahrrad, so bewirbt das Bündnis die Veranstaltung. Für Autos bestehen Parkmöglichkeiten an der Kreisstraße 2500 von Kirchberg und Saurach kommend jeweils vor Herboldshausen. Dafür ist die Ortsdurchfahrt in Herboldshausen gesperrt.
Das Kirchberger Bündnis: Aktive Bürger bis Waldjugend
Neben den mehr als 300 Privatpersonen gehören diese 27 Vereine, Organisationen und Gruppen dem Kirchberger Bündnis an: Gemeinderatsfraktion Aktive Bürger, Arbeitskreis Schlosskonzerte, Beat-Bus, Bürgerstiftung Kirchberg, Dorfgemeinschaft Eichenau, Energie-Initiative Kirchberg, evangelische Kirchengemeinde Kirchberg, Fischereiverein Kirchberg, Freundeskreis Asyl, Hofgartenfest-Förderverein, Kulturraum Alte Post, Liedertafel Lendsiedel, Museums- und Kulturverein, Naturschutzbund Kirchberg, Quellhof, Raum für Pflanzen, Schloss-Schule Kirchberg, Schutzgemeinschaft Deutscher Wald, Seniorengenossenschaft Kirchberg, Sozialtherapeutische Gemeinschaften Weckelweiler, SPD-Ortsverein Kirchberg, Tango Hohenlohe-Franken, TSG Kirchberg, TSG Kirchberg Förderverein, Grüner Ortsverband Region Kirchberg, Verein für Fisch und Fußball, Waldjugend Kirchberg/Jagst. js

