Corona Schule BW Öffnung: Kretschmann verzichtet auf frühere Öffnung von Kitas und Grundschulen

Die Kitas und Grundschulen in Baden-Württemberg werden nicht früher geöffnet.
dpa- Die geplante schrittweise frühere Öffnung von Kitas und Schulen in Baden-Württemberg ist erstmal vom Tisch
- Das hat Ministerpräsident Winfried Kretschmann am Donnerstag bekanntgegeben
- Hintergrund ist der Ausbruch einer Corona-Mutation an einer Freiburger Kita
Kitas und Schulen in Baden-Württemberg bleiben nun doch länger geschlossen. Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) begründete diese Entscheidung am Donnerstag in Stuttgart mit der Ausbreitung einer infektiöseren Variante des Corona-Virus in einer Freiburger Kita. Inzwischen seien im Südwesten zwei bis drei Prozent der Neuinfizierten von Mutanten betroffen. „Wir müssen uns also noch strikter an die Maßnahmen halten, damit die Infektionen sinken“, sagte der Ministerpräsident.
Baden-Württemberg verzichtet also kurzfristig nach dem Ausbruch der Corona-Mutation in einer Freiburger Kita. Zuvor hatte vieles darauf hin gedeutet, dass Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) gemeinsam mit Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) am Mittwoch eine schrittweise frühere Öffnung für Kitas und Grundschulen verkündet. Kurz vorher aber wurde der Ausbruch einer mutierten Variante in Freiburg bekannt, sodass Kretschmann am Donnerstag entschieden, den Corona-Lockdown auch in Kitas und Schulen bis zum 14. Februar fortzusetzen. Der Regierungschef wollte seine Entscheidung in einem Statement um 17.00 Uhr begründen.
Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) hatte kurz vorher noch gewarnt, „vorschnelle Konsequenzen“ aus dem Freiburger Fall zu ziehen. Die CDU-Spitzenkandidatin zur Landtagswahl am 14. März hatte massiv auf eine Öffnung zum 1. Februar gedrungen. Nach Bekanntwerden des Falls in der Kita am Mittwoch hatte die Landesregierung ihre Entscheidung zunächst vertagt.
Keine Öffnung von Schulen und Kitas: Kretschmann wirbt um Verständnis
„Ich sehe, was das an Belastung für die Familien und die Kleinen bringt.“ Aber es müsse jetzt jeder einsehen, dass es bei dieser Lage nicht möglich sei. Er wisse, dass sich die Menschen über sprunghafte Entscheidungen der Politik ärgerten. Aber: „Pandemien sind einfach nicht die Zeit der Verlässlichkeit“, sagte Kretschmann.
Mittlerweile sei klar, dass sich 18 von infizierten 25 Personen in der Freiburger Kita mit einer Corona-Mutation angesteckt hätten. Diese Mutation stamme aus Südafrika, erklärte der Regierungschef. Die zunächst in Südafrika (B.1.351) nachgewiesene Variante gilt als hochansteckend. Nach Angaben des Landesgesundheitsamts ist diese Virusvariante seit Ende Dezember im Südwesten vereinzelt nachgewiesen worden. Der Fall in Freiburg ist aber der erste Ausbruch in einer Kita.
Gesundheitsämter melden Mutationen
Der Gesundheitsamtsleiter in Freiburg, Oliver Kappert, sagte, zu den 25 Infizierten kämen neun enge Kontaktpersonen. Hintergrund der Funde ist demnach, dass Labore seit einigen Tagen im Auftrag des Bundesgesundheitsministeriums positive Corona-Proben grob auf eine bestimmte Virusmutation untersuchen. Diese komme bei den Corona-Varianten aus Großbritannien, Südafrika und Brasilien vor. Wegen der gezielten Suche nach mutierten Viren seit einigen Tagen sei zu erwarten gewesen, dass nun auch mehr Fälle auftauchten, erklärte Kappert. Das mutierte Virus sei also nicht neu hier. „Sondern es ist schon da und wir machen es gerade sichtbar.“
Auch mehrere andere Landratsämter vermeldeten am Donnerstag Nachweise mutierter Viren. Wie viele es in ganz Baden-Württemberg gibt, vermochte das Landesgesundheitsamt zunächst aber nicht zu sagen.
Schulen und Kitas bleiben geschlossen: Vor BW hatte auch Rheinland-Pfalz schon so entschieden
Kretschmann sagte: „Die Diskussionen um weitere Lockerungen sind erstmal gegenstandslos geworden.“ Und weiter: „Kitas und Schulen bleiben bis zum 21. Februar geschlossen.“ Er bat die Eltern im Land darum, ihre Kinder nur in die Notbetreuung zu schicken, wenn sie es wirklich brauchten. Kretschmann mahnte, die Menschen müssten sich noch strikter an den Corona-Lockdown halten als bisher, weil die neuen Virusvarianten sich viel schneller ausbreiten könnten. „Die Mutanten sind nicht vor der Tür, sie sind leider schon da.“
Vor Baden-Württemberg hatte schon Rheinland-Pfalz wegen der Mutation in der Freiburger Kita entschieden, den ebenfalls für Montag geplanten Start in den Wechselunterricht an Grundschulen zu verschieben. Die Ungewissheit bei der Einschätzung von Art und Bedeutung der Virusmutationen lasse zurzeit noch keinen Start in den Wechselunterricht zu, sagte die Mainzer Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD). „In einer Situation, die derzeit nicht belastbar bewertet werden kann, wäre es nicht gut, einen weiteren Schritt zur Lockerung zu gehen.“
Keine frühere Öffnung von Kitas und Schulen ist ein Rückschlag für Eisenmann
Für Eisenmann ist die erneute Verschiebung ein Rückschlag. Sie wollte Kitas und Grundschulen im Sinne der Kinder eigentlich schon nach den Weihnachtsferien öffnen - „unabhängig von den Inzidenzen“. In Baden-Württemberg gehen etwa 450.000 Kinder in Kitas und rund 382.000 besuchen eine Grundschule. Eine Öffnung war schon mal für den 18. Januar angedacht, doch diese hatte Kretschmann wegen zu hoher Infektionszahlen verhindert. Nun bleiben die meisten Schulen noch mindestens bis nach den Fasnachtsferien zu - also bis zum 21. Februar. Es gibt aber weiter Notbetreuung und Ausnahmen für Abschlussklassen.


