Der Ulmer Anwalt und umstrittene Querdenken-Aktivist Markus Haintz hat seinen Job bei der renommierten Hochschule Biberach (HBC) eingebüßt. Der bekannte Vertreter der „Querdenken“-Initiative, die sich vor allem mit Demos gegen die Corona-Maßnahmen in Deutschland wendet, hatte demnach bisher an der HBC als Fachanwalt für Baurecht gelehrt.

Anwalt Markus Haintz lehrt künftig nicht mehr an der Hochschule Biberach

Diesen Lehrauftrag ist der Ulmer nun los. Er hätte am 31. August ohnehin geendet und die Hochschule hat ihn nicht verlängert. Der Grund für diese Entscheidung ist offenbar Haintz’ Teilnahme bei den umstrittenen „Querdenkern“, in deren Zuge er unter anderem in Berlin bei einer Corona-Demo von der Polizei abgeführt wurde.

Querdenken-Aktivitäten von Haintz: Professor sah den Hochschulfrieden „gefährdet“

Ein Schreiben dazu, das Haintz vom Leiter des Studiengangs Projektmanagement an der HBC, Prof. Dr. Gotthold Balensiefen, erhalten hat, kursiert im Netz. Demzufolge gebe es zwar an der fachlichen Eignung des Anwalts keine Kritik. Jedoch müssten Lehrbeauftragte der HBC nicht nur fachkundig und leistungsfähig, sondern auch zuverlässig und rechtstreu sein.
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Ulm

Daran gebe es Zweifel angesichts der öffentlichen Auslassungen von Markus Haintz. So seien Haintz Äußerungen und Auftreten nicht nur juristisch abwegig, sondern legitimierten letztlich auch Gewalt. Der Professor sehe dadurch den Hochschulfrieden gefährdet und findet in seinem Schreiben auch persönlich deutliche Worte. Er spricht von „ideologischer Verblendung“ und schreibt, Haintz solle „sich schämen“ dafür, mit welchen Subjekten er sich öffentlich einlasse.

So begründet die Hochschule Biberach die Kündigung des Anwalts

Offiziell nimmt auch das Rektorat der Hochschule Biberach (HBC) auf der Homepage offiziell Stellung zu der Kündigung. Dort heißt es: „Aufgrund der Aktivitäten von Markus Haintz sind sich Rektorat und Fakultät einig darüber, dass in der Zukunft kein neuer Lehrauftrag mehr an den Juristen vergeben werden soll.“

HBC will „Feinden dieser offenen Gesellschaft“ keinen Platz bieten

Der Lehrauftrag sei zuletzt für das Sommersemester 2020 an ihn vergeben worden worden und habe turnusgemäß am 31.8.2020 geendet. „Dies entspricht dem formal korrekten Vorgang und stellt keine kurzfristig ausgesprochene Kündigung eines Dienstverhältnisses dar. Für die Lehrleistung „Privates Baurecht“ wurde bereits im Herbst 2019 eine Nachfolge bestimmt“, heißt es weiter. Das Rektorat stellt zudem klar: „Mit unserem Tun stehen wir als Hochschule und damit als Bildungseinrichtung für eine offene Gesellschaft; Feinden dieser offenen Gesellschaft will die HBC keine Plattform bieten.“
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Haintz trägt Kündigungsbrief an die Öffentlichkeit - Netzreaktionen folgen

In der Auseinandersetzung wirft Markus Haintz Professor Balensiefen in einer Antwort „Meinungsdiktatur“ und „Cancel Culture“ vor und und schreibt: „Ich frage mich, warum Sie einen Doktortitel und einen Professorentitel tragen.“ Zuvor hatte der Ulmer Anwalt den Kündigungsbrief in sozialen Netzwerken öffentlich gemacht und seine Anhänger zu Reaktionen aufgerufen. Dazu hatte er die Mailadressen von Hochulvertretern aufgelistet und geschrieben: „Gerne dürft ihr den Verantwortlichen der Hochschule Biberach und Herrn Professor Dr. Balensiefen mitteilen, wie ihr dazu steht.“
Dies führte dann offenbar auch zu Reaktionen im Netz - zu denen sich die Hochschule Biberach folgendermaßen äußerte: „Nach der Skandalisierung durch Markus Haintz – „Kündigung meines Lehrauftrages an der Hochschule Biberach“ – erhalten wir negative wie positive Rückmeldungen. Zahlreiche Reaktionen begrüßen unser Handeln ausdrücklich.“