World Games: Gold dank Weltrekordzeit

Ein Moment für die Ewigkeit: Julia Hennig von der DLRG Bietigheim-Bissingen posiert stolz nach dem Gewinn der Goldmedaille.
privatErst im vergangenen Sommer war Julia Hennig als Rettungsschwimmerin am Beckenrand bei Olympia in Paris vor Ort gewesen – und schwärmte von dem olympischen Flair (die BZ berichtete). Nur ein Jahr später ist die 27-Jährige als Athletin bei den World Games in China am Start gewesen – und holte in der Staffel direkt Gold.
„Es ist etwas ganz anderes, ob man eine so große Veranstaltung aus der Helferperspektive oder als aktive Sportlerin erlebt“, betont Hennig auf den Vergleich beider Großveranstaltungen angesprochen. „Olympia ist vom Bekanntheitsgrad und Prestige her natürlich deutlich größer. Aber solange das Rettungsschwimmen nicht olympisch ist, sind die World Games in unserem Sport der größte Wettbewerb.“
Bei den alle vier Jahre ausgetragenen World Games messen sich Sportlerinnen und Sportler aus der ganzen Welt in Disziplinen, die nicht olympisch sind. Nachdem die Spiele 2025 in Chengdu in China ausgetragen wurden, finden die World Games 2029 in Karlsruhe statt. Wie hoch der Stellenwert einer Goldmedaille bei den World Games ist, kann auch daran ermessen werden, dass früheren Siegern das Silberne Lorbeerblatt verliehen wurde, die höchste staatliche Anerkennung für Spitzenleistungen im deutschen Sport. „Vielleicht kommt da ja noch was“, erwähnt Hennig schmunzelnd.
Sieg in Fabelzeit
Denn eine der 17 Goldmedaillen, die das deutsche Team in China gewinnen konnte, sicherte sich Julia Hennig zusammen mit Nina Holt, Lena Oppermann und Undine Lauerwald. Mit einer Zeit von 1:12,10 Minuten legte die deutsche Staffel um Hennig eine Fabelzeit auf und unterbot den bis dato von Italien gehaltenen Weltrekord um über zwei Sekunden.
„Wir sind schon mit dem Ziel nach China gekommen, Gold zu gewinnen“, schildert Hennig. „Im Vorfeld haben wir nicht darüber gesprochen, aber schon ein bisschen damit gerechnet, in Weltrekordnähe schwimmen zu können. Aber dass wir dann so deutlich die Bestmarke unterbieten konnten, war krass.“
Obwohl vor dem Wettkampf in nur drei Einheiten vor Ort die Wechsel eingeübt werden konnten, klappte am Wettkampftag alles perfekt. Anstelle eines Staffelstabs muss beim Rettungsschwimmen eine Puppe an die jeweils nächste Schwimmerin übergeben werden. In der Lifesaver-Staffel krault die erste Schwimmerin über 50 Meter, die zweite ist mit Flossen im Wasser, übergibt an Schwimmerin drei, die die Puppe über 50 Meter schleppt und an Schwimmerin Nummer vier übergibt, welche die Puppe dann mit Flossen abschleppt.
Technische Raffinessen
Hierbei kann immer mal etwas schiefgehen. „Es gibt einige technische Raffinessen, weil man einfach auch mal abrutschen kann und dadurch schnell Zeit verliert“, schildert Hennig, die seit Januar in Frankfurt als Rechtsanwältin arbeitet.
Anders als beim Schwimmen sei vor den Wettkämpfen viel schwerer Favoriten auszumachen. Genau das mache aber auch den Reiz aus. „Beim Rettungsschwimmen gewinnt gar nicht mal immer die beste Schwimmerin, sondern die, bei der die Abläufe am besten funktionieren.“
Ein Alleinstellung des Rettungsschwimmens ist, dass es die einzige Sportart ist, die sowohl als humanitäre Hilfsleistungsorganisation als auch als Sportverband anerkannt ist.
Geschwommen ist Julia Hennig immer gerne. Aber warum ist sie beim Rettungsschwimmen gelandet? „Ich bin schon früh in einer DLRG-Gruppe gewesen und irgendwann wird man dann halt gefragt, ob man nicht auch an Wettkämpfen teilnehmen will“, schildert die 27-Jährige, die ursprünglich aus Dietenhofen bei Anspach stammt. „Als großer Mensch hat man im Schwimmen wegen den Hebeln einen Vorteil. Viele Schwimmerinnen bei Olympia sind 1,80 oder gar 1,85 Meter groß. Ich bin nur 1,57 Meter groß und habe für mich herausgefunden, dass ich beim Rettungsschwimmen mit den Flossen schnelle Delfinkicks machen kann.“ Außerdem gibt es beim Rettungsschwimmen „eine unfassbar schöne Gemeinschaft an Leuten“.
Zum DLRG Bietigheim-Bissingen kam Hennig über gemeinsame Freunde. „Ich bin für die DLRG Dietenhofen immer als Einzelkämpferin bei Wettkämpfen unterwegs gewesen“, schildert sie. „Bei den deutschen Einzelstreckenmeisterschaften in Stuttgart saß ich vor drei Jahren dann schon immer bei meinen Bietigheimer Freunden. Letztes Jahr habe ich dann einen Verein gesucht, für den ich bei den Weltmeisterschaften antreten kann und habe mich natürlich für Bietigheim entschieden.“