Wahlkreis Neckar-Zaber: „Super-Ergebnis“ für Fabian Gramling

Stimmabgabe im Bietigheimer Rathaus. Die Wahlbeteiligung im Wahlkreis Neckar-Zaber lag bei 85,7 Prozent.
/Martin KalbAls klarer Sieger im Wahlkreis Neckar-Zaber ist der Bundestagsabgeordnete Fabian Gramling (CDU) aus dem gestrigen Wahlabend hervorgegangen. Er konnte seine Stimmenzahl gegenüber 2021 kräftig steigern und zieht erneut in den Bundestag ein – als einziger der Kandidaten in diesem Wahlkreis. Die eingefahrenen rund 39 Prozent Erststimmen seien „ein Super-Ergebnis“, so Gramling gegenüber der BZ.
Grund zur Freude hatte Gramling am Sonntag auch über das bundesweite Abschneiden der CDU. „Wir sind mit Abstand stärkste Partei geworden“, sagte der Abgeordnete. Ganz zufrieden ist er aber dennoch nicht: Er habe sich noch etwas mehr gewünscht, erklärte Gramling, um das Ziel, einen „Politikwechsel“ durchzusetzen, zu erreichen. An diesem gelte es jetzt gleichwohl zu arbeiten, um den rechten Rand im Parteienspektrum zu schwächen, so der Abgeordnete mit Blick auf die Themen Migration, innerer Zusammenhalt und Wirtschaft. Dass die Union nicht besser abschnitt, lag seiner Ansicht nach daran, dass viele Wähler noch den Beweis gesucht hätten, dass es die CDU damit auch ernst meine. Als „sehr bedenklich“ bezeichnete es Gramling, dass aufgrund des neuen Wahlrechts mehrere CDU-Kandidaten im Land, die Wahlkreissieger wurden, nicht in den Bundestag einziehen.
Wenig Grund zur Freude gab es am Wahlabend für Mario Sickinger, den SPD-Kandidaten. Überrascht hat ihn das schlechte Abschneiden seiner Partei aber nicht: Das Ergebnis sei aufgrund der Umfragen absehbar und daher „nicht mehr schockierend“ gewesen, erklärte der SPD-Bewerber. Die Gründe dafür sieht er im Auseinanderbrechen der Ampel und in einer schlechten Grundstimmung gegenüber SPD aufgrund vieler Krisen, wie dem Ukrainekrieg und der Gaskrise. Sickinger: „Wir waren das Gesicht dieser Herausforderungen.“
Dass Boris Pistorius der bessere Kanzlerkandidat gewesen wäre, glaubt Sickinger nicht: „Wir standen hinter Olaf Scholz.“ Zur Frage der Koalitionsoptionen meinte der SPD-Bewerber, der Ball liege jetzt bei der Union. Dass die SPD gerne mit den Grünen koalieren würde, liege auf der Hand, so Sickinger, mit der CDU und Merz hingegen nur ungern. Es gehe jetzt aber darum, das Land voranzubringen.
Das sieht Lars Schweizer (Grüne) ganz ähnlich. „Wir schließen keine Koalition aus“, so der Kandidat, der hervorhebt, dass die Grünen als einzige ehemalige Ampelpartei noch relativ wenig Federn lassen mussten. Die Partei sei „stabiler als befürchtet“ aus dem Wahlabend hervorgegangen. Das habe man auch am Wahlabend gemerkt: Statt der erwarteten 30 Leute seien 60 zur Wahlparty gekommen, es gebe viele Neueintritte.
Generell sei die Wahl davon geprägt gewesen, dass aufgrund der Krisen in der Ukraine und im Nahen Osten eine große Unzufriedenheit herrsche. Das Vertrauen fehle, die großen Herausforderungen zu lösen.
„Wir wussten, dass das eine knappe Geschichte wird“, beschreibt Andrey Belkin (FDP) den Wahlabend aus seiner Sicht, der für die Liberalen zur Zitterpartie wurde. Belkin erklärt sich den Stimmeneinbruch bei der FDP damit, dass es angesichts der Krisen nicht gelungen sei, glaubhaft zu vermittelt, dass es wieder besser werde, das heißt, ein Aufstiegsversprechen zu geben. Der Ausstieg aus der Ampel sei für die einen zu früh, für die anderen zu spät gewesen, sei also als weder gut noch schlecht für die Wahl einzustufen. Für ihn steht aber fest, dass der Wunsch nach einer liberalen Kraft bleibe, die FDP sei ein „Überlebenskünstler“.
Ein „blaues Wunder“ von 25 Prozent hatte sich Dieter Glatting für die AfD im günstigsten Fall erhofft, um damit im Bundestag Untersuchungsausschüsse initiieren zu können. Nun sei es etwas weniger geworden, das sei aber dennoch ein gutes Ergebnis, auch im Wahlkreis habe man gut abgeschnitten. Dass es nicht noch mehr Stimmen für die AfD wurden, führt Glatting auf die hohe Mobilisierung der anderen Parteien und das gute Wetter zurück. Bei einer Kenia-Koalition rechne er damit, dass in einem Jahr erneut gewählt werde.
Beste Stimmung herrschte bei der Linken. „Das Ergebnis ist super, wir freuen uns total“, sagte Kandidatin Julia Schlembach. Die Linke habe auf die richtigen Themen gesetzt, zum Beispiel bezahlbares Wohnen. Man habe diese Themen auch zu den Menschen gebracht, so Schlembach, unter anderen durch Haustürbesuche. Es sei gelungen, Wähler zu mobilisieren. Im Wahlkreis wurde das Zweitstimmenergebnis in etwa verdoppelt.