Wahlkreis Bietigheim-Bissingen: Am grünsten ist es in Marbach, am schwärzesten in Mundelsheim

Stimmabgabe in Bietigheim-Bissingen. In der größten Stadt im Wahlkreis 14 liegen bei der Zweitstimme die Grünen vorn.
/Martin KalbZwischen Triumph auf der einen, bitterer Enttäuschung auf der anderen Seite war bei der Landtagswahl am Sonntag in Baden-Württemberg alles drin. Das gilt auch für den Wahlkreis Bietigheim-Bissingen, wie die Nachbetrachtung mit Blick auf die Auswirkungen des neuen Wahlrechts mit erstmals zwei Stimmen und die räumlichen Unterschiede zeigt.
Für die CDU hat der Abgeordnete und Generalsekretär Tobias Vogt bei den Erststimmen fast alles abgeräumt. Hier hat sich die Wahlkreiskarte schwarz gefärbt, nur die Stadt Marbach präsentiert sich in Grün. In der Schillerstadt hat der Abgeordnete Tayfun Tok 34,5 Prozent der Erststimmen geholt, in allen anderen Städten und Kommunen liegt Vogt deutlich vorn. Sein bestes Ergebnis verzeichnet er in Mundelsheim mit 44,4 Prozent, gefolgt von Gemmrigheim (42,9) und Hessigheim beziehungsweise Kirchheim (beide 42,2). Insgesamt liegt Vogt mit 37,5 Prozent der Erststimmen im Wahlkreis 14 klar vor Tok mit 27 Prozent.
AfD stark in Gemmrigheim
Von den anderen Kandidaten hat es keiner geschafft, in einer Kommune an der Spitze zu liegen. Am stärksten schnitt AfD-Kandidat Reno Geisler in Gemmrigheim ab, wo er 22,3 Prozent der Erststimmen auf sich vereinigte. Auch in Hessigheim (22 Prozent) und in Ingersheim (19,9 Prozent) punktete Geisler überdurchschnittlich (gesamter Wahlkreis: 18 Prozent). Am schwächsten schnitt er in Benningen (15 Prozent) und in Marbach (15,5 Prozent) ab.
Für die leidgeprüfte SPD holte Kandidat Daniel Haas in seiner Heimatstadt Freiberg mit 10 Prozent das beste Ergebnis, gefolgt von Ingersheim und Murr mit je 7,9 Prozent. In Bietigheim-Bissingen ist Haas leicht überdurchschnittlich mit 7,5 Prozent, am schwächsten schnitt er in Hessigheim ab, wo er gerade einmal auf 4,8 Prozent der Stimmen kam (kreisweit 7,3 Prozent).
FDP ganz schwach in Hessigheim
Der Linken, für die Ingrid Petri insgesamt 4,5 Prozent der Erststimmen holte, reichte es zumeist nicht über 5 Prozent. Am stärksten schnitt Petri in Marbach ab (5,9 Prozent), am schlechtesten in Affalterbach (2,8 Prozent).
Ein ganz bitterer Wahlabend war es auch für Paul Wien von der FDP, der in seiner Heimatgemeinde Großbottwar zwar 7,3 Prozent erreichte, ansonsten aber stets unter 5 Prozent blieb. Bei ihm war das schlechteste Ergebnis mit 2,3 Prozent in Hessigheim, im Durchschnitt kam er nur auf 3,8 Prozent der Erststimmen.
Blickt man auf die Zweitstimme, mit der man eine Partei wählt, ging das Rennen im Wahlkreis Bietigheim-Bissingen ganz knapp an die CDU, die auf 31,5 Prozent kam, während 30,2 Prozent der Stimmen an die Grünen gingen.
Der Landestrend, wonach die Grünen in den Städten stark sind, die CDU auf dem Land, ist dabei nur in abgeschwächter Form auch auf Wahlkreisebene zu beobachten. Zwar verzeichnet die Ökopartei ihre besten Zweitstimmenergebnisse in den Städten Marbach (36,7 Prozent) und Besigheim (33,1 Prozent), danach folgen jedoch die kleineren Orte Freudental (32,8 Prozent) und Benningen (32,5). In Bietigheim-Bissingen, der größten Stadt im Wahlkreis 14, liegen die Grünen bei 31,5 Prozent leicht vor der CDU, die auf 29,8 Prozent der Zweitstimmen kommt.
Die „AfD-Hochburg“ im Wahlkreis 14 ist auch bei den Zweitstimmen Gemmrigheim (23,2 Prozent). Die Linke schneidet in Marbach am besten ab (5,5 Prozent), die FDP in Großbottwar und Mundelsheim (jeweils 5,6 Prozent). Auch in Ingersheim, wo die Liberalen mit Harald Leibrecht einst einen Bundestagsabgeordneten hatten, liegt der Zweitstimmenanteil nur bei 4 Prozent.
Insgesamt hat bei den Zweitstimmen die AfD am stärksten zugelegt, wenn man einen Vergleich zu 2021 zieht (plus 8,9 Prozentpunkte), gefolgt von der CDU (plus 7 Prozentpunkte). Die Grünen verlieren 4 Prozentpunkte, die SPD 5,2 und die FDP 6,6.
Unterschiede bei Briefwahl
Durchaus Unterschiede gibt es bei den Parteien im Wahlkreis beim Vergleich Briefwahl/Urnenwahl. So ist bei den Grünen hier das Ergebnis fast identisch, wenn man die Zweitstimme betrachtet (Briefwahl 30,2 Prozent, Urnenwahl 30,3 Prozent). Bei der CDU ist das Bild hingegen anders: Bei der Briefwahl liegen die Christdemokraten mit 34,9 Prozent der Stimmen noch vorn, an der Wahlurne fallen sie mit 29,6 Prozent der Zweitstimmen aber zurück. Besonders krass ist der Unterschied bei der AfD: Sie erhält beim Urnengang 21,2 Prozent, per Briefwahl hingegen nur 12,6 Prozent der Stimmen.