Sport und Beruf
: Von der Judomatte ans Lehrerpult

Fabian Häßner hat in jungen Jahren eine glänzende Judokarriere hingelegt. Als Lehrer am Hans-Grüninger-Gymnasium in Markgröningen geht er nun seiner zweiten Leidenschaft nach.
Von
Manuel Schust
Stuttgart
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Fabian Häßner (links) zeigt sein Können in der Bodenlage. Am Markgröninger Hans-Grüninger-Gymnasium unterrichtet er die Fächer Physik, Wirtschaft und NWT (Naturwissenschaft und Technik).

privat

Die Liste der Erfolge von Fabian Häßner liest sich beeindruckend. Als zweifacher deutscher Juniorenmeister, Drittplatzierter bei der Junioren-Europameisterschaft und einem dritten Platz bei den Deutschen Meisterschaften im Herrenbereich hatte sich der heute 29-Jährige schnell in die nationalen Spitze des Judosports etabliert. Früh wurde er in den Nationalkader berufen und kämpfte für den KSV Esslingen erfolgreich in der 1. Bundesliga. In der Gewichtsklasse bis 60 Kilogramm zählt Häßner, der mittlerweile wieder für den JSV Speyer antritt, noch immer zu den Sieggaranten in der ersten Liga. Und das obwohl sein Fokus längst nicht mehr so stark wie früher auf dem Kampfsport liegt.

Vereinbarkeit von Sport und Beruf

„Judo ist kein Fußball“, formuliert Fabian Häßner pointiert. „Im Fußball kann man auch in der 2. oder 3. Liga als Spieler seinen Lebensunterhalt gut bestreiten. Im Judo ist die Förderung hingegen marginal und gleicht eher einer erhöhten Aufwandsentschädigung.“ Auch als deutscher Juniorenmeister gelangte er daher an den Punkt, in dem sich ein Spannungsverhältnis zwischen kurzfristigen, sportlichen Zielen und langfristiger Berufsperspektive auftat.

„Ich hatte schon früh den Wunsch, Lehrer zu werden“, betont der erfolgreiche Judoka. „Aber das hat sich in den Förderprogrammen für junge Sportler nicht widergespiegelt.“ Die angesprochenen Programme der baden-württembergischen Landespolizei oder der Bund-Fördergruppe ermöglichen es jungen Sportlern, in den Polizeidienst einzutreten oder Sportsoldat zu werden. Parallel hierzu lässt sich eine sportliche Laufbahn gut integrieren. Als angehender Lehrer hat man es hingegen wesentlich schwerer.

„Die Förderung ist nicht treffsicher für die Bandbreite der Berufsbilder“, bemängelt Häßner. „Mir war klar, dass ich nicht gleichzeitig Sportsoldat und Judoka sein kann und dann auch noch ein Bachelor- und Masterstudium für den Lehrerberuf anfange.“

Da der Sindelfinger ab dem Alter von 22 Jahren mit einer hartnäckigen Knieverletzungen zu kämpfen hatte, die sechs Operationen nach sich zog, fiel die Entscheidung leicht, den Fokus auf den Lehrerberuf zu legen.

„Judo ist ein Sport, den man nicht bis Mitte 40 machen kann“, schildert Häßner. „Deshalb glaube ich, dass es auf lange Sicht die richtige Entscheidung gewesen ist, den Schnitt zu machen. Dass sich alles so entwickelt hat, liegt einerseits am System, andererseits auch daran, dass mich viele Verletzungen weit zurückgeworfen haben.“

Deutscher Meister mit Esslingen

Doch den Judoanzug in den Schrank hängen und komplett auf die Karriere nach der Karriere setzen wollte der 29-Jährige nicht. An internationalen Einzelwettkämpfen nimmt er nur noch selten teil. Doch auch während der Studien- und Referendariatszeit trat Häßner regelmäßig für den KSV Esslingen an. Und im Jahr 2023 gelang es dem Team nach zwei Vizemeisterschaftenden Rekord- und Serienmeister TSV Abensberg zu entthronen und die Deutsche Meisterschaft zu gewinnen. „Das war ein absolutes Highlight, weil wir zweimal so nah dran waren und dann schließlich doch noch den Titel gewinnen konnten“, ordnet Häßner ein. Ein letztes, großes sportliches Ziel stellt es für ihn dar, auch mit dem JSV Speyer Meister zu werden.

Schüler wissen Bescheid

Doch der Schulalltag in Markgröningen fordert nun die größte Aufmerksamkeit für den Sindelfinger. Dabei unterrichtet er nicht, wie man denken könnte, als Sportlehrer, sondern in den Fächern Physik, Wirtschaft und NWT (Naturwissenschaft und Technik). „Das habe ich mit Absicht so gewählt, um eine bewusste Trennung zwischen Beruflichem und Sportlichem zu ziehen.“ Es hat dennoch nicht lange gedauert, bis seine Schülerinnen und Schüler, über den sportlichen Hintergrund des neuen Lehrers im Bilde waren. „Ich habe mich da bedeckt gehalten“, erzählt Häßner. „Aber schon direkt am zweiten Tag war das bei den älteren Schülern ein Thema. Die haben meinen Namen gegoogelt und schnell einiges gefunden.“

Sportlichen Zielen wie einer möglichen Olympiateilnahme trauert Häßner nicht hinterher. „Ein bisschen bereue ich vielleicht, dass ich nicht später zu studieren angefangen und länger den Fokus auf den Sport gelegt habe. Andererseits wollte ich auch nie spät Lehrer werden. Mir macht die Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen richtig viel Spaß.“