Raser-Prozess
: Zeugen empfanden Fahrerei eindeutig als Rennen

Mit der Anhörung zahlreicher Zeugen ist am Montag der Raser-Prozess am Landgericht Stuttgart im neuen Jahr fortgesetzt worden.
Von
Petra Häussermann
Ludwigsburg
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Immer wieder wurden seit dem Vorfall am 20. März 2025 Blumen und Kerzen an der Unfallstelle abgelegt.

/Oliver Bürkle

Bevor sie etwas zu Gesicht bekamen, hörten alle diese Zeugen zunächst laute Motoren röhren und staunten nicht schlecht über die „völlig unpassende Geschwindigkeit“, mit der zwei schwarze Mercedes mitten in Ludwigsburg am Abend des 20. März 2025 daraufhin an ihnen vorbeirasten. Ein 22 Jahre alter Azubi, der an der Tankstelle gerade telefonierte, berichtete: „Ich habe so etwas noch nie gehört und hochgeschaut, weil ich dachte, es kommt ein Helikopter.“

Das Röhren lauter Motoren

„Die spinnen doch, sagte ich noch zu meiner Freundin, dann knallte es ganz laut“, erzählte eine 35 Jahre alte Zeugin mit leiser Stimme im Gerichtssaal. Die Frauen saßen gerade beim Essen in einem indischen Restaurant mit Blick auf die Tankstelle, an der einer der Raser mit einem unbeteiligten Auto zusammenprallte und das Leben zweier junger Frauen auslöschte. Zwei 32 und 36 Jahre alte Brüder und ihr 25 Jahre alter Cousin sitzen deshalb auf der Anklagebank (die BZ berichtete mehrfach).

Die Staatsanwaltschaft klagt die drei Männer wegen zweifachen Mordes, versuchten Mordes sowie fahrlässiger Tötung bei ihrem illegalen Autorennen sowie einen Bruder zusätzlich wegen Fahrerflucht an. Den Ermittlern zufolge handelten die drei türkischen Staatsbürger heimtückisch und vorsätzlich, sie nahmen mit ihren hochmotorisierten Fahrzeugen billigend den Tod von unbeteiligten Menschen in Kauf.

„Seit mehr als 14 Jahren wohnen wir hier und sehen abends öfters solche Fahrten, bei denen auch schon Unfälle passiert sind“, sagte eine 54 Jahre alte Frau, die direkt gegenüber von einem Imbiss wohnt, bei dem sich die Angeklagten und weitere Angehörige vor der Unglücksfahrt zum Fastenbrechen getroffen hatten. Kumpelhaft habe die Gruppe miteinander agiert und stolz auf Ihre Autos gewirkt, beobachtete die Sachbearbeiterin von ihrem Sitzplatz am Fenster.

Sofort waren ihr die auf Hochglanz polierten Mercedes aufgefallen. Später brausten die Mercedes-Fahrer „Stoßstange an Stoßstange und wahnsinnig schnell“ in Richtung Bahnhofsunterführung. „Die haben im Tunnel nochmal das Gas durchgetreten, da wirkt der Tunnel wie ein Trichter bis zu uns.“ Als ein Video von der Fahrt im Tunnel im Gerichtssaal abgespielt wird, und die Zeugin ihren Eindruck bestätigt, übermannen einige Angehörige der beiden getöteten Frauen, die als Nebenkläger am Prozess teilnehmen, ihre Gefühle.

18 Verhandlungstage angesetzt

An diesem 7. von insgesamt 18 anberaumten Verhandlungstagen waren auch die Betreiber des Imbisses vorgeladen. Sie bestätigten, dass der ältere Bruder ein Stammgast sei, ein schnelles Wegfahren oder Imponiergehabe wollten sie nicht bemerkt haben.

Erst auf intensives Nachfragen des Vorsitzenden Richters räumten sie ein, Besuch von jenem Mann gehabt zu haben, der die Autowerkstatt der beiden Brüder seit ihrer Inhaftierung weiterführt. Auch hier wollten sie von einer etwaigen Beeinflussung auf ihre Zeugenaussagen nichts bemerkt haben.

Unterdessen kündigten die jeweiligen Verteidiger des älteren Bruders und des Cousins an, für ihre Mandanten Ende des Monats und – nicht erst im Februar – eine sogenannte Verteidigererklärung zu verlesen. Mit diesen Erklärungen wird das Tatgeschehen aus Sicht der Angeklagten geschildert, doch lassen die Rechtsanwälte in der Regel keine Nachfragen der Prozessbeteiligten zu.