PKC Freudental: Schüler erinnern an die Reichspogromnacht

Mit einer Performance über die Zerstörung der ehemaligen Synagoge in Freudental beschaftigen sich Schüler der Bietigheimer Ellentalgymnasien.
Martin Kalb- Schüler der Ellental-Gymnasien gestalten im PKC Freudental eine Gedenkstunde zur Reichspogromnacht.
- Geplant ist eine Performance in der ehemaligen Synagoge mit Sounds, Licht und imaginärem Feuer.
- Ablauf: Begrüßung in der evangelischen Kirche, Schweigemarsch zum Rathaus, dann zur Synagoge.
- Ziel ist es, Geschichte erfahrbar zu machen und Ausgrenzung zu reflektieren, ohne anzuklagen.
- Technikaufbau mit 40 Scheinwerfern und über 200 Kabeln – zum Abschluss gibt es heißen Tee.
Die Zusammenfassung wurde von einer generativen künstlichen Intelligenz erstellt.
„Es wäre cool, wenn mehr Jugendliche freiwillig hierherkämen, nicht nur auf Intervention der Lehrer“, ist das Anliegen von Michael Volz, dem Leiter für Pädagogik und Kultur des Pädagogisch-Kulturellen Centrums (PKC) in Freudental. Um das zu erreichen, hat er sich an Florian Hatzlhoffer gewandt, der seit September ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) im PKC absolviert. Hatzlhoffer hatte daraufhin nicht lange gezögert, Kontakt zu seinen einstigen Mitschülern aus der Media-AG der Ellental-Gymnasien aufgenommen und mit fünf Schülern aus den Jahrgangsstufen neun bis elf ein beeindruckendes Szenario entworfen. „Wir haben so etwas schon häufiger gemacht“, teilt Annika Reuter, eine der Schülerinnen, mit, „vor allem bei Veranstaltungen in der Aula bieten wir die entsprechende Technik für Sounds und Lichter.“
Diesmal bereiten die jungen Leute in der ehemaligen Synagoge die Gedenkveranstaltung zur Erinnerung an die Zerstörung von Synagogen in Deutschland und auch an den Versuch der Zerstörung der Freudentaler Synagoge im Jahre 1938 und den Beginn der Deportationen vor, die ab 1941 stattgefunden haben. In Freudental wurde die Zerstörung am 10. November verhindert, aus Sorge, dass die Flammen auf die nebenliegenden Gebäude übergreifen. Die Schüler unterstützen mit ihrer Performance das pädagogische Team des PKC, zu dem auch Rebecca Volk zählt.
Aus der Vergangenheit lernen
„Es geht uns nicht darum, jemanden für begangene Fehler anzuprangern. Es geht uns vielmehr darum, die Gesellschaft an der Aufarbeitung wachsen zu lassen, Ausgrenzungen auch im Kleinen zu vermeiden und zu erkennen, was und wie jeder von uns selbst aus der Vergangenheit lernen kann“, erklärt Hatzlhoffer nachdenklich. Deshalb hat die Gruppe für diesen Gedenktag etwas ganz Besonderes geplant: Nach der Begrüßung durch die Pfarrerin Johanna van Oorschot in der evangelischen Kirche folgt ein Schweigemarsch zum Rathaus. Dort sprechen Bürgermeister Alexander Fleig sowie der Journalist und Autor Steffen Pross. Schließlich gelangen die Teilnehmer zur Synagoge. Alles ist dunkel. Bereits auf dem Platz vor der Synagoge umgibt die Besucher unheimlicher Lärm. Scheiben klirren, Stühle bersten. Man vernimmt dumpfe Schläge und das beängstigende Knistern von Feuer. Nur wenige Schritte – und das Innere der Synagoge ist erreicht.
„Wir wollen alles ganz plastisch darstellen“, so Florian Hatzlhoffer, „man soll die Situation von damals nachvollziehen können, die Atmosphäre spüren, die Gefühle sollen ’rüberspringen.“ Deshalb hat das Team, zu dem auch Vincent Hoffmann, Jonas Jantschik, Finn Fleischer und Mischa Zimbel zählen, ein gewaltiges imaginäres Feuer in der Synagoge entfacht – ein Feuer, „das zeigt, wie es genauso in Freudental hätte sein können“, so die jungen Leute.
Es werden keine Stuhlreihen vorhanden sein, erklären sie. Die Anwesenden müssen stehen. Alleine gelassen, einsam, ohne Ansprache. Anstelle von Gluthitze wird es Kälte geben, „zerbrochene“ Fenster – Frösteln auf der Haut und in der Seele. Musik am Flügel, Zitate über Heimat, Mord und Verfolgung sollen dazu anregen, sich selbst Gedanken zu machen, sich nicht mithilfe eines Vortrages schützen zu können. „Ein Gefühl der Ohnmacht“, beschreibt Vincent Hoffmann die Empfindung, die er sich bei einem solchen Feuer vorstellt.
40 Scheinwerfer und 200 Kabel
Doch dann wird es eine überraschende, atmosphärische Wendung geben, in deren Folge die Gedanken mit hinaus und vielleicht sogar ein Stück davon mit nach Hause genommen werden sollen. „Wir werden hier 40 Scheinwerfer aufbauen und über 200 Kabel verlegen“, verkündet Hatzlhoffer, der sich darauf freut, ein derartiges Thema aus der Jugendperspektive anzugehen. In der Schule habe er den Geschichtsunterricht eher langweilig empfunden. Erst später habe er verstanden, wie spannend das in Wirklichkeit sei – sofern es entsprechend vermittelt würde. „Es fehlt an so vielen Stellen an der richtigen Aufarbeitung des Stoffes; man könnte das anders machen“, ist er überzeugt. Deshalb hat er für die Freudentaler Synagoge lizenzfreie Sounds aus dem Internet zusammengeschnitten und für eine Kulisse gesorgt, die staunen lässt. „Und wer in der Kälte friert“, verspricht Vincent Hoffmann, „der bekommt anschließend einen heißen Tee geboten“.
Die Gedenkstunde zur Reichspogromnacht beginnt am Dienstag, 10. November, um 17 Uhr in der evangelischen Kirche Freudental.
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