Paar findet sich beim Gemeindeaustausch: In Valréas kennengelernt, in Sachsenheim verlobt

Fabian Bestenlehner aus Sachsenheim hat seine Verlobte Clémentine Morice in der Partnerstadt Valréas in der Provence kennen und lieben gelernt. In ihrem gemeinsamen Zuhause gibt es viele Erinnerungsstücke aus Südfrankreich.
Martin Kalb- Ein Paar lernte sich beim Gemeindeaustausch in Valréas kennen und verlobte sich später.
- Clémentine Morice zog nach Sachsenheim, fand Arbeit im Kindergarten und spielt Trompete.
- Kennenlernen beim Besuch des Posaunenchors, gemeinsame Ausflüge und schneller Kontakt.
- Verlobungsfeier mit deutschem und französischem Essen, Familien und Freunde kamen zusammen.
- Standesamtliche Trauung ist für den 11. Juni geplant – kirchliche Trauung am 7. August.
Die Zusammenfassung wurde von einer generativen künstlichen Intelligenz erstellt.
„Es ist schön, wenn man lange gewartet hat und dann jemanden findet, bei dem es passt. Und dann fragen kann: ‚Willst du meine Frau werden?‘“, sagt Fabian Bestenlehner und lächelt seine Verlobte an, die neben ihm am Esstisch sitzt. Der Sachsenheimer hat Clémentine Morice beim Gemeindeaustausch der Stadt Sachsenheim mit der französischen Partnerstadt Valréas kennengelernt. Das war erst vor gut einem Jahr, im Oktober 2025. Mittlerweile ist Morice in Bestenlehners Haus in Großsachsenheim eingezogen. Am 11. Oktober dieses Jahres hat sich das Paar verlobt.
Vor einem Jahr stand ein Besuch des ökumenischen Arbeitskreises in Valréas an. Der evangelische Posaunenchor Großsachsenheim mietete sich einen Spillmann-Bus und fuhr hin - auch, weil man einen Posaunenchor in Valréas nicht kenne, sagt Bestenlehner. Dort gebe es zwar einzelne Bläser, aber ansonsten eher Orgel- oder Klavierspieler. Schon vor Corona hatte der Posaunenchor die Reise geplant, wegen der Pandemie verschob sie sich dann. Mit circa 20 Mitgliedern, allen Instrumenten und dem ehemaligen Sachsenheimer Bürgermeister Horst Fiedler als Ehrengast ging es los. In der Sankt-Agatha-Kirche in Grillon, einer Gemeinde in der Nähe von Valréas, wirkte der Posaunenchor beim Gottesdienst mit. Vor allem ältere Menschen und Familien besuchten diesen Gottesdienst, erinnert sich Bestenlehner. Aber unter den Gästen war auch Clémentine Morice: „Sie hatte eine pinkfarbene Jacke an, dadurch ist sie mir aufgefallen.“
Erster Kuss im Elsass
Nach dem Gottesdienst gab es ein gemeinsames BBQ, bei dem sich Bestenlehner gegenüber von Morice an den Tisch setzte. Morice konnte aus der Schule bereits Deutsch, also konnten sich beide direkt ohne Dolmetscher unterhalten. „Ich kann es nicht verstehen, aber es war direkt klar für mich“, erinnert sich Morice an ihre erste Begegnung. Da sei direkt eine Vertrautheit gewesen; ein Gefühl, als ob man sich schon ewig kennt, beschreibt Bestenlehner. Am nächsten Tag hatte der Posaunenchor ein Programm geplant: Es ging ins Kloster und auch zu einem Imker. „Ich hatte im Bus die letzte Reihe reserviert und war da allein“, sagt Bestenlehner. Also war Platz für Morice, und sie begleitete ihn auf die Ausflüge. Während der Busfahrt tauschten sie Nummern aus, dann liefen sie gemeinsam durchs Kloster und probierten Honig beim Imker. Der erste Kuss fiel noch im Oktober: Morice hatte Urlaub im Elsass geplant, und Bestenlehner buchte sich ein Zimmer im selben Hotel. „Dort gab es den ersten Kuss. In Frankreich habe ich sie immer nur auf die Wange oder die Stirn geküsst“, erzählt Bestenlehner lächelnd.
Beide zeigen sich ihre Welt
Bis zum nächsten Treffen dauerte es nicht allzu lange. Bestenlehner, der in der Bauüberwachung im Projektmanagement bei der Deutschen Bahn angestellt ist, bat seinen Arbeitgeber, ein paar Tage vom Ausland aus arbeiten zu dürfen. So konnte er Morice besuchen: „Ich war acht Stunden pro Tag aufgeräumt, und sie wurde nicht aus ihrem Alltag herausgerissen.“ Und den wollte er ganz bewusst kennenlernen: Wo Morice wohnt, wo sie gerne spazieren geht, wer ihre Nachbarn und Arbeitskollegen sind, welche Wanderwege sie am liebsten hat. Im Februar besuchte Morice dann ihren Partner in Sachsenheim. „Da hat sie meine Welt gesehen“, sagt Bestenlehner. Morice ging mit zur Posaunenchorprobe, hier kannte man sich durch den Gemeindeaustausch ja bereits. Das Paar ging wandern in Ochsenbach, besuchte das Kloster Maulbronn, verbrachte Zeit am Horrheimer See. Da Bestenlehner für Stuttgart 21 arbeitet, konnte er Morice auch eine Tiefbauführung dort geben.
Im April hat Bestenlehner noch mal von Frankreich aus gearbeitet, und im Mai ist Morice dann aus Frankreich nach Sachsenheim gezogen, in Bestenlehners Haus. Die Adresse musste umgemeldet und Versicherungen mussten abgeschlossen werden. Bei der Arbeitsagentur musste Morice sich arbeitssuchend melden. Heimweh hatte sie nicht: „Ich war froh, in Deutschland zu sein. Hier sind die Leute ehrlicher, und sie haben Geduld mit meiner Sprache“, sagt Morice. Über die Stadt Sachsenheim hat sie mittlerweile Arbeit in einem Kindergarten gefunden, in dem sie Erzieherin ist. In Frankreich war sie Kunsthistorikerin und hat in mehreren Schlössern gearbeitet. Morice hat auch angefangen, Trompete im Chor zu spielen. Das Paar macht viele Ausflüge, ist schon zu Fuß nach Vaihingen, Markgröningen und Bietigheim-Bissingen gelaufen. Auf der Schwäbischen Alb und im Schwarzwald waren sie schon zum Wandern, und haben sich außerdem München, Freiburg und den Feldberg angesehen. Peu à peu wurde Morice den Freunden vorgestellt; ihre Eltern waren auch zu Besuch in Deutschland. Nach ihrer Verlobung am 11. Oktober haben beide eine Verlobungsfeier als Gelegenheit gesehen, Freunde und Familie einzuladen, um alle bekannt miteinander zu machen. „Es war ein harmonisches Fest“, sagt Bestenlehner. Sie haben typisch deutsches und französisches Essen angeboten, es gab Kartoffelsalat, Brezeln und Bier, aber auch elsässischen Käse und französischen Wein.
„Einen richtigen Kulturschock hatten wir nicht“, sagt das Paar. Beim Essen stellten beide Unterschiede fest: So esse man in Frankreich eher später und warm zu Abend, und auch spät gerne noch einen Nachtisch, während es in Deutschland im Vergleich dazu früher das Abendbrot gibt. „Um 21.30 Uhr noch ein Vanilleeis mit Kastaniencreme war ungewohnt für mich“, erzählt Bestenlehner. Und Morice sagt, in Frankreich esse man mehr Gemüse mit Olivenöl.

Nicht nur Clémentine Morice trägt ihren Verlobungsring, auch Fabian Bestenlehner trägt ein goldenes Armband als Zeichen der Verlobung.
Martin KalbBürgermeister Holger Albrich, mit dem Morice per Du ist, war ebenfalls zur Verlobungsfeier eingeladen. Von Morice wurde er gebeten, die standesamtliche Trauung zu übernehmen. Sie ist für den 11. Juni geplant, am 7. August soll die kirchliche Trauung folgen - in den Sommerferien, damit möglichst viel Familie, auch mit Kindern, kommen kann. Welcher Pfarrer es wird, ist noch nicht ganz klar, aber Bestenlehner macht sich deshalb keine Sorgen: „Man kann da auch mal Gott vertrauen“, findet er. Zu früh finden sie die Hochzeit nicht: „Es war ein intensives Jahr, in dem viel passiert ist. Und es hat sich immer gut angefühlt“, sagt Bestenlehner. Sie hätten sich noch nie gestritten und haben mittlerweile sogar oft unabhängig voneinander den gleichen Gedanken, sodass sie gegenseitig ihre Sätze vollenden können. „Das habe ich noch nie so erlebt“, sagt Bestenlehner. Sie seien auch beide Kind geblieben: „Ich ärgere gerne“, erzählt Bestenlehner, zum Beispiel, indem er das Licht im Bad ausknipst, während Morice darin ist. „Dann bekomme ich aber auch die Retourkutsche“, sagt er lachend. Gleichzeitig habe jeder auch Dinge für sich allein - Morice macht Yoga und Pilates, Bestenlehner hat eine Modelleisenbahn.
Welche Pläne hat das Paar?
Dann unternehmen sie aber auch gerne etwas zusammen. Schauen sich Städte an, gehen wandern oder besuchen Konzerte. Vor Morice habe Bestenlehner seine Freizeit eher mit Fußball und Biertrinken verbracht, sagt er. Jetzt freut er sich, seine baldige Frau ausführen zu können, sich schick zu machen und dabei mit ihr Händchen zu halten.
Und in Zukunft? „Das Haus ist teilweise noch im Dornröschenschlaf. Wir wollen den Garten und das Haus jetzt noch schöner machen.“ Und Morice sagt: „Vielleicht ein Kind.“ Aber die beiden 42-Jährigen gehen das realistisch an: „Wenn es klappt, ist es schön. Und ansonsten genießt man trotzdem das Leben“, so Bestenlehner. Erst mal geht es aber nach Korsika – zur Hochzeitsreise.
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