Markgröningen: Größte Batterie Deutschlands geplant

Ungefähr wie einen Containerpark (hier in Nordrhein-Westfalen) kann man sich den Batteriespeicher vorstellen, der in Markgröningen entstehen soll.
Imago//Hans BlosseyBeim Kraftwerk in Marbach baut die EnBW aktuell einen der größten Batteriespeicher Süddeutschlands. Die Kapazität: satte 100 Megawattstunden. Damit könnte rechnerisch der Tages-Strombedarf einer Kleinstadt gedeckt werden. Bis Ende des Jahres solle die Anlage in Betrieb gehen, verkündet EnBW-Pressesprecherin Stefanie Klumpp. Derweil wird nur rund 25 Kilometer entfernt ein Projekt vorbereitet, gegen das sich das Vorhaben der EnBW fast schon bescheiden ausnimmt. Ein Unternehmen möchte beim Umspannwerk Pulverdingen in Markgröningen ein Speicherkraftwerk mit einer Leistung von sage und schreibe einem Gigawatt errichten lassen. Eine Menge, mit der theoretisch rund 100.000 Drei-Personen-Haushalte für einen Tag mit Strom beliefert werden könnten.
Grünes Licht im Ausschuss
Der Bauantrag wurde im Planungsausschuss des Verbands Region Stuttgart (VRS) behandelt. Das Gremium winkte das Projekt mit großer Mehrheit durch, lediglich aus den Reihen der FDP gab es zwei und von der AfD drei Gegenstimmen. „Die FDP hat die Auslegung des Regierungspräsidiums, dass es sich um ein privilegiertes Vorhaben handelt, angezweifelt, die AfD hat auf die Ackerböden verwiesen“, berichtet VRS-Pressesprecher Thomas Graf-Miedaner.
Der Gemeinderat der Stadt Markgröningen habe ebenfalls schon längst seinen Segen erteilt, sagt der Bürgermeister Jens Hübner. Er persönlich sei sofort Feuer und Flamme für das Projekt gewesen, berichtet Hübner. Das Gremium stehe ebenso nahezu uneingeschränkt hinter den Plänen. Lediglich ein Rat hat sich bei der Abstimmung enthalten.
Aber das auch nur, weil bei dem Bürgervertreter als BUND-Mitglied zwei Herzen in einer Brust geschlagen hätten, wie Hübner erläutert. Auf der einen Seite habe der sich enthaltende Rat die Notwendigkeit zur Energiewende mit dem damit einhergehenden Platzbedarf erkannt, auf der anderen Seite den Natur- und Artenschutz gesehen, der unter dem Flächenverbrauch leide.
Laut Vorlage des VRS spielt sich das Ganze auf einer Fläche von alles in allem etwa 30 Hektar ab. Rund die Hälfte davon würden demnach der Batteriespeicher samt Transformatoren sowie die für den Netzanschluss benötigten Anlagen des Netzbetreibers TransnetBW in Anspruch nehmen. Darüber hinaus sollen flankierend insgesamt sechs Freiflächen-PV-Anlagen installiert werden. Die Batterie als Herzstück kann man sich optisch wie einen Park mit ganz vielen Schiffscontainern vorstellen. Jedes Element sei etwa 20 Quadratmeter groß, sagt Jens Hübner. „Und bei dem Vorhaben sprechen wir von mehreren Hundert Containern, die da aufgestellt werden“, veranschaulicht er die Dimension.
Projekt dient Netzstabilität
Das Projekt diene der Netzstabilität. In der Mega-Batterie wird überschüssiger Strom gespeichert, der bei Bedarf ausgespeist werden kann. Die zusätzlich angedachten Solarmodule drumherum erzeugen Strom, mit dem die Speicher im Sommer gekühlt wird. „Der Strom der Freiflächen-PV-Anlagen geht nicht ins Netz“, betont der Markgröninger Bürgermeister.
Der Rathauschef streicht hervor, dass man mit dem Konzept in dieser Größenordnung Neuland betreten wird. „Mein Kenntnisstand ist, dass es in Deutschland bislang kein Speichervorhaben gibt, das so groß ist“, sagt Hübner. Dem Vernehmen nach würde man bei einer Umsetzung von der Kapazität her sogar europaweit im Spitzenfeld mitmischen. Bei dem Unternehmen, das hinter den Plänen steckt, möchte man sich allerdings „derzeit öffentlich noch nicht zu dem Projekt äußern“, wie eine Pressesprecherin sagt. Hinter den Kulissen glühen offenbar die Drähte dafür umso heißer. Jens Hübner stellt klar, dass derartige Anlagen nur in der Nähe zu Umspannwerken realisiert werden könnten.
Und jenes auf eigener Gemarkung werde in den nächsten Jahren von TransnetBW zu dem seines Wissens größten Umspannwerk in Baden-Württemberg ausgebaut. Eine Konstellation, die offenbar mehrere Interessenten aus der Speicher-Branche hellhörig machte. „Wir hatten viele Anfragen von Projektierern bekommen, die sich mit dem Thema befasst haben“, berichtet Jens Hübner. Es sei auch möglich, dass es rund um das hiesige Werk nicht bei der einen Mega-Batterie bleibe. Konkret sei sogar schon eine weitere Bauvoranfrage eingereicht worden.
Hübner: ein „Glücksfall“
Der Bau des Ein-Gigawatt-Speichers soll nicht direkt im Umspannwerk Pulverdingen stattfinden, sondern rund 300 Meter nördlich in der Nähe der kleinen Siedlung Aichholzhof. Mit dem verantwortlichen Unternehmen seien vor etwa einem Jahr die ersten Gespräche geführt worden. „Von der Planungsdauer ist das ein brutaler Kraftakt, dass man das so schnell hinbekommen hat“, betont der Bürgermeister.
Hübner bezeichnet es als „Glücksfall“, dass ein derartiges Vorhaben in Markgröningen angedacht ist. Es passt für ihn zur Strategie, die erneuerbaren Energien in der Kommune auszubauen. Davon abgesehen könnte der Betrieb der Anlage aber auch tüchtig aufs Konto der Stadt einzahlen. „Wir rechnen auf jeden Fall damit, dass wir ordentlich Gewerbesteuer daraus bekommen werden“, sagt Hübner. Ein Batterie-Großspeicher müsse zu 90 Prozent dort besteuert werden, wo er stehe, unabhängig davon, ob dort direkt jemand arbeite und wo die Verwaltungsarbeit erledigt werde.