Landtagswahl 2026
: Lukas Tietze holt das Direktmandat

Die CDU siegt bei den Erststimmen, die Grünen liegen hingegen bei der Zweitstimme vorne.
Von
Yannik Schuster
Ludwigsburg
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Lukas Tietze (vorne links) gewinnt das Direktmandat im Wahlkreis 12. Getrübt wird die Freude durch die Niederlage der CDU.

/Martin Kalb

Nach zehn Jahren haben die Grünen ihr Direktmandat im Wahlkreis 12 verloren. Lukas Tietze (CDU) konnte 28.105 Stimmen (32,8 Prozent) auf sich vereinen und zieht damit direkt in den Landtag ein. Erfolgreicher verlief der Abend aus grüner Sicht mit Blick auf die Zweitstimmen. Hier holte die Partei von Spitzenkandidat Cem Özdemir 33,9 Prozent, die CDU landete mit 27,7 Prozent dahinter. Die AfD kommt auf 16,4 Prozent, die SPD landet bei 5,6 Prozent. Die FDP hat auch im Wahlkreis 12 mit 4,7 Prozent die Fünf-Prozent-Hürde verfehlt, die Linke liegt mit 5,2 Prozent über dem Landesschnitt.

Grüne: Thema LEA nicht förderlich

„Für meine Partei ist das Ergebnis sehr schön“, sagt Silke Gericke (Grüne), die erneut als Direktkandidatin im Wahlkreis 14 angetreten war. Ihr Direktmandat hat sie allerdings nicht verteidigen können, das geht nun an CDU-Mitbewerber Lukas Tietze. Nach 34,6 Prozent im Jahr 2021 standen nun 29,3 Prozent zu Buche. „Ich gönne es dem Kollegen“, sagte Gericke noch am Wahlabend. Die anhaltende Debatte um eine LEA oder EA im Wahlkreis sei nicht förderlich gewesen, sagte Gericke in der Analyse. „Es ist schade, wenn man als Grüne darauf reduziert wird, dass man für Migration ist.“ Deutlich zeigt sich das am Ergebnis in Tamm. Während die Grünen in der Zweitstimme nur knapp hinter der CDU landeten, war Gericke hier chancenlos. Mit 22,2 Prozent unterlag sie Lukas Tietze (42,5 Prozent) hier besonders deutlich. Einzig in ihrer Heimatstadt Ludwigsburg lag Gericke bei der Erststimme ganz vorne. Über die Landesliste zieht Gericke dennoch erneut in den Landtag ein.

CDU: Erfolg in Tamm

Zum ersten Mal zieht Lukas Tietze in das Landesparlament ein. Mit 32,8 Prozent konnte der Tammer Stadtrat das Direktmandat für die CDU gewinnen. In seiner Heimatstadt holte der 27-Jährige auch sein bestes Ergebnis im Wahlkreis. Nach Klaus Hermann, der seit den 1990ern bis 2016 im Landtag saß, hat der Wahlkreis damit wieder einen Vertreter der Christdemokraten. „Es freut mich außerordentlich, dass ich das Vertrauen der Wähler bekommen habe“, sagte der gut gelaunte Direktkandidat am Abend. „Einen unfassbar spannenden Wahlabend“ habe er erlebt. „Sicher hätten wir uns die 18-Uhr-Prognose anders gewünscht“, dennoch sei das Ergebnis der CDU ein Arbeitsnachweis für Spitzenkandidat Manuel Hagel und Generalsekretär Tobias Vogt gewesen. Nun gelte es, sich nach einem kräftezehrenden Wahlkampf wieder auf Augenhöhe zu begegnen. „Die Wähler haben uns einen Auftrag mitgegeben, gute Politik fürs Land zu machen und dabei möchte ich gerne mitwirken“, sagte Tietze.

AfD: Unter dem Landesschnitt

Christoforos Tsoulopoulo s, der als Direktkandidat für die AfD angetreten war, kommt auf 16,4 Prozent der Erststimmen. Sein bestes Ergebnis konnte er in Möglingen mit 19,3 Prozent verzeichnen. In Ludwigsburg hingegen wählten ihn nur 14,8 Prozent. Über die Landesliste der Partei zieht der 67 Jahre alte Architekt nun in den Landtag ein. Am Wahlabend war Tsoulopoulos nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

SPD: „Ergebnis sehr bitter“

„Für die SPD ist das Ergebnis natürlich sehr bitter“, stellte Nathalie Ziwey am Wahlabend fest. Auch im Wahlkreis 12 landeten die Sozialdemokraten mit 5,6 Prozent nur knapp über dem Landesschnitt. Nun müsse sich die Partei für die Zukunft neu aufstellen. Dabei dürfe man allerdings nicht in das typische Personalkarussell verfallen, so Ziwey. Anders als Spitzenkandidat Andreas Stoch sah Ziwey den Zweikampf zwischen Cem Özdemir und Manuel Hagel, der sich zum Ende des Wahlkampfes hin zugespitzt hatte, nicht als Hauptursache für das schlechte Abschneiden der SPD. Innerhalb der Partei gebe es „strukturelle Probleme“, die es aufzuarbeiten gelte. Ein kleiner Trost war für die 29-Jährige Ludwigsburgerin ihr persönliches Ergebnis im Wahlkreis. An Erststimmen konnte sie 7,5 Prozent verbuchen. Am stärksten schnitt Ziwey in Kornwestheim ab (8,5 Prozent).

FDP: „Große Enttäuschung“

Von einer „großen Enttäuschung“ spricht auch der Kandidat der FDP, Wolfgang Vogt. Die Liberalen mussten auch im Wahlkreis 14 deutlich Federn lassen und landeten nunmehr bei 4,7 Prozent. „Uns ist es nicht gelungen, unsere Themen hinreichend an die Bevölkerung heranzutragen“, sagte Vogt, der auch FDP-Kreisvorsitzender ist. Auch bei der Erststimme musste die FDP herbe Verluste hinnehmen: Nachdem Stefanie Keller 2021 noch 11,1 Prozent der Stimmen für sich verbuchen konnte, holte Vogt nun 4,8 Prozent. Bereits vorab hatte man allerdings laut Vogt den Fokus auf die Zweitstimme gelegt. Am Ende habe der Zweikampf zwischen den Grünen und der CDU wohl den Unterschied zwischen 6,0 und 4,5 Prozent gemacht, so Vogt. Er richtete seinen Blick indes nach vorne: auf die Kommunalwahl in drei Jahren. Über Graswurzelpolitik wolle man die FDP wieder stark machen, erklärte Vogt.

Linke: „Kein schlechter Wahlkampf“

Ein emotionaler Abend war es auch für die Kandidatin der Linken, Nadja Schmidt: „Bei der ersten Hochrechnung kamen mir kurz die Tränen.“ Aus ihrer Sicht habe man Pech gehabt, aufgerieben zu werden zwischen den Grünen und der CDU. „Es lag nicht am schlechten Wahlkampf“, ist sie überzeugt. Nachdem sie 2021 4,2 Prozent der Erststimmen auf sich vereinen konnte, hat Nadja Schmidt dieses Ergebnis deutlich gesteigert und kommt auf 6,5 Prozent. Besonders gut schnitt sie mit 7,7 Prozent in Ludwigsburg ab. Man gehe gestärkt aus dem Wahlkampf, gibt sich die 46-Jährige optimistisch. Die Mitglieder, die seit der Bundestagswahl in die Partei eingetreten waren, habe man gut eingebunden, nun sei sie froh, wieder Realpolitik machen zu können.

Im Wahlkreis 12 sind von 122.197 Wahlberechtigten 86.245 Wählen gegangen, was einer Wahlbeteiligung von 70,0 Prozent entspricht.