Kreis Ludwigsburg: Was ist das richtige Wahlalter?

Die Ampel wollte das Wahlalter bis zur Bundestagswahl eigentlich auf 16 Jahre senken, hatte aber die Zweidrittelmehrheit nicht zustande gebracht.
Sebastian Gollnow/Picture Alliance/dpaBei der vergangenen Europa- und Kommunalwahl durften auch 16- und 17-Jährige ihre Stimmen abgeben. Bei der Bundestagswahl am 23. Februar sind diese Altersgruppen vom Wählen weiterhin ausgeschlossen. Was sagen 16-, 17- und 18-Jährige dazu? Die BZ hat sich am Alfred-Amann-Gymnasium in Bönnigheim umgehört.
Felix Keßler ist 17 Jahre alt. Ein Wahlalter ab 16 Jahre hält er für angemessen. Wer aufgrund des Strafrechts von rechtlichen Auswirkungen betroffen ist, sollte das Recht durch seine Wahl auch beeinflussen können, findet er. Auch wenn er es bedauert, dass er bei der Bundestagswahl seine Stimme nicht abgeben darf, hält er „eine Trotzhaltung für unangebracht“. Deshalb auch künftig nicht wählen zu gehen, kommt für ihn nicht infrage.
Wahlalter ab 20 Jahre
Manuel Ulreich ist 16 Jahre alt. Er habe sich an der Bürgermeisterwahl beteiligen dürfen. Einem Wahlalter ab 16 steht er skeptisch gegenüber. Selbst mit 18 Jahren sei man noch nicht wirklich reif dazu, findet er. Erst mit 20 oder 21 Jahren würde man im Beruf stehen und die politischen Auswirkungen von Wahlen besser einordnen können.
„Das Wahlalter sollte definitiv höher angesetzt werden“, findet auch der 18-jährige Muhammed Kara. Auch er hält 20 Jahre für ein angemessenes Alter für Wähler, weil sich jüngere Menschen vor Wahlen kaum informieren würden. Durch Propaganda oder Fake News, die durch Social Media wie Instagram oder Tiktok verbreitet werden, könnten „sie schnell auf den falschen Weg kommen“, befürchtet er.
Der 18-jährige Jonathan Spitz ist froh darüber, bei der Bundestagswahl auch wählen zu können. Schon bei der vergangenen Kommunalwahl habe er sich im Vorfeld darüber informiert, welche Inhalte die Wählervereinigungen vertreten würden. Den Stimmzettel in der Wahlkabine auszufüllen, „hat sogar ein bisschen Spaß gemacht“, sagt er. Auch auf die Bundestagswahl hat er sich vorbereitet und die Fragen im Wahlomat beantwortet. Er ist dafür, dass künftig 16-Jährige auch den Bundestag wählen dürfen: „Ob Kommunalwahl oder Bundestag macht keinen Unterschied“, findet er.
Da Ältere aufgrund des Wahlalters einen höheren Einfluss haben, werde auf Bundesebene vor allem Politik für Ältere gemacht, kritisiert Keßler. Das sei eine massive Einschränkung.
Da manch langfristige politische Entscheidung Ältere nicht mehr betreffen würde, könnte man auch über eine Höchstgrenze beim Wahlalter nachdenken, finden Spitz, Keßler und Ulreich. Sie sind überzeugt: Das Wahlergebnis würde am Sonntag dann auch anders ausfallen.
Umfragen geben ihnen Recht: Bei der nicht repräsentativen „U18-Wahl“ haben junge Menschen unter 18 Jahren gewählt. Insgesamt wurden deutschlandweit vom 7. bis 14. Februar 166.443 Stimmen in 1812 selbstorganisierten Wahllokalen abgegeben. Dabei hat die Partei Die Linke mit 20,8 Prozent des Gesamtergebnisses die meisten Stimmen junger Menschen erhalten. Danach folgen die SPD mit 17,9 Prozent, die CDU mit 15,7 Prozent, die AfD mit 15,5 Prozent und Bündnis 90/Die Grünen mit 12,5 Prozent. Die Tierschutzpartei erhielt 3,8 Prozent, die FDP 3,4 Prozent und das BSW 3,4 Prozent. 7 Prozent entfallen zudem auf weitere Parteien.
Dem steht das Ergebnis der Sonntagsumfrage etwa des Meinungsforschungsinstituts Allensbach entgegen, die in ihrer Prognose vom 13. Februar die CDU mit 32 Prozent vor der AfD (20 Prozent) sahen, gefolgt von SPD (15 Prozent), Grüne (13 Prozent), Die Linke (6 Prozent), FDP (5 Prozent) und BSW (4 Prozent), Sonstige (5 Prozent).
Verpflichtender Fragebogen
Muhammed Kara findet die Erfahrungen von Älteren hingegen wichtig. Mit Blick auf die Jüngeren befürchtet er, dass das zukunftsorientierte Denken erst spät einsetze, wenn man berufstätig werde.
Keßler bemängelt, dass kaum jemand die Wahlprogramme von Parteien lesen würde. Nur so sei zu erklären, dass manche Menschen sich für Parteien entscheiden würden, die ihren eigenen Interessen eigentlich widersprechen würden. Daher schlägt er einen Mechanismus vor, der einen dazu zwinge, sich im Vorfeld einer Wahl zu informieren – etwa durch einen verpflichtenden Fragebogen für alle Wählerinnen und Wähler.