Kreis Ludwigsburg
: Unternehmen sehendringenden Handlungsbedarf

Rückgänge beim Export und schlechte Bedingungen: Die Unternehmen fordern rasche Maßnahmen und ein umfassendes Gesamtkonzept.
Von
unserer Redaktion
Ludwigsburg
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Der Fachkräftemangel ist im Kreis eines der Probleme, das die Unternehmen belastet.

Wolfilser/Imago

Mit einem rückläufigem Umsatz- und Auftragseingang beendete die erfolgsverwöhnte Trumpf-Gruppe aus Ditzingen vor Kurzem das Geschäftsjahr 2023/24. Während im Heimatmarkt Deutschland der Umsatz stieg, schrumpfte er weltweit. „Insgesamt ist die Weltkonjunktur seit letztem Jahr angespannt, was sich im seit Monaten rückläufigen Auftragseingang von Trumpf bemerkbar macht“, sagt Unternehmenssprecher Dr. Andreas Möller. Dieser Rückgang betreffe alle Märkte gleichermaßen, also auch China oder die USA, wo Kunden Neuinvestitionen zurückstellten.

„Kritische Rückmeldungen“

Rückgänge beim Export sind indes nicht die einzigen Probleme, welche der Wirtschaft in Deutschland wie auch in der Region derzeit zu schaffen machen. Nicht verlässlich, nicht wachstumsorientiert, nicht effizient genug: Jedes zweite Unternehmen nennt laut Industrie- und Handelskammer (IHK) die schlechten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen als einen der vier Hauptgründe für die derzeitige schlechte wirtschaftliche Lage. „Aus Sicht der Unternehmen besteht weiterhin dringender Handlungsbedarf für bessere Rahmenbedingungen“, sagt der stellvertretende Geschäftsführer der IHK-Bezirkskammer Ludwigsburg, Reiner Boucsein auf BZ-Anfrage. Die Industrie-Rückmeldungen an die IHK zur Geschäftslage waren im Frühsommer 2024 mit 10,5 Prozent „gut“ und 20,2 Prozent „schlecht“ die per Saldo schwächsten seit dem Corona-Frühsommer 2020 (damals 11,9 Prozent gut, 53 Prozent schlecht) und dem Corona-Herbst 2020 (19,6 Prozent gut, 34,1 Prozent schlecht).

Beim Auftragseingang gebe jeder zweite Industriebetrieb die kritische Rückmeldung „Tendenz derzeit fallend“ , sagt Boucsein. Auch sei die Kapazitätsauslastung mit durchschnittlich 78 Prozent unbefriedigend. Dies schlage sich auch auf die geplanten Investitionen nieder: 38 Prozent der Industriebetriebe hätten im Frühsommer abnehmende Inlandsinvestitionen gemeldet, nur 21 Prozent zunehmende.

Laut Statistischem Landesamt verzeichnet der Produktionsindex im Juni im Land mit 9,5 Prozent ein leichtes Plus im Vergleich zum Mai, im Vergleich zum Juni 2023 aber ein Minus von -7,1 Prozent. Eine ähnliche Entwicklung zeigt der Produktionsindex von Juni im Land mit 7,2 Prozent im Vergleich zum Mai 2024, -8,8 Prozent im Vergleich zum Juni 2023. Laut Boucsein lassen die Zahlen hoffen, dass der Boden bei Produktion und Auftragslage nun erreicht sei. Im Kreis wirke sich vor allem die verwobene Wertschöpfungskette aus. Wenn zum Beispiel ein Metallverarbeitender Betrieb weniger produziere, gebe er weniger Aufträge an den Großhandel. In der Folge würden etwa auch Aufträge an Dienstleister wie Ingenieurbüros ausbleiben.

Der Strukturbericht 2023 habe hier bereits Handlungsempfehlungen gegeben – im Hinblick auf den Fachkräftemangel zum Beispiel die Schaffung flexibler Anreize, damit Menschen länger arbeiten, und ein verbessertes Angebot zur Kinderbetreuung, um Mütter stärker auf den Arbeitsmarkt zu integrieren. „Es gibt einige Stellschrauben zur Fachkräftesicherung“, sagt Boucsein. Um Bürokratie nachhaltig abzubauen, könnte man ein Konzept zum Verzicht von Bürokratie entwickeln, schlägt er vor.

Die im Juli beschlossene Wachstumsinitiative der Bundesregierung enthält 49 Maßnahmen. Damit sollen Arbeitsanreize geschaffen werden, Finanzierungsbedingungen verbessert und die Energiekosten begrenzt werden. „Wenn die Maßnahmen schnell umgesetzt und noch erweitert werden, etwa bei der wichtigen Verkehrsinfrastruktur, kommen wir etwas voran“, sagt Boucsein: „Aber das Ankommen in der Unternehmenspraxis ist das Problem.“

Anhaltend schwache Nachfrage

Von den Unternehmen komme immer wieder die Rückmeldung, dass es seitens der Politik zwar nicht an Absichtserklärungen oder Vorschlägen mangelt, aber an der Umsetzung. „Es bräuchte ein Gesamtkonzept für nachhaltiges Wachstum in bewegten Zeiten, das hören wir immer wieder von den Unternehmen“, so Boucsein. Ein Konzept, das betriebliche Investitionen und auch den privaten Konsum wieder ankurbele.

Bei Trumpf rechnet man damit, dass die anhaltend schwache Nachfrage auch die kommenden Monate des laufenden Geschäftsjahrs prägen wird. Der Maschinenbauer und Laserspezialist will der Konjunkturkrise laut Mitteilung aber wie gewohnt „mit klaren Maßnahmen zur Ergebnisverbesserung“ begegnen. Immerhin: Die Zahl der gruppenweit Beschäftigten sei von 18.352 im Geschäftsjahr 2022/23 auf rund 18.550 im Geschäftsjahr 2023/24 gestiegen.