Kreis Ludwigsburg
: Immer weniger Bäcker-Azubis

Die Gewerkschaft NGG sieht höhere Löhne und das 49-Euro-Ticket als Weg, mehr Lehrlinge in die Backstuben zu bekommen. Bäcker im Kreis sehen ein tieferliegendes Problem, zahlen teilweise schon mehr und gehen besondere Wege um den Nachwuchs sicherzustellen.
Von
Frank Ruppert
Ludwigsburg
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In seiner Sachsenheimer Backstube erklärt Frank Clement (Mitte) den beiden Auszubildenden Amine Bouchentouf und Sarah Böhringer wie Puddingschnecken geformt werden.

/Martin Kalb

Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten warnt vor einem „Azubi-Vakuum“ bei Bäckereien im Landkreis Ludwigsburg. Wie Hartmut Zacher, Geschäftsführer der NGG Region Stuttgart erklärt, sei die Zahl der Bäckerei-Azubis rapide gesunken. Im Herbst 2013 hätten Bäckereien im Kreis noch 192 Azubis in Herstellung und Verkauf gehabt, aktuell seien es in den 64 Bäckereien des Kreises nur noch 107. 

„Die Bäckereien müssen ihre Ausbildung attraktiver machen – am Backofen genauso wie am Verkaufstresen. Und das geht vor allem auch übers Geld“, sagt Zacher. Er fordert die Anhebung der Ausbildungsvergütung auf 850 Euro im ersten und auf 1075 Euro pro Monat im dritten Ausbildungsjahr. In einem zweiten Schritt müssten Bäckerei-Azubis dann 950 Euro bekommen, wenn sie ihre Ausbildung anfangen. Im letzten Ausbildungsjahr will die NGG schließlich 1100 Euro pro Monat für den Bäckerei-Nachwuchs erreichen.

Zusätzlich fordert die NGG ein „Ausbildungsticket“ von 49 Euro, um die Azubis mobil zu machen. Diese zentrale Forderungen sieht der Gewerkschaftsvertreter in Gefahr, weil die Verhandlungen mit dem Zentralverband des Bäckerhandwerks vorerst gescheitert seien. Die Forderungen seien aber wichtig, andernfalls „würde ich für 2030 keine Wette mehr abschließen auf das Sortiment und die Fülle an frischen Sonntagsbrötchen“, so Zacher.

Für Steffen Mahl, Geschäftsführer der Bietigheimer Bäckerei Stöckle, entbehrt es nicht einer gewissen Komik, dass Zacher Sonntagsbrötchen anspricht, wo die doch von Azubis gar nicht hergestellt werden. Stöckle hat ohnehin keinen Sonntagsverkauf. Mahl ist dabei gar nicht gegen eine bessere Bezahlung der Azubis. „Da sind die Bäckereien dran und das wird auch immer wieder angehoben“, sagt Mahl. Alleine durch mehr Geld werde sich das Problem der fehlenden Azubis aber nicht lösen lassen. Auch wenn er seine Stellen besetzt kriege, dürfe man heute nicht mehr wählerisch sein, bei den Lehrlingen.

Geringe Wertschätzung

Mahl sieht die Bäckereien aber nicht allein mit dem „Nachwuchsproblem“. Das gehe vielen Handwerksbetrieben so und es liege auch an der immer noch zu geringen Wertschätzung für eine Ausbildung im Handwerk. Frank Clement, der die gleichnamige Bäckerei aus Sachsenheim betreibt, hat sich sehr über den Vorschlag der NGG geärgert. Er zahle schon mehr als Tariflohn und biete außerdem, wie auch Stöckle, diverse Zuschüsse darüber hinaus für die Auszubildenden an. Dennoch tue er sich schwer vor allem für die Backstube Azubis zu finden. „Wir haben eine Kooperation mit dem Asylkreis“, sagt Clement. Über diese gelinge es auch Bäckernachwuchs zu bekommen, sodass vor allem Geflüchtete in der Backstube arbeiteten.

Für Clement ist das Problem sehr viel tieferliegend als bei den bloßen Rahmenbedingungen für die Ausbildung verortet. „Wer Bock auf den Beruf hat, für den kommt es auf ein paar Euro mehr oder weniger nicht an“, sagt er. Natürlich müsse die Bezahlung passen. Clement sieht ähnlich wie Mahl die gesellschaftliche Erwartungshaltung als ein Problem. Oft würden Eltern ihren Kindern von einer Ausbildung abraten und diese lieber länger zur Schule schicken. Für Clement ist klar, dass sich die Situation auch mit dem Wegfall der Grundschulempfehlung verschlimmert habe.

Ausbildung für Ältere

Bei der Bäckerei Trölsch mit Sitz in Korntal-Münchingen, hat man vor allem Probleme, Lehrlinge für den Verkauf zu finden. Dafür hat der Betrieb eine Lösung gefunden. Im Rahmen eines speziellen Programms können zum Beispiel ungelernte Mitarbeiter eine 18-monatige Ausbildung bei vollem Gesellengehalt absolvieren. Damit habe man gute Erfahrungen gemacht, sagt Fabian Trölsch. Man hoffe dies auch für Bäcker einführen zu können, derzeit gehe es aber noch nicht.

Zum 49-Euro-Ticket-Vorschlag der NGG erklärt Fabian Trölsch, dass man ohnehin schon einen Zuschuss gebe, aber dass zu Zeiten des Arbeitsbeginns für die Azubis oft keine öffentliche Anbindung vorhanden sei. Deshalb helfe der Vorschlag den Jugendlichen nur wenig. Ein Ticket ohne Bus oder Bahn bringe eben nichts.