Kreis Ludwigsburg: Für Tempolimit, gegen City-Maut

Alltägliches Bild: Die Blechlawine rollt auf der B 27 durch Bietigheim-Bissingen
/Martin KalbDie BZ-Fragen zum Mobilitätskompass haben im Kreis Ludwigsburg 311 Teilnehmer beantwortet – darunter 98 Frauen und 212 Männer. Die meisten von ihnen waren zwischen 40 und 69 Jahre alt (67 Prozent). Wie sie die Mobilität im Kreis einschätzten, zeigt die folgende Auswertung, die zwar nicht repräsentativ ist, aber einen Trend erkennen lässt.
Mit einem Durchschnitt von 3,18 haben die Befragten das Angebot im Nahverkehr bewertet. Besonders gut schnitten dabei folgende Aspekte ab: Dass die Wohngegend gut oder sehr gut mit Bus und Bahn erreichbar sei, sagten 48 Prozent (146). In Bus und Bahn sicher fühlten sich 46 Prozent (134). Dass Bus und Bahn zu günstigen Zeiten fahren, fanden 44 Prozent (129). Besonders schlecht bewerteten 59 Prozent (126) die Fahrradmitnahme. 56 Prozent (158) bemängelten die Unpünktlichkeit. Jeweils 49 Prozent (129) kritisierten, dass Bus und Bahn häufig ausfallen würden und sie bewerten die Mitnahme von Rollator, Rollstuhl und Kinderwagen als schwierig.
Viele der Befragten bewerteten die Infrastruktur für Autofahrer (75 Prozent, 160), Fußgänger (66 Prozent, 135) und Radfahrer im Kreis (39 Prozent, 78) als „gut oder sehr gut“. 47 Prozent bemängelten die hohe Verkehrsbelastung. 52 Prozent (106) fanden die Infrastruktur im ÖPNV als „eher schlecht oder schlecht“. 48 Prozent (137) der Teilnehmer schätzten das Parken im Kreis als günstig ein. Ebenfalls 48 Prozent (142) bemängelten viele Staus.
Nicht genügend Radwege
Radfreundliche Ampelschaltungen lobten 39 Prozent (54) der Befragten. 38 Prozent (60) fanden, dass es genügend Rad-Abstellmöglichkeiten gibt. 35 Prozent (56) lobten den guten Zustand der Radwege.
60 Prozent (61) der Teilnehmer kritisierten, dass die Radwege im Winter nicht rechtzeitig geräumt werden. 59 Prozent (98) der Befragten bemängelten, dass Autofahrer nicht genügend Abstand halten. Auch das Fehlen durchgängiger Radwege (57 Prozent, 90), zu schmale Radwege (56 Prozent, 92) und nicht genügend Radwege (51 Prozent, 84) führten die Befragten an.
64 Prozent (196) der Teilnehmer gaben an, dass sie sich als Fußgänger sicher fühlen. 46 Prozent (128) bewerteten die Fußwege als barrierefrei. 74 Prozent (173) schätzten die Parkplatzsituation vor Schulen und Kitas als „eher schlecht oder schlecht“ ein.
Bei den Tarifen im Nahverkehr bewerteten 53 Prozent (141) der Befragten den Online-Ticketkauf als einfach, 49 Prozent (135) beurteilten auch die Fahrpläne als verständlich. Jeweils 39 Prozent (110) fanden die Tarifstruktur „gut oder sehr gut“, genauso viele Befragte kritisierten diese jedoch als „eher schlecht oder schlecht“. 69 Prozent (202) fanden die Ticketpreise als sehr hoch. 62 Prozent (155) schätzten die Informationen über Fahrplanänderungen als nicht ausreichend ein.
Auf die Frage, welche Fortbewegungsarten für die Befragten fast täglich relevant sind, gaben 62 Prozent (194) der 296 Teilnehmer aus dem Landkreis Ludwigsburg an, mit dem eigenen Auto zu fahren. 26 Prozent (78) nutzen fast täglich das Rad oder E-Bike. 17 Prozent (54) gehen längere Strecken zu Fuß. Zwölf Prozent (36) fahren Bus und Bahn.
Von den 270 Teilnehmern, die ihr Auto täglich nutzen, fahren damit 81 Prozent (219) vor allem zum Einkaufen, 70 Prozent (188) für längere (Urlaubs-)Fahrten, 63 Prozent (171) für Freizeitaktivitäten und 57 Prozent (154) für den Weg zur Arbeit. Als Gründe für das Auto geben 45 der Befragten an: 44 Prozent (20) wenn berufliche oder private Termine es erfordern, 29 Prozent (13) wenn das Wetter schlecht ist und (7), wenn sie wenig Zeit haben.
Teure Anschaffung E-Auto
Nur elf Prozent (33) von 310 Teilnehmern nutzten der Umfrage zufolge ein E-Auto. 53 Prozent (126) würden sich bei einem Autokauf für einen Verbrenner entscheiden, 26 Prozent (63) für ein E-Auto und 21 Prozent (49) für einen Hybrid-Antrieb. Als Gründe gaben 69 Prozent (158) einen zu hohen Anschaffungspreis, die zu geringe Reichweite und das zu schlechte Ladenetz mit jeweils 62 Prozent (142) an.
Das 49-Euro-Ticket nutzten 35 Prozent (50) von 144 Teilnehmern, weil sie damit gegenüber bisherigen Tickets sparen. 62 Prozent (31), weil sie es deutschlandweit nutzen können und 42 Prozent (21) aus Gründen des Umweltschutzes.
„Voll zustimmen“ zu besseren Nahverkehrsangebote würden 59 Prozent (181) der 311 Teilnehmer. Ein Tempolimit begrüßten 44 Prozent (137). Gegen eine City-Maut („stimme überhaupt nicht zu“) für Autos haben sich 47 Prozent (144) ausgesprochen. 45 Prozent (139) der Befragten sprachen sich gegen flächendeckende beziehungsweise höhere Parkgebühren aus.