Kreis Ludwigsburg
: Dürr baut 500 Stellen bei BBS ab

Der Konzern hat einen Stellenabbau bei seiner Tochterfirma angekündigt. An den deutschen Standorten handelt es sich um 200 Stellen.
Von
bz
Freiberg
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200 Stellen sollen bei BBS Automation in Deutschland abgebaut werden – auch der Standort Freiberg wird betroffen sein.

/Oliver Bürkle

Dürr wird bei der Tochterfirma BBS Automation weltweit 500 Stellen abbauen, 200 davon an den vier Standorten in Deutschland, darunter Freiberg. Die zu Industrial Automation gehörende Business Unit BBS Automation verzeichnete laut Mitteilung des Dürr-Konzerns eine Ergebnisabschwächung – als Gründe werden Umsatzrückgänge, Auslastungsdefizite und Mehraufwendungen für eine vorsichtige Projektbewertung genannt. Der Stellenabbau soll 2026 und 2027 erfolgen. Betriebsbedingte Kündigungen sollen vermieden werden – ausgeschlossen seien sie aber nicht. Die Gespräche mit den Arbeitnehmervertretungen sollen in Kürze aufgenommen werden. Auch an den Standorten in China, Malaysia und den USA sind Maßnahmen geplant oder werden bereits umgesetzt.

„BBS Automation ist mit einem schwierigen Marktumfeld und einem nochmaligen Nachfragerückgang im laufenden Jahr konfrontiert“, sagte der Vorstandsvorsitzende der Dürr AG, Dr. Jochen Weyrauch laut Mitteilung. Dennoch sei die Konzernmarge wie geplant verbessert worden. Das unterstreiche die Ergebnisresilienz und die Effektivität der bisherigen Kostensenkungsmaßnahmen im Konzern. „Im nächsten Schritt werden wir die Effizienz auch bei BBS Automation nachhaltig steigern und die Voraussetzungen für profitables Wachstum in der Automatisierungstechnik schaffen“, sagte er.

Mit dem Effizienzprogramm Vector solle das Unternehmen, das in Garching sitzt und weltweit momentan noch rund 2300 Mitarbeiter beschäftigt, nach den Plänen des neuen Managements neu ausgerichtet werden. Das soll die Wettbewerbsfähigkeit und Ertragskraft stärken. Vector soll zu jährlichen Einsparungen von rund 30 Millionen Euro führen, die bereits 2027 größtenteils wirksam werden. BBS Automation erwirtschaftete 2025 rund 475 Millionen Euro Umsatz und zählt laut Dürr zu den führenden Automatisierungsanbietern für die Automobilproduktion. Der zweite Kernmarkt ist der Life-Science-Sektor.

Anpassung an die Branche

In den vergangenen Quartalen sei das Geschäft von BBS Automation von der fragilen Konjunktur und rückläufigen Bestellungen der Automobilindustrie geprägt worden. Die Branche investiere trotz der anziehenden Nachfrage nach Elektroautos vorerst noch zurückhaltend in neue Produktionssysteme, da die installierten Linien erst voll ausgelastet werden müssten.

Mit der Neuausrichtung wolle sich BBS Automation an diese Situation anpassen. „Angesichts des aktuell schwierigen Marktumfelds planen wir eine strukturelle Optimierung von BBS Automation, dafür ist auch eine Anpassung von Kapazitäten und Kosten erforderlich“, so Weyrauch. Gleichwohl bleibe die Automatisierungstechnik ein attraktiver Markt mit großem Wachstumspotenzial. Im E-Mobility-Geschäft würden die Investitionen infolge des steigenden Fahrzeugabsatzes wieder anziehen. Auch weitere Branchen benötigten angesichts steigender Kosten, hoher Qualitätsanforderungen und des Arbeitskräftemangels mehr Automatisierung. Künftig soll das Geschäft von BBS Automation in den Business Units „Mobility“ und „Life Science“ gebündelt werden.

Angesichts der aktuellen Marktlage und der Neuausrichtung verfolgt BBS Automation ein neues Umsatzziel von mehr als 600 Millionen Euro ab 2030. Zuvor waren es rund 800 Millionen Euro. Das Ziel für die EBIT-Marge vor Sondereffekten beträgt acht Prozent. Im Zuge der Neuausrichtung werde im Halbjahresabschluss zum 30. Juni eine Wertminderung von rund 90 bis 100 Millionen Euro auf den Geschäfts- oder Firmenwert von BBS Automation vorgenommen. Dürr plant für 2026 Restrukturierungsaufwendungen von 40 bis 50 Millionen Euro, die größtenteils in Zusammenhang mit den geplanten Maßnahmen bei BBS Automation stehen. Der Großteil davon soll auf das zweite Halbjahr entfallen, rund 8 Millionen Euro wurden bereits im zweiten Quartal gebucht.

Konzern kompensiert BBS

Nach den Ergebnissen im ersten Halbjahr 2026 bestätigt der Vorstand die Konzernprognose für das Gesamtjahr. Sie beinhaltet einen Auftragseingang von 3800 bis 4200 Millionen Euro, einen Umsatz von 3900 bis 4300 Millionen Euro, eine EBIT-Marge vor Sondereffekten von 5,0 bis 6,5 Prozent und einen Free Cashflow von minus 150 bis 0 Millionen Euro. Die schwächer als erwartete Entwicklung bei BBS Automation werde durch die anderen Geschäftseinheiten des Konzerns kompensiert.

Die Prognose für Industrial Automation wird laut Dürr angepasst. Die Division strebt nun einen Auftragseingang von 500 bis 600 Millionen Euro, einen Umsatz von 575 bis 625 Millionen Euro und eine EBIT-Marge vor Sondereffekten von minus einem bis einem Prozent an (zuvor: 600 bis 750 Millionen Euro, 625 bis 725 Millionen Euro, 5,0 bis 6,5 Prozent). Die Prognosen der Divisions Automotive und Woodworking bleibe unverändert. bz