Kreis Ludwigsburg: Digitaler Austausch statt Konkurrenz

Annette Straub, Geschäftsführerin der Sachsenheimer Firma Wanderer Wasser & Wärme GmbH nutzt die Arbeitsmarktdrehscheibe, um sich in der Region besser zu vernetzen.
/Martin KalbEin Puzzleteil um dem umfangreichen Thema „Fachkräftemangel“ zu begegnen, das ist das Projekt „Arbeitsmarktdrehscheibe“ (AMD), das das Bildungswerk der Baden-Württembergischen Wirtschaft und der Agentur für Arbeit Ludwigsburg ins Leben gerufen haben. Seit einem Jahr bietet die AMD eine digitale Plattform, auf der sich Unternehmen austauschen und vernetzen können.
„Es geht darum, dass sich Unternehmen, die Personal abgeben müssen, mit Unternehmen, die Personal suchen in einem geschützten Raum treffen und so den Mitarbeitern helfen, eine Anschlussbeschäftigung zu finden ohne dass diese in die Arbeitslosigkeit gelangen“, erklärt Martin Scheel, Geschäftsführer der Agentur für Arbeit Ludwigsburg. 13 dieser Transfers gab es von September 2021 bis April diesen Jahres bisher.
Entstanden ist die Idee vor zwei Jahren in Ost-Württemberg. „Damals musste ein sehr großer Arbeitgeber in der Region viel Personal entlassen. Das Bildungswerk kam dazu, um zu unterstützen und so entstand die Idee der Drehscheibe“, erklärt Sarah Pein vom Bildungswerk der Baden-Württembergischen Wirtschaft. Sie koordiniert gemeinsam mit Karoline Barzen die Drehscheibe. Für die Kreise Göppingen/Esslingen, Ludwigsburg, Ost-Württemberg gibt es bereits das Projekt Reutlingen und Tübingen sollen bald folgen. Auch eine Anfrage auch Nordrhein-Westfalen gebe es.
„Die Drehscheibe ist ein erfrischend anderes Tool, sehr dynamisch und absolut seriös. Das schätze ich daran. Über die digitalen Treffen konnte ich schon ein Netzwerk knüpfen und wurde auf einige potenzielle Mitarbeiter aufmerksam gemacht“, berichtet Annette Straub, Geschäftsführerin der Firma Wanderer Wasser & Wärme GmbH aus Sachsenheim. Der Fachkräftemarkt sei hart umkämpft und so ist Straub um jede Unterstützung froh.
Offenheit statt Konkurrenz
Obwohl die Firmen eigentlich auch in Konkurrenz zueinander stehen, sei der Austausch sehr offen und hilfreich. „Es war ganz interessant zu sehen, dass auch die großen Unternehmen mit den gleichen Problemen zu kämpfen haben wie wir“, sagt Straub.
Zwischen 40 und 60 Unternehmen sind immer wieder Teil der AMD und nehmen an den digitalen Treffen teil. Alle fünf Wochen gibt es eine Einladung zu einer Teamsbesprechung, bei der sich die Unternehmen austauschen können. Der Arbeitsmarkt habe sich so stark gewandelt, dass auch kleinere und Mittelständische Unternehmen viel mehr in die Personalentwicklung investieren müssen, um die Mitarbeiterbindung zu stärken, erklärt die Sachsenheimer Unternehmerin.
Auch das sei wichtig, denn auch in ihrem Betrieb gibt es sogenannte „Rückkehrer“, die nach einer Kündigung und Arbeit in anderen Betrieben wieder zu ihrem alten Unternehmen zurückkommen. In Zeiten von dubiosen Headhuntern und zu wenigen Fachkräften sei die Drehscheibe eine gute Hilfe für Firmen aus dem Kreis. „Wir können uns so gut regional austauschen und es gibt einem auch immer wieder Anstöße unorthodoxe Wege zu gehen“, sagt Straub.
Noch bis Juni 2023 stehe die finanzielle Förderung für das Projekt beim Bildungswerk. „Wir hoffen, dass es auch in Zukunft weitergeführt wird und sich so weiterentwickeln kann“, sagt Scheel. Unternehmerin Straub hofft auf weiteren Input und zusätzliche Impulsvorträge, um den regen Austausch voranzubringen.