Jerome Bridgewater: Von Bietigheim in die Bundesliga

Jerome Bridgewater (am Ball) brachte alle Voraussetzungen für eine Profikarriere im Basketball mit. Doch von einem Achillessehnenriss erholte sich der frühere Bietigheimer nicht mehr.
/Britsch/BaumannVom TSV Bietigheim über die Urspringschule Ehingen und das Ludwigsburger Basketball-Programm gelang es Jerome Bridgewater einst, einen Platz im Profikader von Bundesligist Ratiopharm Ulm zu ergattern. Doch nur eine Saison blieb der 1,93 Meter große Ex-Bietigheimer im Basketball-Oberhaus. Ein schlechter Vertrag, falsche Versprechungen, wenig Spielzeit und eine schwere Verletzung warfen den heute 37-Jährigen aus der Bahn. Trotzdem sagt er heute: „Ich habe versucht, das Maximum rauszuholen und bin als Talent auf der Strecke geblieben. Trotzdem ist alles gut so, wie es gekommen ist.“
Vier oder fünf Jahre ist Jerome Bridgewater alt gewesen, als er das erste Mal einen Basketball in die Hand genommen und seinem Vater, einem in Deutschland stationierten US-Soldaten, nachgeeifert hat. In der Jugend des TSV Bietigheim lernte er das Basketballspielen. Seine starken Leistungen blieben auch den Trainern in Ludwigsburg nicht unbemerkt. Schon als 15-Jähriger spielte Bridgewater dank eines Zweitspielrechts bei Ludwigsburgs U18 mit. „Einige in Ludwigsburg haben mich als Jahrgangsstärksten gesehen“, erinnert sich Bridgewater zurück.
Trotzdem wechselte das junge Talent ins Basketballinternat nach Ehingen. Auch, weil seine Großeltern in der Donaustadt wohnen. Nach einem Austauschjahr in den USA wechselte der 89er Jahrgang ins Programm der Ludwigsburger zurück. Für die Barockstädter lief er in der NBBL (Nachwuchs Basketball Bundesliga) auf und in der 2. Regionalliga beim damaligen Kooperationspartner Tübingen.
Plötzlich im Bundesliga-Kader
Im Ulmer Bundesligakader landete der talentierte junge Mann dann auf kuriose Art und Weise. Bei einem Spiel zwischen Ludwigsburg und Ulm war Bridgewater Teil des Kampfgerichts. Aus nächster Nähe konnte er die Ulmer beobachten und fand den gesamten Auftritt der Gästemannschaft sympathisch. Zuhause angekommen schrieb er Ulms damaligen Trainer Mike Taylor an. Wochenlang erhielt er zunächst keine Antwort. Doch dann wurde er tatsächlich zum Probetraining beim Bundesligisten eingeladen. Der defensivstarke Small Forward wusste dort zu überzeugen und bekam prompt einen Vertrag angeboten.
„Ich hatte damals keinen Agenten und habe einen ganz schlecht dotierten Vertrag unterschrieben. Das war eigentlich zu viel zum Sterben und zu wenig, um davon leben zu können“, sagt der frühere Bietigheimer pointiert.
Dennoch war Bridgewater in der ersten Liga angekommen – mit dem Versprechen auf Spielzeit. „Ich habe im Training nie das Gefühl gehabt, dass ich nicht mithalten könnte. Mit jeder Einheit habe ich immer mehr daran geglaubt, das Zeug zum Erstligaspieler zu haben.“
Vor allem mit seiner guten Verteidigungsarbeit und seiner Athletik konnte Bridgewater auftrumpfen. Doch vor Saisonbeginn verpflichtete Ulm mit Robin Benzing einen weiteren deutschen Spieler auf seiner Position. „Das war für meine Hoffnung auf Spielzeit der Anfang vom Ende“, wusste Bridgewater direkt. Bis zu acht Ausländer durften pro Team damals in der BBL auflaufen. Mit Per Günther und Robin Benzing hatten die Ulmer zwei vielversprechende deutsche Spieler. Die Kaderplätze elf und zwölf sollten von Jugendspielern eingenommen werden – mit wenig Aussicht auf Spielzeit. „Es war hart. Unsere einzige Aufgabe bestand darin, das System des nächsten Gegners zu lernen und dann im Training zu simulieren. Aber zu hart verteidigen durfte man in den Einheiten auch nicht, damit sich niemand verletzt“, schildert Bridgewater auch Jahre später resigniert.
Erstes und einziges BBL-Spiel
Nachdem er im Trikot mit der Nummer 20 viel Zeit auf der Bank verbracht hatte, erhielt er plötzlich am 5. Dezember 2009 seine Chance. Im Spiel gegen Trier wurde Bridgewater im Schlussviertel eingewechselt. Spielmacher Per Günther lief sogar ein System für den jungen Debütanten. Der wurde beim Wurfversuch gefoult und stand plötzlich in der Ulmer Kuhberghalle an der Freiwurflinie. Dabei versenkte er einen seiner beiden Würfe und steuerte einen Zähler zum 97:76-Sieg über Trier bei.
Doch es sollte das einzige Spiel und der einzige Punkt des früheren Bietigheimers in der Bundesliga bleiben. Nach der Saison 2009/2010 verließ der damals 20-Jährige Ulm. Mit dem Ziel, wieder regelmäßig Spielzeit zu erhalten, schloss er sich dem Regionalligisten Göppingen an. Aber eine Woche vor seinem 22. Geburtstag zog er sich bei einem Spiel in Karlsruhe einen Achillessehnenriss zu. Von seinem Verein wurde er daraufhin eiskalt abserviert und brauchte zwei Jahre, bis er wieder schmerzfrei war.
Prioritäten verschieben sich
Während der Genesungszeit verschoben sich die Prioritäten zunehmend. Auch angesichts der schweren Verletzung strebte Bridgewater nun einen Berufsabschluss an. Den mit seinen noch vorhandenen Basketball-Ambitionen zu vereinen, war allerdings nicht leicht. Mit 25 Jahren verabschiedete er sich deshalb schließlich vom Traum einer Profikarriere.
„Ich hatte nie das Glück, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein“, resümiert er heute, ohne mit seinem Karriereweg zu hadern. „Vielleicht hätte ich in die USA gehen oder in Ludwigsburg bleiben sollen. Aber wer weiß, was dann passiert wäre. Vielleicht war mein Körper nicht für den Profisport gemacht und ich hätte mich sowieso früher oder später schwer verletzt.“ Geblieben ist die Liebe zum Sport. Auch wenn er selbst nicht mehr aktiv spielt, ist und bleibt Basketball für Jerome Bridgewater der Lieblingssport.