Historisches Gebäude in Kleinsachsenheim
: Kelter wird zum Museumsdepot

In der Kleinsachsenheimer Kelter waren schon der Nachtwächter, die Polizei und Heimatvertriebene untergebracht. Nun schlummern dort Museumsexponate.
Von
Martin Hein
Sachsenheim
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Die Kelter in Kleinsachsenheim wurde im Jahr 1523 erstmals urkundlich erwähnt.⇥

Martin Kalb

Die Kelter ist eines der wenigen Gebäude in Kleinsachsenheim, die noch im städtischen Besitz sind. Erstmals wurde die Kelter 1523 urkundlich erwähnt. Sie ist somit eines der ältesten Gebäude im Sachsenheimer Stadtteil. Im Lagerbuch aus dem Jahr 1523 lies Reinhard von Sachsenheim vermerken: „Die Kelter ist mir allein zugehörig, bis auf ein Viertel der Herrschaft Württemberg.“ Ab 1561 gehörte die Kelter komplett der Württemberger Herrschaft.

Die Kelter wurde eifrig von den Kleinsachsenheimer Wengertern genutzt. 1754 standen vier „Kelterbäume“ und eine kleinere Obstpresse in dem imposanten Gebäude. 1819 kaufte die Gemeinde die Kelter von der Hofkammer.

1867 wurden eine Obstmahlmühle und Weinmostpresse aufgestellt. Um 1899 wurden zwei nicht mehr benötigte Bäume verkauft. Die beiden anderen Bäume haben die Kleinsachsenheimer kurz darauf durch modernere Pressen ersetzt. Von 1931 bis 1969 wurden eine hydraulische Presse und eine Mahlmühle in der Kelter betrieben.

Nicht nur als Kelter genutzt

In der Kleinsachsenheimer Kelter war von 1933 bis 1950 im sogenannten Kelterstüble eine Wachtstube für Polizeidiener und Nachtwächter untergebracht.

Im hinteren Kelterteil wurde 1937 eine Gemeindewaschküche eingebaut. In den 1950er-Jahren wurden Wohnungen für Heimatvertriebene und eine Gemeinschaftsgefrieranlage eingebaut. Bis 1992 war Dieter Wuttke Pächter der Kelter. Noch Mitte der 1990 konnten die Kleinsachsenheimer an ihrer Kelter Obst anliefern.

Seit 2012 Museumsdepot

Nach einigen Umbaumaßnahmen sind in der Kelter seit 2012 auf 600 Quadratmetern etwa 8000 Exponate des Sachsenheimer Stadtmuseums untergebracht.

Im ehemaligen Kühlraum werden in rund 35 Schränken einige tausend kleinteilige Gegenstände aufbewahrt. Nach Auskunft von Pressesprecherin Nicole Raichle stammt das älteste Exponat aus der Dino-Zeit. Dabei handelt es sich um einen Fußabdruck aus der Nähe von Ochsenbach. Vor rund 217 bis 214 Millionen Jahren hat dort ein Raubdinosaurier einen mächtigen Eindruck hinterlassen, dessen Abguss auf dem Dachboden des Depots schlummert.

Aus der Jungsteinzeit werden Tongefäße und Speerspitzen, Steinmesser und Getreidemahlsteine ebenso wie einige alte Lanzen aus dem Wasserschloss aufbewahrt. Auch museale Bürogeräte der Sachsenheimer Stadtverwaltung wie beispielsweise eine Schreibmaschine aus dem Jahr 1940 oder alte Schulbänke haben dort eine neue Bleibe gefunden.

Das jüngste Exponat ist eine Stoffmaske fürs Gesicht, mit dem Logo der Stadt Sachsenheim, wie sie am Anfang der Pandemie ausgeteilt wurden. Ein riesiger Blasebalg aus der ehemaligen Schmiede im Äußeren Schlosshof in Großsachsenheim und das ehemalige Wirtshausschild vom Gasthaus Krone in Kleinsachsenheim dürften die größten Exponate im Museumsdepot sein. Das kleinste Exponat ist eine Steinpfeilspitze aus der Jungsteinzeit, so Nicole Raichle.

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