Historische Kelter in Bietigheim:: Raum für Kultur und Weinbau

Die Kelter in Bietigheim wurde 1984 umfassend saniert, mit Innenausbau und Anbau.⇥
Helmut PangerlSie stand nicht immer unter einem guten Stern, die Bietigheimer Kelter: Im 16. und im 18. Jahrhundert wurde sie zerstört und wieder aufgebaut. Zuletzt hätte in den 70er-Jahren ihr letztes Stündlein schlagen können, wenn sich die Stadt für die Option, sie durch einen Neubau zu ersetzen, entschieden hätte. Doch es kam anders, und man entschied sich für die Sanierung. Davon profitieren die Stadt, die einen Veranstaltungsraum bekam, wie auch die Wengerter, die hier weiter Wein keltern können.
„Schicksalsschlag“ Nummer eins traf die mittelalterliche Kelter, als 1542 der benachbarte Bergfried einstürzte. Die Trümmer des wuchtigen Landwacht- und Glockenturms, der ursprünglich zur Bietigheimer Burg gehörte, richteten gewaltigen Schaden an und zerstörten unter anderem auch die Kelter, die als zentrale grundherrliche (Burg-)Kelter entstanden war.
Die Bietigheimer bauten an gleicher Stelle eine neue Kelter und erweiterten sie zur heutigen Größe. 1762 dann das nächste Unglück: Ein Blitzschlag verursachte ein Feuer, dem auch dieses Bauwerk zum Opfer fiel. Noch im selben Jahr wurde die Kelter wiedererrichtet und erhielt nun ihre heutige Gestalt.
Im denkmalpflegerischen Werteplan der Stadt wird das Bauwerk, das jetzt als Kulturdenkmal gilt, so beschrieben: Die Kelter besteht aus einem lang gestreckten Gebäude, massiv und verputzt mit Eckquaderung, hat große rundbogige Toreinfahrten und rechteckige Fenster. Ursprünglich war sie mit vier Kelterbäumen ausgestattet. Die Dachkonstruktion wird als „freitragendes Spreng- und Hängewerk“ mit einem überstehenden Walmdach beschrieben.
Punkthaus im Gespräch
Als ihre Bedeutung für den Weinbau zurückging, wurde es laut Günther Bentele („Bietigheim 789 bis 1989“) in den 70er-Jahren noch einmal eng für die Kelter. Es sei ein Ersatz durch ein Punkthaus mit der Stadtbibliothek in Erwägung gezogen worden. Nicht zuletzt habe aber das Kelterfest der CDU, das den Bürgern die Schönheit des Gebäudes vor Augen geführt habe, einem Abbruch vorgebeugt, so Bentele.
Stattdessen wurden im Jahr 1975 Dach und Fassade instand gesetzt, und 1984 folgte dann eine umfassende Sanierung mit Innenausbau und Anbau. Heute ist die Historische Kelter nach dem Kronenzentrum das zweitgrößte städtische Veranstaltungshaus. Sie bietet Raum für bis zu 245 Personen bei Reihenbestuhlung und kann für Konferenzen, Konzerte, Tanz- und Theateraufführungen, Messen und Ausstellungen genutzt werden. Die Vermietung läuft über die Kronensaal GmbH. Bis zur Coronapandemie, die ihn zum Ausweichen ins größere Kronenzentrum veranlasste, tagte hier traditionsgemäß im Dezember auch der Gemeinderat.
Im Herbst, mit der Traubenlese, kehrt die Kelter aber zu ihrer ursprünglichen Funktion zurück: Dann werden die Weintrauben aus den umliegenden Weinbergen angeliefert und von den hiesigen Wengertern gekeltert. Die Stadt unterstützt die Fortführung dieser jahrhundertealten Tradition: Im aktuellen Haushaltsplan sind Mittel für den Kauf einer Abbeermaschine zur Nutzung in der Kelter enthalten.
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