Gastro im Kreis Ludwigsburg: Mehrwertsteuersenkung wird teilweise weitergegeben

Während manche Gastronomien die Steuersenkung als sehr hilfreich bezeichnen, wollen andere noch abwarten, was die nächsten Monate zeigen. Einig sind sich die Restaurants darin, die Vergünstigungen zumindest zum Teil an die Gäste weiterzugeben.
Sina Schuldt/dpaSeit dem 1. Januar dieses Jahres gilt in der Gastronomie wieder der reduzierte Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent auf Speisen. Bereits während der Covid-19-Pandemie hatte die Bundesregierung so versucht, der schwächelnden Branche unter die Arme zu greifen. Doch die Pandemie war nicht der einzige Grund, warum viele Gastronomen in den vergangenen Jahren zu kämpfen hatten: Gestiegene Energiekosten, Inflation oder höhere Transport- und Personalkosten schlugen ebenfalls zu Buche. Wie kommt die Unterstützung bei den Gastronomen an? Und wird die Steuersenkung auf den Gast übertragen? Die BZ hat nachgefragt.
Bastian Fischer, Geschäftsführer des Eberhards in Bietigheim-Bissingen, sieht in der Senkung der Mehrwertsteuer grundsätzlich eine positive Entwicklung für die Branche. „Allerdings können wir diese Entlastung leider nicht vollständig an unsere Gäste weitergeben.“ Das liege daran, dass die Betriebskosten in den vergangenen Jahren erheblich gestiegen seien. Mithilfe der Mehrwertsteuersenkung könne man diese Ausgaben teilweise auffangen und den Betrieb wirtschaftlich halten, erklärt Fischer. Zudem könne man auf eine weitere Preissteigerung verzichten. Die Steuersenkung helfe, konkurrenzfähig zu bleiben, auch wenn sie die grundlegenden strukturellen Herausforderungen der Gastronomie nicht löse, so Fischer weiter. Er beobachte einen spürbaren Rückgang in der Gastronomie: Viele Menschen würden merklich seltener Essen gehen. Gleichzeitig stelle man fest, das sich die Gäste hochwertige, regionale Produkte wünschen, bei Preissteigerungen jedoch zurückschrecken. „Die Preisakzeptanz entspricht oft nicht dem tatsächlichen Aufwand und den Kosten, die dahinterstehen.“
„Die Steuersenkung hilft uns als Betrieb sehr“, sagt Onur Deniz, Inhaber des Vita in der Bietigheimer Altstadt. Aktuell sei man dabei, eine neue Karte zu entwickeln, auf der sich auch die reduzierte Mehrwertsteuer bemerkbar machen werde. So soll der Preis diverser Gerichte – nach zuletzt gleich mehreren Preiserhöhungen – reduziert werden; teilweise nur leicht, in manchen Fällen aber auch deutlich. Vor allem bei Gerichten aus regionalen Produkten sei hier etwas möglich, sagt Deniz. Dann halten sich nämlich die Transportkosten in Grenzen. „Im Großen und Ganzen werden wir das auf den Gast übertragen.“
Aus seiner Sicht wären die meisten Restaurants infolge der Steuersenkung dazu in der Lage, auf 50 Cent bis einen Euro pro Gericht zu verzichten. Im eigenen Betrieb wolle man zudem die Löhne der Mitarbeiter anpassen. Diese seien schließlich von den allgemeinen Preisanstiegen in allen Bereichen ebenfalls betroffen. Das veränderte Kundenverhalten fasst er so zusammen: „Die Menschen gehen nicht seltener Essen, sondern bewusster.“ So würden die Gäste inzwischen stärker auf die Qualität der Lebensmittel achten. „Sie wollen etwas für ihr Geld bekommen.“
Neben der neuen Karte will Deniz ab Mitte Februar auch dem nebenan gelegenen Dolce Vita wieder Leben einhauchen. Cocktails, Matcha und Pancake sollen hier serviert werden.
Auch in den Klosterburgstuben in Bönnigheim versucht man, die Mehrwertsteuersenkung weiterzugeben. Zu 100 Prozent gehe das nicht, so Sebastian Renner, einer der Inhaber. Auch, weil der Mindestlohn erneut angestiegen ist: Bisher erhielten auch Aushilfen einen Stundenlohn von mindestens einem Euro über dem Mindestlohn, das werde man nun nicht mehr leisten können. Auf lange Sicht rechne er mit einer Entlastung durch die Steuersenkung, aber wie viel sich tatsächlich verändert, könne man erst nach zwei bis drei Monaten sagen. Dass man den Unterschied merken wird, weiß Renner aus Erfahrung: „Wir haben während Corona gestartet, als die Mehrwertsteuer bei sieben Prozent war. Als dann die Erhöhung auf 19 Prozent kam, war das extrem spürbar.“ Bei der Anzahl der Gäste habe er keinen Unterschied feststellen können, aber „man merkt die gestiegenen Lebenshaltungskosten und, dass die Leute weniger Geld zum Ausgeben haben.“ Die teuersten Gerichte auf der Karte werden seltener bestellt und viele nutzen den „Schlemmerblock“, einen Gutschein für ein Gratisessen.
Auch beim schwäbischen Traditionslokal „Holderbüschle“ in Großsachsenheim wird sich etwas tun, wie der stellvertretende Geschäftsführer Jörg Eitelmann betont, „wir haben unsere Speisekarten bereits auf die neue Mehrwertsteuer hin aktualisiert und sind momentan noch am Eruieren, wie wir diese neuen Rahmenbedingungen auch an unsere Gäste weitergeben können.“
Freilich bedarf es da einer betriebswirtschaftlich fundierten Kalkulation, man werde aber sehen, was sich in diesem Bereich machen lässt. „Wir sind auf jeden Fall dran und werden zu gegebener Zeit unsere Gäste über eventuelle Neuerungen informieren“, sagt Eitelmann. Man habe sich ohnehin schon immer bemüht und darauf Wert gelegt, die Preise möglichst kundenfreundlich zu kalkulieren und den Gästen ein optimales Preis-/Leistungsverhältnis anzubieten.