Erligheimer Quartier: Jahrhundertprojekt verändert den Ort

Das Interesse der Erligheimer bei der Einwohnerversammlung am Mittwochabend in der August-Holder-Halle an den erstmals vorgestellten Planungen zur neuen Ortsmitte im Quartier „Grüner Baum/Große Scheune/Hofener Straße“ war groß.
/Martin KalbEs ist ein Jahrhundertprojekt für Erligheim, es übersteigt alles, was bisher umgesetzt worden ist.“ So umschrieb Bürgermeister Rainer Schäuffele bei der Einwohnerversammlung am Mittwochabend in der August-Holder-Halle die behutsame Neuausrichtung und Gestaltung des Quartiers im Ortskern. Es sei eine „riesengroße Aufgabe“ für die Gemeinde. Durch Innenentwicklung und Nachverdichtung sowie einen Innenhof soll ein Ort der Begegnung im historischen Ambiente entstehen. Mit JaKo Baudenkmalpflege aus dem Landkreis Biberach habe man einen erfahrenen Partner für die Entwicklung eines sensiblen Gebiets gewinnen können.
Strammer Zeitplan
Auch für Bernd Jäger, gemeinsam mit seinen beiden Brüdern geschäftsführender Gesellschafter des 130 Jahren alten Familienbetriebs JaKo Baudenkmalpflege GmbH mit 160 Mitarbeitern, ist die neue Erligheimer Ortsmitte ein Jahrhundertprojekt. „Nicht bis zur Fertigstellung, sondern von der Dimension“, wir er anmerkte.
Nicht nur die baulichen Dimensionen mit den Bestandsgebäuden „Grüner Baum“, Hauptstraße 1 und 3 und der Großen Scheune sowie den geplanten Neubauten südlich der Großen Scheune, einem Wohngebäude neben der Scheune und einem „städtebaulicher Akzent“ am Kreuzungspunkt in der Hofener Straße sind eine Herausforderung. Auch der Terminplan ist anspruchsvoll: Bis spätestens Jahresmitte 2023 soll der Gesamtentwurf inklusive der Planung zum „Grünen Baum“ dem Gemeinderat vorgelegt, der Bauantrag im Anschluss eingereicht werden. Zwischen Juli 2023 und Juni 2024 folgt die Werkplanung, parallel dazu Ausschreibungen und Vermarktung. Bis zur Jahresmitte 2024 ist der Baubeginn geplant. die Fertigstellung ist bis zum Jahresende 2026 vorgesehen.
Man erhalte ein jahrhundertealtes Kulturgut, so Jäger, und man übergebe es an die nächste Generation. In den vergangenen zwölf Monaten habe man als Komplettdienstleister den Bestand untersucht und geplant. „Am Ende müssen die Erligheimer sagen, das ist unser Areal, unsere Ortsmitte“, formulierte der geschäftsführende Gesellschafter das Ziel.
Gastronomie zieht um
Projektleiter und Architekt Markus Veser hofft, dass seine Begeisterung für das Projekt auch auf die Erligheimer überspringt, und erläuterte die Planungen. Die für das Gebäude „Grüner Baum“ sind noch am Anfang. Der „Grüne Baum“ war bis zum Jahresende 2022 in Betrieb. Mit der genaueren Untersuchung und der Erstellung von Bestandsplänen konnte deshalb erst in diesem Jahr begonnen werden. Klar ist aber bereits jetzt, dass im Erdgeschoss Platz für Dienstleistungen und im Obergeschoss sowie im Dachgeschoss Wohnungen entstehen werden. Die Gastronomie – „von vornherein ein gesetztes Thema“, wie Jäger sagte – wird umziehen: in das Gebäude Hauptstraße 1 und 3.
„Unser Aschenputtel“
Veser bezeichnete das Gebäude Hauptstraße 1 und 3 als „unser Aschenputtel“. Dort soll im Erdgeschoss, in den ehemaligen Stallungen, ein großer Raum, der durch Holz-Rundstützen und Fachwerkwände in Längs- und Querrichtung gegliedert ist, wieder erlebbar gemacht werden. Zukünftig wird der Bereich als Gastwirtschaft mit etwa 150 Sitzplätzen in drei Gasträumen, barrierefreiem Zugang, Küche und Ausschank genutzt. Die dafür baurechtlich erforderlichen Stellplätze sollen im Erdgeschossbereich der Hofener Straße ausgewiesen werden. Das Obergeschoss bietet Platz für eine Arztpraxis. Für den Zugang von Süden zum Gebäude wird ein neuer Treppenturm mit Fahrstuhl gebaut.
„Das imposanteste Gebäude“
Für Architekt Veser ist die „Große Scheune“ mit einer Firsthöhe von fast 20 Metern das imposanteste Gebäude im Quartier. Auf allen Geschossen sind hier insgesamt elf Wohnungen geplant, die dazugehörenden Stellplätze sind in einer Tiefgarage vorgesehen. Eine besondere Lösung haben sich die Planer für die Belichtung der Zehntscheuer überlegt. „Wir haben hier deshalb einen ,Lichtkamin’ zentral im Gebäude vorgesehen“, erklärte Veser. Damit wird Tageslicht am Dach mit speziellen Vorrichtungen „eingefangen“ und durch einen Spiegelkanal (sogenannte Hohllichtleiter) nahezu verlustfrei zu den dunklen innen liegenden Zonen transportiert. Direkte Sonneneinstrahlung sei dazu nicht erforderlich, diffuses Licht sei ausreichend.
Vier neue Gebäude sind südlich der „Großen Scheune“ mit „Wohnbebauung für jung und alt“ geplant. In jedem Gebäudeteil entstehen jeweils sechs Zwei-Zimmerwohnungen. Geplant sind hier dreigeschossige Holzbauten mit begrüntem Flachdach und aufgeständerten Photovoltaikmodulen“. Alle Wohnungen sind barrierefrei erschlossen durch jeweils zwei mittig angeordnete Aufzüge, die auch direkt in die Tiefgarage führen.
Ein weiteres neues Holzbau-Gebäude wird neben der „Großen Scheune“ entstehen, „mit scheunenhaftem Charakter“, so Veser. Die Firsthöhe wird sich der Scheune und Löchgauer Straße 1 und 3 deutlich unterordnen. Die Traufhöhe der Scheune wird aufgenommen, ebenso wird ein Sockel ausgebildet. Insgesamt zwölf Wohnungen unterschiedlicher Größe, barrierefrei erschlossen durch einen Aufzug bis in die Tiefgarage, sind geplant.
Als „städtebaulicher Akzent“ in der Hofener Straße, auf dem ehemaligen Parkplatz des Gasthauses „Grünen Baum“ und dem angrenzenden Wiesenstück, sind elf Dreizimmerwohnungen geplant. Zur Hofener Straße ist die Tiefgarageneinfahrt geplant. Ebenerdig sind noch Pkw-Stellplätze für die neue Gastronomie in der Löchgauer Straße 1 und 3 vorgesehen.