Bundestagswahl
: „Wenn ich was mache, dann mache ich es richtig“

 Andrey Belkin wirbt für die Ziele der FDP.  Die Bedeutung von Freiheit macht er auch am Leben seinen Eltern fest, die aus Russland stammen.
Von
Jürgen Kunz
Ludwigsburg
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Der 28 Jahre alte Andrey Belkin kandidiert für die FDP. Seine realistische Einschätzung, nicht in den Bundestag einzuziehen, schmälert seinen idealistischen Wahlkampfeinsatz nicht.

/Martin Kalb

Der FDP-Kandidat im Wahlkreis Neckar-Zaber für die Bundestagswahl am 23. Februar hat eine spannende Vita: Der 28-jährige Andrey Belkin ist in Russland geboren, kam im Alter von einem Jahr mit seinen Eltern nach Deutschland und erhielt 2016 die deutsche Staatsbürgerschaft. Er sagt über sich: „Am Beispiel meiner Eltern, die Ende der 1990er-Jahre nach Deutschland kamen und sich hier ein Unternehmen aufgebaut haben, durfte ich das Aufstiegsversprechen selbst miterleben.“ Trotz seiner Wahl zum Kandidaten bei der FDP-Wahlkreiskonferenz im Oktober 2024, macht er im Gespräch klar, dass er seine Chance in den Bundestag einzuziehen, „als sehr gering“ einschätzt – und dennoch, sein ausgeprägter Idealismus hilft ihm für seine politischen Ideen zu werben.

Mit 18 die deutsche Staatsbürgerschaft

Wie Belkin im BZ-Gespräch erklärte, habe er 2016 die deutsche Staatsbürgerschaft erworben. Dies sei nicht ganz einfach gewesen, da er zuvor die russische hatte, und „die Russen lassen einen so ungern aus der Staatsbürgerschaft heraus“. Darüber hinaus habe es in den ersten Wochen, als er 18 war, auch im Landratsamt ein bisschen gedauert. So hatte er die Landtagswahl 2016 ganz knapp verpasst – um einen Monat. „Also okay, jetzt muss ich, jetzt will ich auch eine Wahlentscheidung. Ich darf das erste Mal an freien Wahlen teilnehmen“, erinnert er sich.

Nach dem Abitur am Karlsgymnasium in Stuttgart (2014) studierte er Chemie mit Master- und Bachelor-Abschluss 2021 mit einem Fokus auf organische und theoretische Chemie. Seit 2022 arbeitet er als Projektmanager in der Hepatitis C Elimination. Auf dem Weg in die aktive Politik, habe er die Parteiprogramme von Grüne, SPD und FDP angeschaut, „was die so fordern“, und er war in Fellbach auf einer Veranstaltung mit Christian Lindner. „Tatsächlich das hat mich direkt überzeugt.“ Er habe entdeckt, „das ist eine Partei, die ist weltoffen, die ist so sehr leistungsfokussiert, sodass was man selber macht, auch zu einer Belohnung führt und die Leute, die da noch nicht sind, die vielleicht auch durch ihr Leben Herausforderungen haben, die kriegen diese Möglichkeit.“

Für ihn gab es „so einen Moment“, an dem er dachte, ein Mitgliedsantrag muss jetzt sein. Belkin: „Wenn ich was mache, dann mache ich es richtig. Also mir reicht es nicht, jetzt nur so mein Kreuz zu setzen, dann die nächsten vier Jahre bis zur nächsten Wahl auszusitzen, sondern ich will da auch wirklich mitmachen. Und dann bin ich direkt an dem Tag Mitglied geworden.“

Jetzt als Kandidat einer kleiner Partei ist viel Wahlkampfeinsatz gefragt: „Man muss natürlich auch die Hand heben und sagen: ich will das machen, weil so ein Bundestagswahlkampf ist natürlich definitiv sehr anstrengend und man muss sehr viel auch selber in die Hand nehmen.“ Er erhalte viel Unterstützung aus der Partei, aus dem Wahlkreis, von Ehrenamtlichen, aber natürlich hänge man auch selbst Plakate auf. „Man überlegt sich, was schreibt man in seinen eigenen Flyer und man überlegt, was ist der Teil des FDP Wahlprogramms, den ich besonders in den Vordergrund rücken will. Nicht nur als Kandidat, sondern auch für meinen Wahlkreis“, erklärt der 28-Jährige.

„Ich bin ja Ehrenamtler, ich bin kein Berufspolitiker. Und ich habe auch keinen Listenplatz, mit dem ich einziehe“, sagt er: „Ich bin auf Listenplatz 24, wenn die FDP 24 Prozent holt, bin ich drin. Okay, davon gehe ich jetzt mal leider nicht aus. Also auf jeden Fall werde ich danach dem gleichen Job nachgehen, wie ich jetzt schon mache.“ Seine Motivation sei es, das Parteiprogramm oder die Parteilinie in die Welt zu tragen: „Und ich glaube ja, dass mit der Politik der FDP, das Beste fürs Land möglich ist und für die Leute“, betont der Bundestagskandidat.

Geprägt von der Unfreiheit der Eltern in Russland

Er plane sehr viel abends und nachts. „Ich sitze um 22 Uhr noch im Bett am Laptop und dann überlege ich, wie viele Leben das verändern könnte. Es klingt ein bisschen idealistisch, das weiß ich auch. Aber es ist am Ende genau das. Ich überlege mir, ich komme, meine Eltern kommen aus der Sowjetunion. Ich komme aus einem Land, wo es wahrscheinlich keine freie Wahl gab, wo Freiheiten extrem eingeschränkt wurden. Dadurch ist für mich dieser Freiheitsgedanke unglaublich wichtig.“

Nach seiner Überzeugung wissen die Menschen „im Kern, was sie tun“. Diese Werte, deren Weltbild, Ziele und Träume dürfe man nicht einschränken. „Wir wollen, dass die Leute diese Möglichkeit haben, sich selbst zu verwirklichen. Das ist ein zentraler Punkt“, betont der FDP-Kandidat. Er kandidiere für ein Parlament, um sich dafür einzusetzen, dass jeder so viel von dem machen kann, wie du möchtet und möglichst wenig davon eingeschränkt werde.

Ein wichtiges Thema für ihn ist die Leistungsgerechtigkeit. Der 28-Jährige ist davon überzeugt, dass es in Deutschland sehr viele Menschen gibt, „die was aus sich machen wollen“ – auf verschiedene Weisen. So gebe es diejenigen, die eine Ausbildung, ein Studium machen oder eine Selbstständigkeit anstreben. Belkin: „ Ich glaube, wir sind an dem Punkt angekommen, wo dieser Wille, sich einzubringen nicht ausreichend entlohnt wird und dies deutet sich natürlich stark durch die Steuerbelastung an. Das heißt, dieser Entlastungsgedanke ist nicht nur rein wirtschaftlich, also das klassische mehr Netto vom Brutto, sondern es ist auch ein Grund, Respekt vor dem Willen von den Leuten, die Extrameilen gehen und so Mut zu beweisen.“