Bietigheimer Ärztin möchte das Impfen neu strukturieren
: Lokale Zentren statt „Ad-hoc-Aktionen“

In der Praxis von Dr. Nikola Nienhues in Bietigheim wird neben dem Sprechstundenbetrieb auch getestet und geimpft. Die Ärztin würde das Impfen gerne an einen anderen Ort verlagern.
Von
Heidi Vogelhuber
Bietigheim-Bissingen
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Dr. Nikola Nienhues und ihr Mann Klaus, der ihr immer zur Seite steht, bei der Organisation hilft, ja ab und an sogar am Empfang aushilft. In der Praxis gibt es täglich etwa 60 Impfungen.⇥

Martin Kalb

Wenn sie sich etwas von der Politik wünschen dürfte, würde sie sich wünschen, dass der Impfstoff von Biontec nicht mehr kontingentiert wird, sagt Dr. Nikola Nienhues, die eine Hausarztpraxis in der Berliner Straße im Bietigheim-Bissinger Stadtteil Buch betreibt. Nur um sich sogleich zu korrigieren: „Was ich mir eigentlich wünsche, sind klare Ansagen. Dass kommuniziert wird, was wirklich wichtig ist und man sich weniger in Diskussionen verstrickt, welcher Impfstoff besser ist.“ Denn es sei nur noch wenig Kraft übrig, um tagtäglich über Impfstoffe und das Impfen per se zu diskutieren, sagt die Ärztin.

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Über 3000 Impfungen

In ihrer Praxis wird seit dem 6. April geimpft, derzeit sind es täglich etwa 60 Impfungen, insgesamt waren schon über 3000 Menschen zum Impfen bei ihr. Mit Moderna ist das Impfen erst seit Kurzem auch in Praxen möglich, zuvor war der Impfstoff den Impfzentren vorbehalten. „Wir sind natürlich schon im Voraus durchgeplant. Die Impftermine sind mit Biontec ausgemacht“, erklärt sie das Problem. Der Lieferstopp des einen Impfstoffs sei prinzipiell nicht so tragisch, gibt es ja den anderen. „Die Daten sagen sogar, dass die Immunantwort noch besser ist, wenn für einen mit Biontec Geimpften die dritte Impfung mit Moderna erfolgt“, so Nienhues. Nur sei das eben nicht in den Köpfen der Menschen. Daran sei auch viel die Politik schuld.

Schwer zu unterscheiden

Es würden zwar viele Informationen kundgetan. Was jedoch davon politisch und was wissenschaftlich belegt sei, das sei für die Patienten oftmals schwer zu unterscheiden. Die Ärztin gibt ein Beispiel: Es wurde gesagt, dass zwischen den beiden Impfungen sechs Wochen liegen müssen. Auf dem Beipackzettel des Impfstoffs ist ein Zeitraum von drei Wochen genannt. Zu dem Zeitpunkt war nicht genug Impfstoff da, also habe die Politik das so propagiert, um die Zeit bis zur nächsten Lieferung zu überbrücken.

„Wir haben noch keine Impf-Katastrophe gesehen. Bei keinem Impfstoff, auch nicht bei AstraZeneca“, sagt Nienhues. Und sie müsse es wissen, denn die Impflinge kämen zur Reklamation wieder zu ihr. „Der Hausarzt kennt seine Patienten“, sagt sie. Und deshalb sei es kein Fehler, die Impfungen bei den Hausärzten zu verankern.

Jedoch würde Nienhues den Hausarztpraxis-Betrieb gerne vom Impfwesen trennen. Eine separate Lokalität, wie sie derzeit etwa im Liederkranzhaus in Bissingen existiert, das würde nicht nur der Ärztin, sondern auch den Patienten entgegenkommen. Das würde die vertrauensvolle Atmosphäre zurück in die Hausarztpraxen bringen. „Regelmäßigkeit durch solche Impfzentren statt Ad-hoc-Aktionen. Das würde Ruhe ins Impfen bringen.“ Derzeit ist Nienhues auf der Suche nach einer solchen Fläche. „Das Impftempo muss gesteigert werden, es ist ein Riesenbedarf da“, sagt sie. Die Rückkehr zu den Kreisimpfzentren sieht sie allerdings kritisch. „Die Hausärzte leisten einen guten Beitrag, weil die Leute den eigenen Hausarzt kennen und ihm vertrauen. Der regionale Bezug ist wichtig.“

Neben dem Impfen betreibt die Praxis von Dr. Nienhues auch einen Testwagen vor der Tür, in dem täglich bis zu 40 PCR-Abstriche durchgeführt werden – zusätzlich zur Sprechstunde.

Leistungsstarkes Team

„Ohne mein Team würde das nicht gehen. Alle haben Lust, ihren Beitrag zur Bekämpfung dieser Pandemie zu leisten.“ Jeder kenne seine Aufgabe, alles funktioniere Hand in Hand. „Das bringt uns schon an unsere organisatorischen Grenzen.“ Nienhues sagt aber auch: „Wenn mehr Impfstoff da wäre, könnten wir auch mehr verimpfen.“

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