Corona-Pandemie Kreis Ludwigsburg
: Situation in Kliniken spitzt sich zu

Auch ein Lockdown und Verlegungen in andere Länder verbessern die derzeitige katastrophale Situation laut der Klinikenleitung in den nächsten Wochen nicht.
Von
Gabriele Szczegulski
Ludwigsburg
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Medizinisches Personal legt auf einer Intensivstation des RKH Klinikum Ludwigsburg einem Covid-19-Patienten einen Zugang für die künstliche Beatmung. Nur  die Patienten, die durch einen Schlauch beatmet werden müssen, können auf der Intensivstation behandelt werden, alle anderen werden wegen der Überlastung der Intensivstationen auf anderen Stationen behandelt.⇥

Sebastian Gollnow

Die katastrophale Lage der Kliniken sei nicht mehr zu retten, zumindest in den nächsten zwei bis drei Wochen nicht, sagte Götz Geldner, Ärztlicher Direktor der RKH-Kliniken und Koordinator für die intensivmedizinische Versorgung von Covidpatienten im Land, in der wöchentlichen Pressekonferenz. Ein Lockdown oder Verlegungen, die es auch in Ludwigsburg und Bietigheim-Bissingen gegeben habe – in andere Kliniken in Baden-Württemberg und in geringerem Umfang auch in andere Bundesländer – würden helfen, „uns aber nicht retten, das kommt jetzt zu spät“, so Geldner.

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Spitze aller Wellen in der Pandemie

Im Moment, so Geldner, sei die Spitze aller bisherigen Wellen erreicht, der Bettenbedarf steige. In Baden-Württemberg, wo momentan 680 Covid-Patienten auf Intensivstationen versorgt würden, sei vorherzusehen, dass diese Zahl bis Weihnachten auf 1000 Intensivpatienten steigen werde. Dies würde dann zu „ernsthaften Einschnitten auch in der Notfallversorgung führen, die bisher noch gewährleistet ist“. Die Kurve der Covid-Fälle, die in Krankenhäusern behandelt werden müssten, steige zwar nicht mehr exponentiell wie noch in der letzten Woche, aber doch linear weiter an. Erst ab Weihnachten sei eine Stabilisierung der Lage zu erwarten, auch alle Maßnahmen und Impfungen, die jetzt kommen, so Geldner, zeigen erst in zwei bis drei Wochen Wirkung.

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40 bis 50 Prozent aller eingelieferten Covid-Patienten müssten intensiv behandelt werden, wobei man auch hier schon Abstriche machen müsste, so Geldner. Patienten, die normalerweise auf der Intensivstation behandelt würden, kämen nun auf „Immediate-Care-Stationen“. Nur invasiv beatmete Patienten werden zur Zeit auf den Intensivstationen behandelt, Patienten mit Beatmungsmaske oder -brille kämen auf diese „Immediate-Care-Stationen“. „Das ist Substandard“, so Geldner. Diese Patienten, die nicht durch einen Schlauch beatmet werden müssten, machten fast die Hälfte der Covid-Patienten aus, sagte er. Im Moment liegen  auf den insgesamt drei Covid-Stationen in Ludwigsburg und Bietigheim-Bissingen 72 Menschen – alle seien ungeimpft.

Ausbildung in Beatmung

Zudem müssten in den RKH-Kliniken derzeit Pflegekräfte aus anderen Stationen schnell in der Beatmung ausgebildet werden, auch Pflegekräfte im dritten Jahr der Ausbildung würden hier hinzugezogen. Denn: „Im Moment sind 25 Prozent unserer Pflegekräfte im Krankenstand“, sagt Klinikenleiter Professor Dr. Jörg Martin. „Das sind mindestens zehn Prozent über dem sonstigen Durchschnitt.“ Und wenn jetzt noch Unfälle und Brüche durch Eis- oder Schneeglätte hinzukämen, werde sich die Situation in den Kliniken noch verschlechtern, auch weil man dann Kapazitäten für die Unfallchirurgie bräuchte. „Aber einfach gesagt, diese Maßnahmen kommen alle durch Corona“, so der Ärztliche Direktor Geldner. Schon jetzt habe man Stationen zusammenlegen müssen, andere schließen. „Das bedeutet auch, dass Personal, das bisher auf der Urologie arbeitete, nun auf der Kardiologie in einem fremden Gebiet eingesetzt wird“.