Bietigheim-Bissingen: Wirtschaft, Bildung und Klima

Die Landtagskandidaten stellten sich einer Podiumsdiskussion im Beruflichen Schulzentrum. Von links: Paul Wien (FDP), Reno Geisler (AfD), Daniel Haas (SPD), Tobias Vogt (CDU), Tayfun Tok (Grüne), Cal Engelhardt (Volt) und Ingrid Petri (Linke).
/Martin KalbVier Tage vor der Landtagswahl am kommenden Sonntag haben sich die Direktkandidaten des Wahlkreises Bietigheim-Bissingen erneut zu einer Podiumsdiskussion zusammengefunden – dieses Mal im Beruflichen Schulzentrum Bietigheim-Bissingen.
In einer Vorstellungsrunde konnten die Kandidaten zunächst Themen nennen, die ihnen besonders wichtig seien. So sprach Tayfun Tok (Grüne) etwa davon, den Wirtschaftsstandort Baden-Württemberg nach vorne zu bringen sowie die Bildung und Weltoffenheit zu fördern. Tobias Vogt (CDU) sagte, er wolle für jeden einzelnen Arbeitsplatz kämpfen und Forschung, Wissenschaft und Wirtschaft zusammenbringen.
Reno Geisler (AfD) nannte die Themen Infrastruktur, Bauen und Bildung, Daniel Haas (SPD) sprach sich für einen bezahlbaren Bildungsweg und Chancengleichheit aus. Ingrid Petri (Linke) forderte, damit aufzuhören, Klima und Wirtschaft gegeneinander auszuspielen, Paul Wien (FDP) erklärte, er wolle nach vorne blicken. Ebenfalls mit von der Partie war Cal Engelhardt (Volt). Er sprach sich unter anderem für Nachhaltigkeit, Umwelt- und Tierschutz aus.
Wirtschaft im Fokus
Drei Themenkomplexe hatten sich die Schülerinnen und Schüler sowie Moderatorin Amber Sayah zurechtgelegt: Wirtschaft, Bildung und Klima. In Sachen Wirtschaft forderte Tobias Vogt, der Wirtschaft Freiheiten zu lassen und diese „einfach mal machen“ zu lassen. Die Autoindustrie habe dem Land viel Wohlstand gebracht, deshalb sei er nicht bereit, sie nun fallenzulassen. Tayfun Tok sagte, dass es keine Garantie auf Erfolg gebe. Man brauche vor allem Innovationskraft, der Wohlstand hänge nicht am Auspuff. Reno Geisler, der von der Moderatorin auf eine bestimmte Form der Wirtschaft – die Vetternwirtschaft innerhalb der AfD – angesprochen wurde, sagte, man werde das aufarbeiten. Die tatsächliche Wirtschaft leide dagegen unter hohen Steuern und Bürokratie. Er setze auch weiter auf den Verbrennermotor. Daniel Haas äußerte die Überzeugung, dass die Wirtschaft den Strukturwandel nicht ganz alleine schaffe, sondern Unterstützung benötige. Der Infrastruktur-Ausbau, der mithilfe des Sondervermögens des Bundes gefördert werden soll, helfe auch der Wirtschaft. Jedoch dürfe man die soziale Komponente nicht unter den Tisch fallen lassen.
Ähnlich äußerte sich Ingrid Petri, die den Plan ihrer Partei einer 30-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich verteidigte. Paul Wien setzt den Fokus auf den Bürokratieabbau, Cal Engelhardt ebenfalls, betonte aber, dass die Krisen unserer Zeit nur mit einem geeinten Europa zu bewältigen seien.
Bildungs- und Klimapolitik
In Sachen Bildung forderte Reno Geisler, Ausbildung und Studium gleichmäßig zu unterstützen. Ähnlich äußerte sich auch Tobias Vogt, der die „Gleichwertigkeit von Meister und Master“ als Ziel nannte. Ingrid Petri sagte, man müsse Chancengleichheit schaffen. Gründe für den Lehrermangel an Schulen sah Daniel Haas in den fachfremdem Aufgaben, die den Pädagogen zuteil würden, etwa die Wartung und Reparatur der technischen Hilfsmittel im Unterricht.
Von Paul Wien erhielt er dafür Zustimmung. Dieser forderte zudem, die Finger von Strukturdebatten zu lassen und sich auf praktische Fragen der Bildungspolitik zu konzentrieren. Tayfun Tok sagte, er wolle sich für eine stärkere Berufsorientierung einsetzen. Auch müssten Fähigkeiten, die für den Arbeitsmarkt der Zukunft wichtig seien, etwa die Benutzung von KI-Tools, gefördert werden. Cal Engelhardt ging noch einen Schritt weiter: In der Schule werde viel gelernt, das man eigentlich gar nicht brauche. Man müsse die Bildung an den aktuellen Arbeitsmarkt anpassen.
Bezüglich des Klimas sagte Ingrid Petri, man müsse die Mobilität anders denken und die Versiegelung von Flächen reduzieren. Tobias Vogt bezeichnete den Klimawandel als „Menschheitsaufgabe“. Mit Hightech und Technologieoffenheit wolle er nachhaltige Produkte für alle Welt in Baden-Württemberg produzieren lassen. Paul Wien sagte, angesprochen auf die Windkraftskepsis seiner Partei, dass man bei Widerständen aus der Bevölkerung direkt abstimmen lassen sollte, wie zuletzt in Sachsenheim.
Daniel Haas war es ein Anliegen, nicht nur über die wirtschaftlichen Aspekte des Problems zu sprechen, sondern auch darüber, wie man die Leute auf dem Weg mitnehmen könne. Er forderte den flächendeckenden Ausbau des ÖPNV. Tayfun Tok stellte das Thema Klimaanpassung in den Vordergrund, die er weiter voranbringen wolle. Reno Geisler sagte, man müsse das Klima und die Wirtschaft in Einklang bringen.
Fragen der Schüler
In der anschließenden Fragerunde wurde Tobias Vogt auf die Migrations- und Integrationspläne der CDU angesprochen. Dieser antwortete, man brauche eine kontrollierte Migration in den Arbeitsmarkt. Dabei gelte ein voller Fokus auf Integration. Wer ins Land komme, sich an Gesetze halte, und bereit sei, Leistung zu bringen, sei willkommen. Tayfun Tok pflichtete seinem Mitbewerber bei. Es dürfe keine Rolle spielen, wo jemand herkomme. Cal Engelhardt wollte der Debatte konkrete Vorschläge beimischen und forderte, Migranten ab dem ersten Tag im Land das Arbeiten zu erlauben.
Weitere Fragen richteten sich an Reno Geisler zu den Remigrationsplänen der AfD und Tayfun Tok zum Einsatz seltener Erden beim Bau von Elektromotoren. Schulleiter Stefan Ranzinger warb bei den Kandidaten schließlich für zusätzliche Ressourcen für Berufsschulen und appellierte, das zunehmende Problem mit Schulschwänzern auf politischer Ebene ernst zu nehmen.
Yannik Schuster
