Bietigheim-Bissingen
: „Unser Wohlstand muss jeden Tag neu erarbeitet werden“

Seit zweieinhalb Jahren vertritt Tobias Vogt (CDU) den Wahlkreis Bietigheim-Bissingen im Landtag. Für ihn immer noch eine große Ehre.
Von
Frank Ruppert
Bietigheim-Bissingen
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Tobias Vogt vertritt den Wahlkreis Bietigheim-Bissingen im Landtag.

privat

Tobias Vogt sieht sich nach zweieinhalb Jahren „total angekommen“ in der neuen Rolle als Landtagsabgeordneter. Zur Halbzeit der Amtsperiode zieht der 38-Jährige Kirchheimer im Gespräch mit der BZ Bilanz zu der Zeit seit er sich und der CDU im Frühjahr 2021 das Zweitmandat für den Wahlkreis Bietigheim-Bissingen gesichert hat. Es sei eine große Ehre für ihn, seine Heimat in Stuttgart vertreten zu dürfen.

Herr Vogt, Sie sprechen mit Begeisterung von ihrem Amt als Landtagsabgeordneter. Das hört sich so an, als sei das meiste noch keine Routine.

Tobias Vogt: Die Sitzungen etwa in den Ausschüssen werden natürlich schon zur Routine, aber es gibt eben immer wieder neue Erfahrungen und besondere Ereignisse.

Was waren in den letzten Jahren denn solche Highlights?

Eines war sicher die Bundespräsidentenwahl an der ich teilnehmen durfte. Als Handwerksmeister aus Kirchheim das Staatsoberhaupt mitwählen zu dürfen war eine große Ehre. Auch die ein oder andere Delegationsreise und das Treffen von Persönlichkeiten in anderen Ländern ist ein riesiger Schatz. Dabei sieht man, wo wir im Vergleich zu anderen Ländern stehen. Zum Beispiel im Blick auf Maßnahmen zur Klimapolitik.

Was hat Ihnen der Blick von außen verdeutlicht? Wo stehen wir als Land?

In den letzten Monaten habe ich festgestellt, dass wir durch die Abkehr vom Leistungsprinzip ein Stück weit träge geworden sind. Viele Weichen wurden da falsch gestellt. Das Bürgergeld stärker steigen zu lassen als den Mindestlohn, ist ein fatales Signal für alle, die morgens aufstehen und arbeiten gehen. Auch die Diskussion um die Work-Life-Balance finde ich falsch, weil sie suggeriert, dass „work“ schlecht und „life“ gut ist. Mit weniger Arbeiten werden wir den Wohlstand nicht halten können. Ich erlebe, dass viele Jugendliche beides wollen: Freizeitgestaltung und Ärmel hochkrempeln, um etwas zu erreichen.

Sie sehen die Gefahr des Wohlstandsverlusts. Was muss denn getan werden, damit ihre drei Kinder in 30 Jahren auch noch im Wohlstand leben können?

Unser Wohlstand ist nicht selbstverständlich, er muss jeden Tag neu erarbeitet werden. Man kann zwar Fabriken und Häuser vererben, aber ohne Innovationen und eine wettbewerbsfähige Wirtschaft sind das nur leere Hüllen. Jedem muss klar sein, dass es nur funktioniert, wenn wir alle anpacken. Ich habe großes Vertrauen in die klugen Köpfe, in die Unternehmer und Beschäftigten.

Welche Technologien sollen aus Ihrer Sicht diesen Wohlstand in der Region sichern? Und wie sehr sollte dies der Staat steuern?

Der Staat sollte am besten gar nicht steuern. Der Markt entscheidet darüber, welche Technologie sich durchsetzt. In der sozialen Marktwirtschaft regeln so etwas Angebot und Nachfrage. Ein Beispiel dafür, wie viel der Staat falsch machen kann, zeigt sich gerade bei der Heizungsfrage. Die Öl-Heizung war kaum mehr nachgefragt, bis das Verbot angedroht wurde. Jetzt sind plötzlich Öl-Heizungen wieder der Renner. Man hat genau das Gegenteil vom Gewollten erreicht. Ich halte auch das Verbrennerverbot ab 2035 für einen großen Fehler. Nicht weil ich gegen E-Mobilität wäre, ganz im Gegenteil. Das Ziel ist doch klar: CO2-neutrale Mobilität. Zu entscheiden welche Technologie richtig ist, ist nicht die Aufgabe des Staates, sondern kluger Ingenieure.

Sie kritisieren immer wieder die Grünen, gleichzeitig ist die Partei im Land der Koalitionspartner. Wie geht das zusammen?

Keine Frage, ich bin parteilich eher schwarz-gelb sozialisiert und würde mir manches anders wünschen. Bei CDU und Grünen treffen bei vielen Themen unterschiedliche Ansichten aufeinander. Etwa beim Bürokratieabbau, da wären wir sofort bereit noch mehr zu machen. Die CDU hat ein großes Vertrauen in die Bürger, der Koalitionspartner ist oft geprägt vom Misstrauen gegenüber dem Individuum. Da einen Kompromiss zu finden ist eine Herausforderung. Wichtig ist, diese Unterschiede der Parteien auch klar herauszustellen. Diese Debatte muss die Koalition aushalten, finde ich.

Ist das Ihre Idee, wie es gelingt die AfD klein zu halten?

In den Umfragen gibt es eine Entwicklung, die mir Sorge bereitet. Ich bin mir sicher, dass viele, die AfD wählen, nicht rechtsradikal sind. Ich bin überzeugt, dass wir Missstände in unserem Land wieder klar und deutlich benennen müssen. Ein Beispiel ist die Migration, keine Frage. Wir müssen für umsetzbare Lösungen sorgen. Das wird in der Ampelkoalition nicht begriffen. Hier zeigt sich ein eklatanter Realitätsverlust.

Wenn wir zum Ausblick kommen. Die Zeit von Ministerpräsident Kretschmann neigt sich dem Ende zu. Bei der nächsten Wahl wird er nicht mehr antreten. Werden Sie ihn vermissen?

Ich bin Kretschmann dankbar, auch weil er vieles an grüner Ideologie abfedern konnte. Ich freue mich riesig auf den Ministerpräsidenten Manuel Hagel. Er steht für einen Generationswechsel, die neue CDU und einen Aufbruch für Baden-Württemberg. Ich bin überzeugt, dass er der Beste für unser Land ist und bin bereit dafür zu kämpfen.

Sie werden auch bei der nächsten Wahl 2026 wieder antreten und dann hoffen, das Direktmandat zu erwerben.

Das ist mein großes Ziel. Der Einsatz für die Anliegen der Bürger im Wahlkreis, die konkreten Themen der Unternehmen und Kommunen erfüllen mich. Dies möchte ich fortsetzen. Ich möchte im Land mithelfen, dass Baden-Württemberg wieder in allen Bereichen spitze ist.

Sehen Sie das wegen oder trotz Friedrich Merz so positiv?

Ich habe ihn drei Mal unterstützt. Er hält die CDU stabil bei 30 Prozent und hat Ruhe in die Partei gebracht, aber ich hätte mir insgesamt mehr gewünscht. Die K-Frage wird nächstes Jahr geklärt und das ist für uns im Land wichtig. Ich würde mir für die Landtagswahl 2026 Rückenwind aus Berlin wünschen.

Bis zur Wahl sind es noch zweineinhalb Jahre. Was wollen Sie bis dahin noch erreichen?

Wichtig ist, das Thema Leistung wieder in den Vordergrund zu stellen. Leistung muss sich wieder lohnen. Das ist für mich ein zentrales Anliegen. Wir müssen außerdem die Rahmenbedingungen für unsere Handwerker und Einzelhändler verbessern, Bürokratie ernsthaft abbauen und den Wirtschafts- und Bildungsstandort Baden-Württemberg stärken.