Bietigheim-Bissingen: Jugendliche wünschen sich ein Kino und eine Sporthalle

Rund eine Stunde lang stand Oberbürgermeister Jürgen Kessing Achtklässlern der Ellentalgymnasien Rede und Antwort.
/Martin KalbEs mangelt der Stadt an fast nichts.“ So begründete Oberbürgermeister Jürgen Kessing am Donnerstag vor den Achtklässlern der Ellentalgymnasien, was Bietigheim-Bissingen so lebenswert mache. Dass die Jugendlichen dennoch Wünsche und Anregungen an die Stadtverwaltung haben, wurde im anschließenden Gespräch zwischen dem OB und den Schülerinnen und Schülern deutlich. Im Rahmen der Initiative „Schule trifft Rathaus“ der Landeszentrale für politische Bildung hatten sich die Jugendlichen im Vorfeld intensiv mit der Kommunalpolitik befasst.
Wunsch nach einem Kino
Zum Einen äußerten zwei Schülerinnen den Wunsch nach einem Kino in Bietigheim. Aktuell müsse man immerhin 30 Minuten fahren bis zum nächstgelegenen größeren Lichtspielhaus. Dabei fungiere ein Kino nicht nur als Treffpunkt für Jugendliche und Familien, sondern könne auch ein wirtschaftlicher Impuls für die umliegende Gastronomie sein, so die Argumentation der Achtklässlerinnen. Kessing erklärte daraufhin, dass die zwei Kinos, die es in der Stadt früher gab, gerade deshalb geschlossen haben, weil keiner hingegangen sei. Versuche, das Programm umzustellen, hätten auch nicht gefruchtet. Unterm Strich sei es eben eine Frage der Wirtschaftlichkeit. Er habe bereits mit großen Kinobetreibern gesprochen, geeignete Flächen in Bahnhofsnähe habe die Stadt schließlich. Allerdings sei ein großes Kino für eine Stadt der Größe Bietigheim-Bissingens schlicht nicht rentabel. Dafür bräuchte man demnach rund doppelt so viele Einwohner.
Die Schülerinnen entgegneten, dass ein Kino in Bietigheim auch Publikum aus Ingersheim, Sachsenheim und dem weiteren Umland anlocken könnte. Es bräuchte einen privaten Investor, fasste Kessing die Problematik zusammen. Stattdessen verwies er auf das Open-Air-Angebot der Stadt im Sommer auf dem Schulhof der Realschule im Aurain als mögliche Alternative. Ähnliche Veranstaltungen gebe es auch in den umliegenden Gemeinden immer wieder. „Man kann nicht erwarten, dass an jedem Ort alles vorgehalten wird“, so der OB.
Eine zufriedenstellendere Antwort konnte Kessing beim zweiten Themenblock, der Frage nach den ungenügenden Hallenzeiten, geben. Dass der Bedarf nach einer weiteren Dreifeldhalle bestehe, wisse man, daher sei man bereits in Gesprächen mit einem Investor, der sich vorstellen könne, eine neue Halle in der Stadt zu bauen (die BZ berichtete). Läuft alles nach Plan, könne möglicherweise bereits gegen Ende des Jahres mit dem Bau begonnen werden. Ein Schüler regte an, Hallen wie in Dänemark durchgehend zu öffnen, sodass man auch alleine oder mit der Familie trainieren könne. Kessing erwiderte, dass es sich in Dänemark dabei einerseits nicht um öffentliche, sondern um Vereinshallen handele, und andererseits die Videoüberwachung dort ein deutlich geringeres Problem darstelle als hier.
Mehr Mülleimer und Bänke
Als drittes Anliegen regten die Jugendlichen die Bereitstellung von mehr Mülleimern an, wodurch, so die Argumentation, weniger Müll in der Umwelt landen würde. Der OB antwortete, dass man dabei das richtige Maß finden müsse. Bei zu vielen Mülleimern lande dort sonst auch der Hausmüll. Aktuell gebe die Stadt über eine Million Euro jährlich für die Müllbeseitigung aus. Im Gemeinderat werde man demnächst jedoch über eine mögliche Verpackungssteuer nach Tübinger Vorbild diskutieren.
Mehr Sitzgelegenheiten, allen voran an Bushaltestellen, war ein weiterer Wunsch der Schülerinnen und Schüler. Kessing zog dieses Anliegen als Musterbeispiel für Kommunalpolitik heran. Dabei gelte es nämlich, die Interessen der einen Seite mit denen der Anwohner, die sich über verstärkten Lärm und Müll beschweren würden, gegeneinander abzuwägen. So habe man in der Vergangenheit bereits Bänke von Bushaltestellen aufgrund wiederholter Beschwerden entfernt. Sollte sich die Lage an bestimmten Stellen beruhigt haben, könne man dort zwar einen erneuten Versuch starten, aber immer mit der Option, die Bänke wieder abzubauen.
Der letzte Themenblock bezog sich auf das in die Jahre gekommene Schwimmbad in Bissingen, bei dem mindestens kleinere Sanierungsmaßnahmen, etwa neue Startblöcke, angebracht seien, so die Schüler. Kessing erklärte, dass die Stadt und die Stadtwerke perspektivisch ein neues Schwimmbad auf der Fläche hinter dem Freibad geplant hatten, zwischenzeitlich jedoch das Geld ausgegangen sei. Priorität hatte demnach die Sanierung der Schulen sowie die Schaffung von Kindergartenplätzen. In der Konsequenz versuche man deshalb die bestehenden Bäder so lange wie möglich zu nutzen. Für kleinere Maßnahmen, deren Kosten überschaubar seien, sei er jedoch offen.
