Bietigheim-Bissingen: Bis zu 30 Prozent mehr Fahrgäste durch 9-Euro-Ticket

Die Busse der Firma Spillmann wurden durch das 9-Euro-Ticket auch deutlich stärker frequentiert. Doch es müsse jetzt noch mehr passieren, um den ÖPNV attraktiver zu gestalten.
/Martin KalbDrei Monate lang konnte man in Deutschland recht unkompliziert den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) nutzen. Für gerade einmal neun Euro pro Monat mit dem Zug durch Deutschland, die Straßenbahnen und Bussen in großen Städten nutzen, kein Problem. Auch in Bietigheim-Bissingen und Umgebung wurde das 9-Euro-Ticket genutzt. Tobias Hähnle, bei Spillmann für ÖPNV-Planung und Qualitätsmanagement zuständig, zieht ein positives Fazit nach drei Monaten: „Wir sind ganz zufrieden mit der Nutzung des 9-Euro-Tickets. Der Fahrgastanstieg betrug zwischen 20 und 30 Prozent in dieser Zeit, hat sich glücklicherweise aber sehr gleichmäßig verteilt.“
Während es immer wieder Berichte zu überfüllten Zügen im ganzen Land gab und Fahrgäste nicht mitreisen konnten, gab es bei den Bussen von Spillmann keine Probleme. „Uns kam es auch entgegen, dass diese Aktion im Sommer stattfand, wo zum Beispiel auch viele Schüler mit dem Rad unterwegs sind. Im Winter hätten uns 20 bis 30 Prozent mehr Fahrgäste schon in Schwierigkeiten bringen können“, sagt Hähnle.
ÖPNV steht im Mittelpunkt
7754 der vergünstigten Fahrkarten hat Spillmann in den Bussen und auch im Service-Center am Bahnhof verkauft. Auch über andere Anbieter wie zum Beispiel die VVS-App konnten die Tickets erworben werden. Sozialpolitisch sei das Ticket definitiv sinnvoll gewesen, findet Hähnle. „Dass der ÖPNV durch diese Aktion so im Zentrum der öffentlichen Wahrnehmung stand, war schön und wichtig. Aber jetzt muss es auch weitergehen. Es gibt viele Möglichkeiten wie in den ÖPNV investiert werden kann“, so Hähnle. Konkret wünscht er sich, dass zum Beispiel der 15-Minuten-Takt auf den Hauptlinien erweitert wird. Doch dafür müsse der Bund und das Land mehr Geld in den Nahverkehr stecken. Auch ein ÖPNV ohne Tarif-Dschungel wäre eine gute Entwicklung, um den Nahverkehr attraktiver zu gestalten. „Eine einfache und übersichtlicher Nutzungsstruktur würde schon viel helfen“, ist sich Hähnle sicher.
Die Finanzierung des 9-Euro-Tickets sei schnell und unkompliziert gelaufen. „Wir haben die Differenz erstattet bekommen, die durch das 9-Euro-Ticket entstanden ist. Der Bund kam für die Mindereinnahmen auf und das Geld kam zeitnah bei uns an“, so Hähnle.
Allerdings sieht auch Hähnle, dass der eigentliche Effekt mit dem 9-Euro-Ticket nicht erzielt wurde: „In diesen drei Monaten war nicht wirklich weniger auf den Straßen los. Es wurden eher Fahrten gemachte, die ohne Angebot nicht gemacht worden wären“, erklärt Hähnle. Für ihn wäre es daher sinnvoller weniger am Preis, als an der Verfügbarkeit des ÖPNV zu arbeiten, um mehr Menschen dazu zu bewegen umzusteigen.
Finanzierung muss sich ändern
Auch der VVS sieht dringenden Handlungsbedarf. In einer Mitteilung zur Halbjahresbilanz erklärt der Verkehrsverbund: „Die stark gestiegenen Energiepreise belasten die Verkehrsunternehmen in einem bisher nicht gekannten Ausmaß. Hier muss die Bundes- und Landespolitik die finanziellen Rahmenbedingungen baldmöglichst ändern.“
Durch das 9-Euro-Ticket sei im Juni sogar das Niveau der Zeit vor Corona erreicht worden. „Wir sind sehr gespannt, wie sich die guten Erfahrungen der meisten Kundinnen und Kunden auf die Nachfrage im Herbst auswirken werden“, sagte VVS-Geschäftsführer Thomas Hachenberger in der Mitteilung.