Zementwerk in Dotternhausen
: Vom dauerhaften Streit um den Zement

Der Verein Natur- und Umweltschutz Zollernalb übt erneut scharfe Kritik am Zementwerk in Dotternhausen. Holcim betont den Bezug zur Region und den Einsatz modernster Technik.
Von
Jennifer Dillmann
Dotternhausen
Jetzt in der App anhören

Das Gestein des Ölschiefer-Steinbruchs zählt zum Lias Epsilon und ist rund 180 Millionen Jahre alt. Es steht in einer Mächtigkeit bis zehn Metern an und wird im Tagebau durch Bagger oder mittels Sprengungen gewonnen.⇥

Honorarfrei

Ende Mai war Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer aus Freiburg nach Dotternhausen angereist, um mit dem Gemeinderat, den Anliegern der Seilbahn des Zementwerks Holcim sowie den Vertretern des Vereins für Natur- und Umweltschutz Zollernalb (NUZ) zu sprechen. Zwischenzeitlich haben die Vertreter des NUZ wiederum Freiburg einen Besuch abgestattet, um erneut mit Präsidentin Schäfer sowie Abteilungsdirektor Axel Brasse zu sprechen.

Norbert Majer, Vorsitzender des NUZ, schreibt in seiner Presseerklärung: „Der Ölschieferabbau spielte besonders im ganzen Zollernalbkreis in den letzten Kriegsjahren eine besondere Rolle. Erst nach und nach wurde von Rohrbach Zement wieder eine Nutzung des schlechtesten und unausgiebigsten fossilen Brennstoffes überhaupt im Zusammenhang mit Eigenstromerzeugung und Zementherstellung entwickelt.“

Abgasreinigung erfolgt nach heutigem Stand

Majer setzt die Technik des Zementwerks also in einen Kontext der alten Kriegszeit und fordert darüber hinaus „Abgasreinigungen nach dem heutigen Stand der Technik und die Messungen aller giftigen Abgase, wie bei Großfeueranlagen nach der neuen TA Luft (Abkürzung für: Technische Anleitung zur Reinhaltung der Luft)“. NUZ sieht die Ölschieferverbrennung sehr kritisch, ebenso wie der Landesnaturschutzverband.

Ein weiterer Vorwurf lautet: „Immerhin handelt es sich um eine Luftbelastung mit rund 210 000 Kilogramm Stickoxiden und rund 283 000 Kilogramm Schwefeldioxiden und rund 190 000 Tonnen CO2 pro Jahr, also ein großer Verschmutzungsherd für Luft und Klima. Andere Abgasgiftstoffe dieser Großfeuerungsanlage, die durch die Kamine in die Luft gehen, werden nicht bekannt gegeben, beziehungsweise gar nicht erst gemessen?“ Während bei anderen fossilen Brennstoffen wie Kohle längst mit SCR-Katalysatoren und Entschwefelungen die Giftschadstoffe aus der Luft zurückgehalten oder umgewandelt würden, fehlten solche Anlagen in Dotternhausen, sagen die NUZ-Vertreter.

Holcim legt Umweltdaten vor

Sabine Schädle, Leiterin Kommunikation bei Holcim, entgegnet: „Holcim informiert offen und regelmäßig zu aktuellen Themen und publiziert die Umweltdaten.“ Diese sind über die Homepage zugänglich. Das Unternehmen halte außerdem alle Grenzwerte ein und sei vielmals besser als vom Gesetzgeber vorgegeben.

Laut den dort zugänglichen Informationen lagen die tatsächlichen Jahresfrachten im Jahr 2022 für Block eins bis vier bei 273 860 Kilogramm Stickoxid und 137 368 Kilogramm Schwefeloxid – womit sich die Daten zu den Angaben in der Erklärung vom NUZ unterscheiden.

Auf die Frage hin, inwiefern die hohe Umweltbelastung gerechtfertigt ist, erklärt die Sprecherin von Holcim: „Für unsere gebaute Umwelt, für unsere Infrastruktur und Mobilität, sind die Baustoffe Zement und Beton unverzichtbar. Sie werden mit mineralischen Rohstoffen aus der Region für Bauprojekte in der Region hergestellt.“ Vor allem beim Brennen des Rohstoffs Kalkstein zum Zwischenprodukt Klinker wird Kohlendioxid freigesetzt. „Dieser Produktionsprozess ist kennzeichnend für die gesamte Zementindustrie und verursacht Kohlendioxid-Emissionen, die sich trotz Technik nicht vermeiden lassen.“

Wie lassen sich die CO2-Belastungen senken?

Während der Konzern den Bezug zur Region betont, macht NUZ den Vorwurf, dass vor allem die drei Schweizer Zementwerke und die dortige Umwelt von dem Verfahren profitieren würden, da diese die „CO2-Belastung durch die Beimischung zum Zement“ einsparen könnten.

Jedenfalls könne die jetzige Situation wegen Gesundheitsbelastungen und heutigen Klima-Anforderungen so nicht weiter geduldet werden, erklärt NUZ. Auch Holcim sieht sich im Kontext eines „enormen Transformationsprozess“, der die gesamte Baustoffindustrie weltweit betreffe. „Unser Ziel ist es, langfristig den CO2-Fußabdruck stetig zu verringern – bis hin zum Netto-Null-Unternehmen“, versichert Holcim. Für das Zementwerk in Dotternhausen werde im Moment die bestmögliche Technik verwendet.