Zehn Jahre Elternselbsthilfe Zollernalbkreis: Wenn Kinder in die Suchterkrankung rutschen, finden Eltern hier Hilfe

Elternkreisleiter Adalbert Gillmann präsentiert das Programm zur Jubiläumsfeier. Im Balinger Zwingergarten, wo das Foto entstand, findet am 19. Juli die Andacht anlässlich des Gedenktags für verstorbene Drogengebrauchende statt.
Andrea Maute- Elternselbsthilfe Zollernalbkreis unterstützt seit zehn Jahren Eltern suchtkranker Kinder.
- Gründer Adalbert Gillmann berichtet offen: Eigene Kinder rutschten in die Suchterkrankung.
- Der Elternkreis arbeitet themenbasiert – von „Nein sagen lernen“ bis „Vergangenheit loslassen“.
- 203 Eltern nahmen bisher teil, viele erleben besseren Umgang in der Familie.
- Jubiläum: Feier am Samstag, 25. Juli, 18 Uhr, Eberthalle Balingen – Anmeldung per E-Mail.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Gemeinsam tragen, was allein zu schwer ist. Es ist ein Satz, den sich die Elternselbsthilfe Zollernalbkreis für suchtgefährdete und suchtkranke Töchter und Söhne auf die Fahnen geschrieben hat. Und das seit nunmehr zehn Jahren.
Was 2016 mit der Gründung der Gruppe begann, hat Großes wachsen lassen. „Aus Schmerz“, schreibt Elternkreisleiter Adalbert Gillmann in seinem Vorwort zum Jubiläum, „entstand Hoffnung.“ Und aus damals acht betroffenen Eltern eine lebendige Gemeinschaft, von der sich bis heute ganz viele getragen fühlen dürfen.
Man ist nicht allein
Wenn er zurückblickt, dann blickt er auf eine Zeit, die für ihn und seine Familie wahrlich keine leichte war; die mit Angst, Hilflosigkeit und schlaflosen Nächten einher ging. „Damals war ich kein Elternkreisleiter. Kein Referent. Kein Ansprechpartner für andere Familien. Ich war einfach nur Vater“, sagt er. Ein Vater, dessen Leben von einem auf den anderen Tag aus den Fugen geriet, als zwei seiner drei Kinder in die Suchterkrankung abrutschten.
Solche persönlichen Einblicke zu gewähren, ist wahrlich nicht leicht. Adalbert Gillmann geht offen damit um und hat diesen Weg ganz bewusst gewählt, um betroffenen Eltern durch seine eigene Geschichte Mut zu machen. „Denn erst als ich selbst den Mut fand, eine Elternselbsthilfegruppe zu besuchen, wurde mir bewusst: Ich bin nicht allein.“
Auf das Angebot stieß er damals eher zufällig. Als er mit seinem Sohn die Suchtberatungsstelle in Rottweil besuchte, fiel ihm ein Flyer der Elternselbsthilfe Villingen-Schwenningen ins Auge. „Ich habe mich dann entschlossen, einfach mal hinzugehen und zuzuhören“, berichtet er.
Beim Zuhören sollte es allerdings nicht bleiben. Denn als er am Ende gefragt wurde, ob er auch seine Geschichte erzählen wolle, hat er es getan. Sich „ungefiltert“ den ganzen Schmerz von der Seele geredet und seine Tränen nicht zurückgehalten. Was dabei geschah, hatte eine reinigende Wirkung. „Ich fand nicht nur Trost, Halt und Menschen, die mir Hoffnung schenkten. Sondern ich fühlte mich wie befreit“, erinnert er sich; ein Gefühl, das ihn so beflügelte, dass er auf dem Heimweg zum ersten Mal nach langer Zeit wieder Lieder mitsang, die im Autoradio liefen.
Von da an war er regelmäßig bei den Treffen dabei, zu denen ihn nach etwa fünf Monaten auch seine Ehefrau begleitete. Sieben Jahre lang nahmen sie 65 Kilometer Wegstrecke in Kauf, um die Gruppenabende zu besuchen. Als dann die Gruppenleiterin ihr Amt abgab und ihm die Leitung übertragen wollte, lehnte Adalbert Gillmann allerdings trotzdem ab. „Der Weg war einfach sehr weit“, erklärt er und hatte schon damals den Gedanken im Kopf, dem die Elternselbsthilfe Zollernalbkreis ihre Existenz verdankt: „Dann gründe ich lieber eine Gruppe in Balingen.“
„Ohne Selbsthilfe schafft man es nicht“
Aus dem Gedankenspiel wurde am 8. August 2016 Realität. An diesem Tag wurde die Elternselbsthilfe Zollernalbkreis für suchtgefährdete und suchtkranke Töchter und Söhne aus der Taufe gehoben.
Die Tätigkeit als Elternkreisleiter ist für Adalbert Gillmann weit mehr als eine Aufgabe. Sie ist, so kann man mit Fug und Recht sagen, seine Berufung. Stetig bildet er sich weiter, besuchte anfangs unter anderem Moderationsseminare und entwickelt laufend neue Ideen (unter anderem einen Podcast) - immer mit dem großen Ziel vor Augen, den Menschen zu helfen, die dieselben Probleme haben. Denn eines kann er heute aus Erfahrung sagen: „Ohne Selbsthilfegruppe schafft man es nicht.“
Wichtig ist ihm in diesem Zusammenhang, mit Klischees aufzuräumen. „Viele denken, eine Selbsthilfegruppe ist eine Art Kaffeekränzchen“, berichtet er. Dabei sei sie Arbeit - in erster Linie an sich selbst. „Man muss bereit sein, etwas zu tun“, macht er deutlich. Das beinhalte auch, loszulassen und die Verantwortung für das Handeln des Kindes auf dieses selbst zu übertragen. „Das Kind auf den Lebensweg schicken“, drückt es Adalbert Gillmann aus.
Welchen besonders wichtigen Rat kann er den Vätern und Müttern geben? Heute, sagt er, kämen Kinder schon mit 12, 13 Jahren mit Drogen in Berührung. Die meisten Eltern bemerkten dann zwar, dass sich ihr Kind verändere. „Viele schieben es allerdings auf die Pubertät und warten erst mal ab“ - ein entscheidender Fehler, durch den Jahre verstreichen, in denen die Kinder und Jugendlichen immer weiter den Teufelskreis geraten. Sein Appell lautet deshalb: „Sich Hilfe holen, sobald man bemerkt, dass etwas nicht stimmt.“
Den Eltern möchte er Mut machen, die Hemmschwelle zu überwinden, die ein erster Besuch der Gruppe mit sich bringt. Denn in dieser sei man kein Exot. „Man ist unter Menschen, die wissen, wie sich Ohnmacht anfühlt.“
Mit den Jahren hat Adalbert Gillmann ein Konzept entwickelt, das die Elternselbsthilfe Zollernalbkreis von anderen Gruppen abhebt. Jeder Abend steht thematisch unter einer anderen Überschrift. Mal ist es „Nein sagen lernen“, mal „Vergangenheit loslassen und akzeptieren.“ Auch Workshops und gemeinsame Aktivitäten gehören zum Programm.
Bis heute haben 203 betroffene Eltern die Gruppenabende besucht. Den allermeisten gehe es dadurch nicht nur persönlich besser. Auch der Umgang innerhalb der Familie habe sich verbessert, weiß Adalbert Gillmann zu berichten. Besonders bewegend sind für ihn die Worte eines Mädchens, das heroinsüchtig war und den Wunsch äußerte, einmal selbst an einem der Abende teilzunehmen.
Sie durfte es und ließ anschließend wissen: „Seit meine Eltern in die Gruppe kommen, kann ich wieder mit ihnen sprechen.“ Der schönste Dank, den man erhalten kann.
Zehn Jahre Hoffnung, Halt und neue Wege
Die Elternselbsthilfe Zollernalbkreis für suchtgefährdete und suchtkranke Töchter und Söhne feiert ihr zehnjähriges Jubiläum am Samstag, 25. Juli, ab 18 Uhr in der Balinger Eberthalle.
Betroffene Eltern, Angehörige und Partner sind herzlich zur Feier eingeladen und können die Gelegenheit nutzen, die Elternselbsthilfe persönlich kennenzulernen, mit anderen Eltern ins Gespräch zu kommen und einen authentischen Einblick in die Arbeit zu erhalten.
Da die Teilnehmerzahl begrenzt ist, wird um Anmeldung unter info@elternselbsthilfe-zak.de gebeten.
Weitere Informationen zur Gruppe und zum Jubiläumsabend findet man unter www.elternselbsthilfe-zak.de.
