„World Press Photo“ in Balingen: Die Welt in Bildern – was diesmal bei der Ausstellung zu sehen ist

Die „World Press Photo“-Ausstellung macht dieses Jahr bereits zum sechsten Mal in Balingen Station.
Lea Irion- Die „World Press Photo“-Ausstellung in Balingen zeigt preisgekrönte Fotos vom 6. bis 29. Juni.
- Themen: Krieg, Klimakrise, Migration, persönliche Schicksale und Momente der Freude.
- Siegerbild: Mahmoud Ajjour aus Gaza, fotografiert von Samar Abu Elouf.
- Begleitprogramm: Rafael Heygster spricht über seine AfD-Fotoreihe am 17. Juni.
- Eintritt: 9,50 Euro, ermäßigt 7,50 Euro.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Das Porträtfoto des 21-jährigen Mika, der 22 Monate auf eine Erstberatung in einer Transgender-Klinik warten musste, teilt sich die Wand mit Aufnahmen des verstummten Kiwusees in Afrika. Wortlos erzählen die Bilder Geschichten von schwindenden Fischbeständen, Folgen der Klimakrise und persönlichen Schicksalsschlägen.
Wie jener von Mika, dessen OP-Narben zum Zeitpunkt der Aufnahme noch frisch sind. Die Kosten für seine Brustoperation und die Hormonbehandlung hat der Niederländer schließlich selbst übernommen.
Das Siegerbild, von zwei Leuchten angestrahlt, wird allein an einer Wand präsentiert. Es zeigt den neunjährigen Mahmoud Ajjour aus dem Gazastreifen. Auf der Flucht vor einem israelischen Angriff im März 2024 wurde er schwer verletzt und verlor seine Arme. Sein Gesicht ist dem einfallenden Sonnenlicht zugewandt, er blickt zur Seite. Aufgenommen hat das Bild die palästinensische Fotografin Samar Abu Elouf, die selbst aus Gaza evakuiert wurde.
In leuchtenden Farben zeigt ein weiteres Bild den Bodybuilder Tamale Safalu, der im Jahr 2020 nach einem Motorradunfall sein Bein verlor. Er wurde zum ersten Sportler Ugandas mit Handicap, der gegen körperlich gesunde Athleten antritt.

Bürgermeister Ermilio Verrengia betrachtet das diesjährige Gewinnerfoto von „World Press Photo“.
Lea IrionVerbindung durch Emotionen
Die Botschaften der ausgezeichneten Fotografien der World-Press-Photo-Ausstellung in der Balinger Stadthalle sind laut: Sie regen zum Nach- und Umdenken an, manche sind schmerzhaft, andere hoffnungsvoll. „Mit den Fotos werden Geschichten erzählt, die von Bedeutung sind und Emotionen vermitteln“, sagte Kuratorin Mariana Rettore Baptista bei der Vernissage am Donnerstagabend. Die Motive zeigen eine harte Realität: von Krieg über Migration bis hin zu Klimakrise. Ziel der Ausstellung sei es, die Dringlichkeit dieser Probleme zu verdeutlichen und das Bewusstsein dafür zu schärfen.
Preisträger kommt in die Balinger Zehntscheuer
Vom 6. bis zum 29. Juni werden die Fotos in der Balinger Stadthalle zu sehen sein. Die Ausstellung hat täglich von 10 bis 19 Uhr (sonn- und feiertags ab 11 Uhr) und dienstags und donnerstags bis 21 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet 9,50 Euro (ermäßigt: 7,50 Euro).
Neben öffentlichen Führungen (Uhrzeiten sind auf der Homepage der Balinger Stadthalle aufgeführt) gibt es ein Rahmenprogramm: Preisträger Rafael Heygster wird am 17. Juni, um 19 Uhr, in der Balinger Zehntscheuer über die Hintergründe seiner AfD-Fotoreihe sprechen.
Für den „World Press Photo Contest 2025“ haben rund 3700 Fotografinnen und Fotografen mehr als 60.000 Bilder eingereicht. Die 144 Siegerbilder sind in der „World Press Photo“-Ausstellung zu sehen, die vom 6. bis zum 29. Juni in Balingen Station macht. Die ausgestellten Fotos wurden von einer internationalen Jury nach unterschiedlichen Kriterien bewertet: Neben der visuellen Qualität spielen Faktoren wie die Relevanz, Aktualität und Diversität eine entscheidende Rolle, so Baptista. Bei jeder einzelnen Aufnahme sei zudem sichergestellt worden, dass das Einverständnis aller Abgelichteten vorliege.
Sie empfiehlt, sich für den Rundgang durch die Ausstellung viel Zeit zu nehmen. „Betrachtet die Ausstellung als das, was sie ist: ein Geschenk.“ Die „World Press Photo Foundation“ setzt sich seit ihrer Gründung vor 70 Jahren für Pressefreiheit ein. „Die Pressefreiheit nimmt auf der ganzen Welt immer weiter ab“, warnte Baptista. Auch darauf will die Stiftung mit der Ausstellung aufmerksam machen. „Es geht darum, den Mut und die Ausdauer der Fotojournalistinnen und Journalisten sichtbar zu machen“, bemerkte der Moderator des Abends, Thomas Jones.
„Wir sind sehr stolz darauf, dass Balingen bereits zum sechsten Mal Heimat für die World-Press-Photo-Ausstellung sein darf“, betonte Oberbürgermeister Dirk Abel. Schon vor der Eröffnung hätten Lehrkräfte 14 Schulklassen angemeldet.

Prins de Vos ist einer der Preisträger in der Kategorie „Einzelfotos“. Der niederländische Fotograf hat den 21-jährigen trans* Mann Mika kurz nach seiner Operation abgelichtet.
Lea IrionFotojournalismus in Zeiten von Deepfakes
Welche Rolle spielt Fotojournalismus in Zeiten von Bildmanipulation? Kann man echte Bilder überhaupt noch von sogenannten Deepfakes unterscheiden, die mithilfe von Künstlicher Intelligenz generiert werden? Um solche Manipulationen auszuschließen, werde die Jury von einem Rechercheteam und Faktenprüfern unterstützt, sagte Baptista. „Wir nehmen das sehr ernst.“
Täglich werden wir Menschen von Bilderfluten überrollt: Die Ausstellung soll einen Gegenentwurf dazu bieten, betonte die Kuratorin. „Es ist eine Möglichkeit der intensiven Auseinandersetzung mit den Bildinhalten.“ Nicht nur mit dem, was die Besucherinnen und Besucher sehen, sondern auch mit den hervorgerufenen Emotionen.
Demokratiesterben und Kenias Jugendrevolte
Wenige Schritte von dem Siegerbild entfernt hängen vier Bilder aus der Reihe „Die Demokratie stirbt in der Dunkelheit“. Die Arbeit des deutschen Fotografen Rafael Heygster, der am 17. Juni nach Balingen kommt, ist im Spiegel-Magazin erschienen. 2024 besuchte er Wahlkampfveranstaltungen der AfD. Er wollte untersuchen, wie sich die Rechtsaußen-Partei selbst darstellt. Besonders eindrücklich: die Nahaufnahme der Augen von Parteichefin Alice Weidel.
Auch medial kaum beachtete Konflikte haben Fotografinnen und Fotografen dokumentiert. Etwa die Jugendrevolte in Kenia – und ihre Folgen. Ausgelöst durch die angekündigten Steuererhöhungen des Finanzministers stürmten junge Kenianerinnen und Kenianer am 25. Juni vergangenen Jahres das Parlament. Auf einem der Bilder sind vier junge Männer zu sehen, die einen schwer verwundeten Demonstranten tragen. Das Gesicht des Mannes ist schmerzverzerrt, der zerrissene, blutgetränkte Jeansstoff klebt an seiner Haut.
Zwischen diesen Bildern findet man aber auch Momentaufnahmen intensiver Freude. Etwa das Lieblingsfoto der Kuratorin: Es zeigt Fans des Fußballvereins Botafogo, die den den historischen Sieg ihrer Mannschaft in Rio de Janeiro feiern. Nachdem sie sich eine Woche emotional nur schwer verdauliche Motive angesehen hätten, sei das Bild des südamerikanischen Fotografen André Coelho an der Reihe gewesen. „Es kam uns vor wie eine Umarmung unserer Herzen“, sagte Kuratorin Mariana Rettore Baptista.

