World-Press-Photo-Ausstellung Balingen
: Bilder, die sich ins Gedächtnis brennen

Sie zeigen die Lebensrealität und sie rütteln auf: Die preisgekrönten Fotos, die bis zum 13. August im Rahmen der „World-Press-Photo-Ausstellung“ in der Balinger Stadthalle zu sehen sind.
Von
Andrea Maute
Balingen
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  • Anush Babajanyan hat in diesem Jahr beim World-Press-Photo-Award den ersten Platz in der Kategorie „Langzeit-Fotoprojekt“ belegt. Ihr Projekt, das den Titel „Misshandelte Gewässer“ trägt, stellte sie am ersten Ausstellungstag in Balingen vor.

    Anush Babajanyan hat in diesem Jahr beim World-Press-Photo-Award den ersten Platz in der Kategorie „Langzeit-Fotoprojekt“ belegt. Ihr Projekt, das den Titel „Misshandelte Gewässer“ trägt, stellte sie am ersten Ausstellungstag in Balingen vor.

    Andrea Maute
  • Das Foto von Evgeniy Maloletka, das die Folgen des Angriffs auf die Geburtsklinik Mariupol zeigt, hat Menschen weltweit erschüttert.

    Das Foto von Evgeniy Maloletka, das die Folgen des Angriffs auf die Geburtsklinik Mariupol zeigt, hat Menschen weltweit erschüttert.

    Evgeniy Maloletka
  • Unter dem Titel „Das große Vergessen“ macht Lee-Ann Olwage auf das Schicksal Demenzkranker in Afrika aufmerksam.

    Unter dem Titel „Das große Vergessen“ macht Lee-Ann Olwage auf das Schicksal Demenzkranker in Afrika aufmerksam.

    Lee-Ann Olwage
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Sie berühren. Und hinterlassen Eindrücke, die nachhallen: Bilder, die sich ins Gedächtnis brennen. Mal sind sie verstörend, mal spektakulär. Und manchmal – da zeigen sie auf pure, herzerwärmende Weise Szenen aus dem Alltag; einen winzigen Moment im sich stetig weiterdrehenden Rad des Lebens. Festgehalten von Fotografinnen und Fotografen rund um den Erdball.

Die Bilder, die in der World-Press-Photo-Ausstellung in der Balinger Stadthalle zu sehen sind, sind ebenfalls um die Welt gegangen. Sie stehen in Zusammenhang mit bestimmten Ereignissen auf der (politischen) Weltbühne, führen vor Augen, wie der Klimawandel Lebensräume und Lebensgewohnheiten verändert. Und sie zeigen den stillen Augenblick ebenso wie den lauten.

Authentische Bilder

Um es mit den Worten eines Foto-Künstlers zu sagen: „Ein gutes Bild bildet und bildet ab.“ Es ist authentisch (das wichtigste Kriterium des World-Press-Photo-Awards) und zeigt ungeschminkt und ungeschönt das, was man Lebensrealität nennt. Mal von ihrer grausamen und nachdenklichen, mal von ihrer schönen und unbeschwerten Seite.

Seit 55 Jahren sind die besten Aufnahmen im Wettbewerb um das „Pressefoto des Jahres“ in einer Wanderausstellung zu sehen, die in fast 50 Ländern in mehr als 100 Städten Station macht. Balingen ist eine davon. Insgesamt 150 Bilder, die allesamt einen der ersten drei Plätze belegt haben, sind bis zum 13. August in der Stadthalle zu sehen.

Preisträgerin zu Gast in Balingen

Der erste Preis in der Kategorie Langzeit-Fotoprojekt ging an die aus Armenien stammende und in Deutschland lebende Fotografin Anush Babajanyan. Am ersten Ausstellungstag war sie in Balingen zu Gast und gewährte dort Einblicke in ihr Projekt, das den Titel „Misshandelte Gewässer“ trägt. Es hat folgenden Hintergrund:

Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion Anfang der 90er Jahre hatten die Länder in Zentralasien mit Umweltproblemen und der schlechten Koordination des gemeinsamen Wassers zu kämpfen. Kirgisistan und Tadschikistan kontrollieren die beiden großen Flüsse in dieser Region, die nach Usbekistan und ins wasserdurstige Kasachstan fließen. „Die Menschen in dieser Region sind stark und setzen sich schon seit vielen Jahren mit dem Problem im Wassermanagement auseinander“, weiß Anush Babajanyan. „Ich habe sie dabei fotografiert, wie sie ihren Alltag leben, wobei die Dinge an manchen Tagen gut und an anderen schlechter sind.“

Der Klimawandel und seine Folgen

Das Thema Wasser – es ist mit dem Leben der Bewohner untrennbar verbunden. „Die Dinge ändern sich, weil sich das Klima ändert. Und die Menschen passen sich daran an. Ich wollte diesen starken Geist einfangen“, betont die Preisträgerin. Über Geschichten aus Zentralasien werde nicht genug berichtet. Sie würden nicht oft genug erzählt. „Und einer der Gründe, warum ich froh bin, dass dieses Projekt gewonnen hat, ist, dass ich diese Geschichte jetzt mit einem größeren Publikum teilen kann.“

Welche Momente hat Anush Babajanyan mit der Kamera eingefangen? Ein Bild zeigt Frauen an einer heißen Quelle, die nahe des Dorfes Akespe in Kasachstan im ausgetrockneten Bett des Aralsees aufgebrochen ist. Der Aralsee, einst der viertgrößte See der Erde, hat 90 Prozent seines Wassers verloren, seit man begann, seine Zuflüsse umzuleiten.

Auf einem anderen ist eine Gruppe von Besuchern zu sehen, die die Rogun-Talsperre fotografieren, die im Osten Tadschikistans zur Stromerzeugung durch Wasserkraft gebaut wird. Die 335 Meter hohe Staumauer soll 2028/29 fertiggestellt werden. Und eine weitere Aufnahme zeigt das durch Schlamm rot gefärbte Wasser des Flusses Amudarja in Usbekistan, dessen Wasserspiegel immer weiter sinkt.

Foto des Jahres ging um die Welt

Sehr bewegend sind auch die Beiträge der weiteren Preisträger. Menschen auf dem gesamten Globus erschüttert hat etwa das „Foto des Jahres“ von Evgeniy Maloletka aus der Ukraine, der die schrecklichen Folgen des Luftangriffs auf die Geburtsklinik in Mariupol festgehalten hat. „Das Gefühl des Unwirklichen – das ist wirklich passiert“, beschreibt er die Situation.

Auf die Geschichten der Demenzkranken in Afrika macht Lee-Ann Olwage aufmerksam. Ihr Foto („Das große Vergessen“) ist das Titelbild zur Ausstellung, die den Betrachter an Schicksalen teilhaben und ihn den aufgenommenen Faden gedanklich weiterspinnen lässt.

Die World-Press-Photo-Ausstellung ist noch bis zum 13. August in der Balinger Stadthalle zu sehen. Geöffnet ist sie täglich von 10 bis 19 Uhr (sonntags ab 11 Uhr) sowie dienstags und donnerstags bis 21 Uhr. Der Eintrittspreis beträgt für Erwachsene 9,50 Euro. Für Schüler, Studierende, Auszubildende und Schwerbehinderte mit entsprechendem Ausweis sowie Besucher mit einem Gartenschau-Ticket gibt es ermäßigte Karten für 7,50 Euro.

Rahmenprogramm in der Balinger Zehntscheuer

Nino Strauch, Porträt-, Werbe- und Dokumentarfotograf, stellt am Mittwoch, 26. Juli, um 19.30 Uhr unter dem Titel „Fotografie als Brücke zwischen den Kulturen“ seine Werke vor.

Eine Matinée über das Verschmelzen von Beruf und Fotografie mit Bernhard Jung findet am Sonntag, 30. Juli, um 11 Uhr statt.

Matthias Steinbach, Lehrbeauftragter für Sozialfotografie und Dokumentarfotografie an der Fachhochschule Potsdam, wird am Freitag, 4. August, um 19.30 Uhr im Rahmen eines Interviews zum Thema „Freie Dokumentarfotografie versus Bildjournalismus im Auftrag“ in Balingen referieren.

Uli Staiger, Fotokünstler, steht am Samstag, 5. August, um 19.30 Uhr Rede und Antwort zu seinem Gesamtkunstwerk. Der Titel der Veranstaltung lautet: „Fotografisches Handwerk versus künstliche Intelligenz.“

Ein Foto-Slam zum Thema „Wunder“ bringt am Dienstag, 8. August, um 19.30 Uhr einzigartige Momente im Leben von 15 Menschen aus dem Zollernalbkreis und der Region in die Balinger Zehntscheuer.

Tickets können jeweils vor Ort erworben werden.