Weltsynode in Rom: Pfarrer Wolfgang Braun: „Kirche muss die Menschen mitnehmen“

Aufmerksam sein, andere verstehen und voneinander lernen wollen: Für Pfarrer Wolfgang Braun ist das ein wichtiger Punkt. In der Kirchengemeinde Heilig Geist in Balingen wird Wert auf Gemeinschaft gelegt – und die Ökumene gelebt.
Andrea Maute- Pfarrer Wolfgang Braun von der Kirchengemeinde Heilig Geist in Balingen teilt seine Eindrücke der Weltsynode.
- Bei der Synode saßen alle Teilnehmenden gleichberechtigt um runde Tische, was als Beispiel für die Kirche dienen soll.
- Wichtig sind Beteiligung und Dezentralisierung; Laien sollen mehr bei Bischofswahlen einbezogen werden.
- Thema der Frauenrolle bleibt kontrovers; lokale Lösungen könnten helfen.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Die Kirche ist aktuell massiv herausgefordert, neu über ihre Identität und notwendige Reformen nachzudenken, um ihrem Auftrag gerecht zu werden.
Unter der Überschrift „Für eine synodale Kirche: Gemeinschaft, Teilhabe, Sendung“ wurde 2021 die Bischofssynode in Rom eröffnet, die als vierjähriger weltweiter Prozess angelegt war. Im Oktober 2024 haben die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ein Abschlussdokument verabschiedet.
„In den verschiedenen Etappen des synodalen Weges, den ich im Oktober 2021 begonnen habe, haben wir darauf geachtet, was der Heilige Geist den Kirchen in dieser Zeit sagt“, lässt Papst Franziskus in der begleitenden Note zum Dokument wissen. Und weiter: „Indem sie sich vom Heiligen Geist leiten ließ, wurde die gesamte Kirche eingeladen, ihre eigene Erfahrung zu reflektieren und die Schritte zu identifizieren, die nötig sind, um die Gemeinschaft zu leben, die Teilnahme zu verwirklichen und die Mission zu fördern, die Jesus Christus ihr anvertraut hat.“
Was bedeutet das für die Kirchengemeinden vor Ort? Pfarrer Wolfgang Braun von der katholischen Kirchengemeinde Heilig Geist in Balingen schildert seine Eindrücke – „und was uns vielleicht davon begleiten oder inspirieren kann.“
Einander zuhören
Zunächst ins Auge fällt das neue System. „Es war nicht mehr die klassische Bischofssynode. Stattdessen saßen alle Teilnehmenden um runde Tische – vom Jugendvertreter über die Einrichtungsleiterin bis zum Herrn Kardinal und dem Papst“, sagt Wolfgang Braun. Dass „gleichberechtigt und auf Augenhöhe miteinander geredet und vor allem einander zugehört“ wurde, sei „ein Anstoß für unseren Umgang in der Kirche und als Kirche mit den Menschen.“
Der Weg zu einem niederschwelligen, gemeinschaftsbildenden Beteiligungsprozess – er klingt schon im Titel „Gemeinschaft, Teilhabe, Sendung“ an. „Wertvoll“ findet der Pfarrer in diesem Zusammenhang „die stete Betonung, dass sich alle Gläubigen in der Kirche einbringen und mitentscheiden sollen. Mit ihren Fähigkeiten, ihrem Knowhow und an ihrem Platz.“ Denn: „Synodal Kirche sein ist Ausdruck von Dynamik der lebendigen Tradition.“
In diesen Prozess gehört für die Weltsynode auch die Dezentralisierung. Nicht alles könne und dürfe von `oben` entschieden werden, verdeutlicht Wolfgang Braun und bemüht ein Beispiel: „Neben den Bischöfen gibt es Pfarrer, neben Pfarrern Mitarbeitende und die Gemeinden, die am besten vor Ort Lösungen im Geiste Jesu finden.“
Auch wenn bei der Weltsynode kontroverse Themen auf den Tisch kamen, über die konstruktiv diskutiert wurde, wecken Treffen der Weltkirche immer auch eine gewisse Erwartungshaltung. „Man erwartet neben geist-erfüllten Begegnungen auch Konkretes, etwa Vereinbarungen“, weiß Wolfgang Braun.
Was geht diesbezüglich aus dem Abschlussdokument hervor? Konkrete Beschlüsse finden sich darin nicht. Immerhin, so der Pfarrer, würden jedoch „Felder zur Diskussion gestellt oder geöffnet.“ Beispielsweise sollen mehr Laien bei der Auswahl der Bischöfe einbezogen werden. Und zum Thema Ökumene heißt es: „Der Weg der Synodalität, den die katholische Kirche beschreitet, ist und muss ökumenisch sein.“
Die Rolle der Frau in der Kirche
Wie bereits bei früheren Synoden stellt sich auch nach dieser die Frage nach der Stellung von Frauen in der kirchlichen Hierarchie. Frauen sollen „in verantwortlichen Aufgaben in Pastoral und im Dienst“ gefördert werden, ist dem Abschlussdokument zu entnehmen. Gleichwohl befürchtet Wolfgang Braun, dass die Entscheidung über eine Weihe von Diakoninnen und Priesterinnen „in der ganzen Welt zu einer Zerreißprobe wird.“
All dies zeige, wie schwierig es sei, „verschiedene Positionen in der Weltkirche unter einen Hut zu bekommen“, resümiert er. Eine mögliche Lösung? „Kompromisse finden oder, besser, Lösungen vor Ort entwickeln, die lokal praktiziert werden.“
Oft zeigt sich dabei, dass Kirchengemeinden vor Ort in manchen Punkten schon weiter sind als das, was auf Papier festgehalten wurde. „Dass Einrichtungen wie Diözesanrat oder Kirchengemeinderat verbindliche Mitwirkungsrechte bekommen sollen, ist in unserer Diözese bereits geregelt“, sagt Wolfgang Braun.
Auch die Ökumene wird in der Eyachstadt gelebt. So blüht etwa das Engagament der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen Balingen (ACK) nach der Gartenschau weiter.
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Jahre lang haben Bischöfe und Laien, Männer und Frauen in Rom über die Zukunft der Kirche beraten. Im Oktober 2024 wurde ein Abschlussdokument verabschiedet.
