Waldkindergarten in Schömberg
: Enttäuschung an der Tagesordnung

Die Mitglieder des Gemeinderats Schömberg zeigten sich am Mittwochabend fassungslos darüber, wie die Behörden dem geplanten Waldkindergarten Steine in den Weg legen.
Von
Jennifer Dillmann
Schömberg
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Der Waldkindergarten soll vor dem Wald auf der Wiese, gegenüber von der Palmbühl-Kirche einen Platz finden. Ob das Vorhaben gelingt, steht noch in den Sternen. Im Moment erscheint eine Bauwagen-Lösung als einzige Option. ⇥

Jennifer Dillmann

„Es ist eine Schande für unseren demokratischen Staat, wie das gelaufen ist“, äußerte Stadtrat Daniel Saffrin in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats. „Wenn man etwas für die Kinder machen will, erwarte ich von allen Behörden eine Kompromissbereitschaft.“

Verschiedene Standorte für Waldkindergarten abgelehnt

Die Enttäuschung ist groß darüber, dass dem geplanten Waldkindergarten Steine in den Weg gelegt werden. Obwohl der Vorschlag für den Standort in den ersten Besprechungen vom Ersten Landesbeamten kam, stellt sich das Landratsamt dem Projekt nun entgegen. Verschiedene von der Stadt vorgeschlagene Standorte im Bereich Palmbühl wurden von den Fachbehörden in Bezug auf den Natur– und Vogelschutz abgelehnt. Das Landratsamt schlug alternativ einen Standort an der Bahnlinie vor — nur wäre es dann kein Waldkindergarten mehr.

Die Stadträte Frank Polich und Andreas Seng berichteten vom Besprechungstermin mit dem Regierungspräsidium. Dabei seien „ziemlich fragwürdige Argumente vorgebracht“ worden, die für Bürger nicht nachvollziehbar seien. „Es war nicht sehr angenehm — mit sämtlichen Unterstellungen, dass wir uns günstig an einen normalen Kindergarten ranmachen wollen“, erinnerte sich Polich. „Um die Kinder, die es besuchen sollen, ging es ganz wenig.“

„Ziemlich fragwürdige Argumente“

Die Verwaltung orientierte sich bei ihrem Vorgehen stark an dem Beispiel von Geislingen. In besagtem Gespräch sei die Genehmigung sowohl für den Waldkindergarten als auch für die Abholzung des Gebietes als „Fehler“ bezeichnet worden, wie Seng der Versammlung berichtete. Außerdem bemängeln die Schömberger, dass die Präsentation des Landratsamts einseitig auf eine Lösung mit Bauwagen ausgelegt war und daher beispielsweise eine Container–Lösung scheinbar nicht infrage komme.

Schömberg steckt mitten im Dilemma

Die Verwaltung verfolgte den vom Landratsamt vorgeschlagenen Standort an der Zufahrt zum Stauseeparkplatz, und der Gemeinderat traf im März den Aufstellungsbeschluss, welcher der Forderung des Landratsamts nach einem Bebauungsplan entsprach. Im Rahmen der Behördenanhörung erhoben jedoch der Regionalverband und das Regierungspräsidium Tübingen Bedenken gegen einen Bebauungsplan, aus Gründen der Raumordnung. Einem Bebauungsplan würde nicht zugestimmt werden. Die Stadt Schömberg steckt also mitten im Dilemma: Während die eine Behörde einen Bebauungsplan fordert, stellen sich die anderen Behörden dagegen.

Ohne Bebauungsplan kann für den Waldkindergarten keine Schutzhütte errichtet werden. Daher bleibt als einzige Option für den ausgewählten Standort eine mobile Lösung, welche das Landratsamt als Bauwagen definiert. Doch selbst wenn die Verwaltung diese Option umsetzt, steht die Zusage für die Baugenehmigung aus. Diese hänge letztendlich von der Bewertung des Artenschutzes ab. „Unbefriedigend aus meiner Sicht“, äußerte Bürgermeister Karl–Josef Sprenger, „Aber wie es aussieht die einzige Möglichkeit, schnell zur Umsetzung zu kommen.“

Baugenehmigung steht aus

Mehrheitlich mit einer Enthaltung stimmte der Gemeinderat dafür, den Standort am Palmbühl weiterhin zu verfolgen und keinen neuen Standort anzustreben. Architektin Ute Hölle soll dem Gemeinderat zeitnah verschiedene Varianten hierfür vorstellen.

Auf Vorschlag von Stadtrat Edwin Nagel hin, soll neben der Option des Bauwagens auch eine Container–Lösung geprüft werden. Neun Gemeinderäte stimmten dafür, drei dagegen, einer enthielt sich. Bedenken wurden etwa dahingehend geäußert, dass die Prüfung der Container–Option den Prozess verzögern könnte, von allen Beteiligten jedoch eine schnelle Umsetzung angestrebt wird.

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