Seit mehreren Monaten werden immer wieder neue Phasen im Umgang mit der Coronapandemie eingeläutet. Ab Februar muss in Fernzügen und in Fernbussen keine Maske mehr getragen werden. Eine Isolationspflicht für Corona-Positive gibt es schon seit Ende 2022 nicht mehr. Viele Medizinerinnen und Mediziner halten den Wegfall der Maßnahmen für vertretbar. Von robuster Coronaimmunität in der Bevölkerung ist die Rede – dank mehrerer Schutzimpfungen oder durchgemachter Infektionen.
Die in den vergangenen drei Pandemiejahren gesammelten Daten zum täglichen Infektionsgeschehen sind mittlerweile archiviert – zum Beispiel jene des Landratsamtes in Balingen. Dort wurde das Corona-Dashboard für den Zollernalbkreis das letzte Mal am 30. Dezember 2022 aktualisiert. Die Pandemie ist also in den Archiven angekommen, sie ist endemisch geworden. Ein Vergessen, wie gefährlich das Virus einst gewesen ist und für viele Menschen, gerade für vulnerable Gruppen, noch immer ist, darf es aber nicht geben. Die Zahl der an oder mit Covid-19 Verstorbenen im Kreis grenzt an 400. Wer aktuell einen Blick auf das RKI-Dashboard wirft, liest in der oberen rechten Ecke zwar „keine neuen Todesfälle“. Heißt, seit der letzten Meldung ist niemand im Kreis mehr am oder mit dem Virus verstorben. Doch was auch zu lesen ist: In den vergangenen sieben Tagen wurden 178 Menschen im Kreis erfasst, die sich mit dem Virus angesteckt haben.
Noch immer braucht es Demut im Umgang mit Corona. Gerade dann, wenn zurückgeschaut wird und all jene in den Blick genommen werden, die in drei Jahren des medizinischen Ausnahmezustandes Großes geleistet haben. Ärzte und Ärztinnen, das Pflegepersonal, die Seelsorge. Sie verdienen so viel mehr als ein „Danke“.