Senioren im Zollernalbkreis
: Mit Begleitung reist es sich entspannter

Wer im hohen Alter und mit gesundheitlichen Einschränkungen aufs Reisen nicht verzichten will, ist beim DRK Kreisverband Zollernalb gut aufgehoben.
Von
Vera Bender
Zollernalbkreis
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Trotz mancher gesundheitlicher Einschränkungen kann man das Leben noch genießen. ⇥

© eyetronic/stock.adobe.com

Urlaub ist etwas Wundervolles. Reisen und fremde, reizvolle Gegenden entdecken. Entweder als Kulturtrip, Abenteuer oder einfach zum Entspannen. Die Deutschen reisen gerne. Doch längst sind sie nicht mehr „Reiseweltmeister“. Australier beispielsweise haben die höchsten Pro-Kopf-Ausgaben beim Tourismus, und die Schweden liegen auch noch vor den Deutschen. Eingebrochen ist die Reiselust hierzulande durch die Corona-Krise.

Diese hat noch etwas anderes bewirkt im Reisesektor. So hat bis zum Ausbruch der Pandemie immer der Landesverband des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) „begleitete Reisen“ angeboten, wovon auch Menschen im Zollernalbkreis profitiert haben. Die gute Nachricht ist, dass Kreissozialdezernentin Nathalie Hahn vom DRK Kreisverband Zollernalb diese besondere Form des Verreisens nun direkt anbietet, war sie doch zuvor schon über zehn Jahre lang in diesem Bereich ehrenamtlich tätig.

Spezielle Reiseform

Doch was bedeutet eigentlich „begleitetes Reisen“? Dieses spezielle Angebot richtet sich vor allem an ältere Menschen, die nicht mehr alleine verreisen können oder wollen. Weil sie beispielsweise nicht gut zu Fuß und deshalb auf einen Rollator angewiesen sind, erklärt Nathalie Hahn. Bei normalen Busreisen gibt es ein straffes Tagesprogramm, bei dem man mithalten muss. Das ist für betagte Leute nicht ganz so einfach. Und darauf nimmt man beim DRK Rücksicht. Auf allgemeinen Wunsch der Seniorinnen und Senioren starten Fahrten auch immer erst um 10 Uhr. In aller Frühe, womöglich bei nachtschlafender Zeit, auf den Bus warten, das möchten die Reisenden in fortgeschrittenem Alter nicht mehr.

„Unsere Gäste haben besondere Bedürfnisse, auf die wir uns einstellen“, berichtet die Kreissozialdezernentin. Dazu gehört, dass die Busfahrten mit mehr und längeren Pausen angesetzt sind. Denn auch ein Toilettengang dauert bei Älteren in der Regel etwas länger. Und was muss, das muss. Die Hotels werden ebenfalls danach ausgesucht, dass sie seniorengerecht sind, indem man sich gut im Haus zurechtfindet und sich nicht in verwinkelten Treppenhäusern verirrt, und auch das Programm wird angepasst. Eben alles ohne Hektik. Nach dem Frühstück wird prinzipiell noch eine kleine Pause eingeplant. Einige wollen nochmals auf die Toilette und andere ihre Handtasche aus dem Zimmer holen, weiß Hahn.

Sorge vor Krankheit im Urlaub

Manche Menschen scheuen sich auch zu verreisen, weil sie Sorge haben, sie könnten womöglich krank werden und wären dann auf sich alleine gestellt. Auch hier gibt Nathalie Hahn grünes Licht: „Einmal musste eine Frau in Italien ins Krankenhaus. Dann ist eine Reisebegleiterin bei ihr geblieben.“ Das Credo bei den DRK-Reisen lautet: „Niemand wird alleine gelassen.“ Deshalb kommen auch auf zehn Gäste ein Reisebegleiter. Nur pflegebedürftige Menschen kann man nicht mit auf große Fahrt nehmen. Wenn es aber darum geht, jemandem Kompressionsstrümpfe anzuziehen, dann sei das natürlich laut DRK-Mitarbeiterin machbar. Und man kann sich auch vor Ort um einen Pflegedienst kümmern. Aber den Blutdruck messen, das können die Reisebegleiter aus dem Effeff. Schließlich sind sie entsprechend geschult.

Neue Begleiter willkommen

Reisebegleiterin oder Reisebegleiter kann beim DRK jeder werden. Man muss nur empathisch und gerne mit älteren Menschen zusammen sein. Außerdem sind laut Nathalie Hahn zwei Kurse Pflicht. Einmal der „große“ Erste-Hilfe-Kurs und dann noch eine spezielle Schulung für die Reise, die vom Reiseunternehmer „Müller Reisen“ abgehalten wird. Die Kleidung, an der man die Reisebegleiter erkennen soll, sowie die Ausrüstung werden vom DRK gestellt. Eine Aufwandsentschädigung gibt es zwar nicht, aber dafür sind die Reisen für die Begleiter frei, und natürlich sind die Ehrenamtlichen versichert. „Wir haben immer Bedarf an Reisebegleitern, da wir für jede Reise zwei bis drei brauchen“, so Hahn. Momentan stehen bis zu zehn Ehrenamtliche für diesen Dienst zur Verfügung, aber nicht alle können immer an allen Reiseterminen.

Die Reiselustigen kommen übrigens aus dem gesamten Zollernalbkreis. Man muss auch nicht Mitglied beim DRK sein, um von dem besonderen Angebot profitieren zu können. Das „begleitete Reisen“ steht laut Nathalie Hahn allen Interessierten offen. Manchmal begibt sich allerdings der gesamte Kreisseniorenrat des DRK gemeinsam auf eine Tagesreise. Denn sie wissen dieses Angebot zu schätzen. Es gibt treue Stammkunden, die seit Jahrzehnten mit dem DRK unterwegs sind, und vor allem Fahrten ans Wasser sind laut Hahn sehr beliebt, beispielsweise an den Bodensee oder eine Tour mit dem Neckarschiff.

Schifffahrt auf dem Schluchsee

Und auch das diesjährige Reiseprogramm hat wieder Highlights zu bieten: Dolce Vita am Gardasee mit vier Übernachtungen, Live-Musik und verschiedenen Verkostungen. Oder die Tagesreise mit Schifffahrt auf dem Schluchsee. Eine Spargelfahrt an den Kaiserstuhl oder sechs Übernachtungen in der Lüneburger Heide – wen packt da nicht die Reiselust? Elvira Brünle, die Referentin in der DRK Servicestelle Soziales in Balingen, hilft gerne weiter unter Telefon (07433) 90 99 843.

Besonderheiten und Auszüge aus dem Reiseplan

Individuelle Beratung vor der Reise, Betreuung aller Reisen durch qualifizierte, ehrenamtliche DRK-Reisebegleiter, bei Ausflügen sind Besichtigungen inbegriffen, mindestens zwei Zustiegsmöglichkeiten bei jeder Fahrt, die Abfahrt zu den Tagesausflügen ab Hotel bei den Mehrtagesreisen beginnt nicht vor 10 Uhr.

22. April Halbtagesreise zu Vollmers Mühle, ab 6. Mai für sieben Tage ans Mittelmeer, 28. Mai Spargelfahrt an den Kaiserstuhl, 19. Juni Tagesreise nach Überlingen, ab 12. August für sieben Tage in die Lüneburger Heide, 31. August Tagesreise an den Schluchsee, 19. September Tagesreise nach Heidelberg, 15. Oktober nach Blaubeuren.